Wallfahrt nach Montserrat – unweit von Barcelona/Spanien

Das Kloster MONTSERRAT

muntanya-montserrat-simbol-catalunya-barcelona-pf-c1

Der Montserrat (723 m) hat schon sehr früh eine religiöse Bedeutung erhalten.

Auf die legendenhafte Überlieferung, nach der dort in vorchristlicher Zeit ein Venustempel errichtet worden war, der durch das wunderbare Eingreifen des Erzenengels Michael zerstört wurde, wird nicht näher eingegangen.

Einsiedlermönche sollen schon um das 8. Jahrhundert auf dem Montserrat gelebt haben. Der erste zuverlässige Hinweis darauf stammt vom Ende des 9. Jh. aus der Zeit kurz nach der Rückeroberung des Gebietes von Arabern.

Die Kapelle zum Hl. Iscle, die erhalten geblieben ist, ermöglicht die Vorstellung von damals.

Aus dem 10. Jh. sind bereits die Namen von vier Einsiedeleien belegt, von denen eine der Jungfrau Maria geweiht war, an der Stelle des späteren Heiligtums stand. (In der Nähe wurde das wundertätige Marienbild gefunden)
Die Kunde von Wundertaten, die man der Heiligen Jungfrau Maria zuschrieb, breitete sich rasch aus und so gründete der Abt Oliba im 11. Jahrhundert ein kleines Kloster, das dann dem Benediktinerorden übergeben wurde, und seitdem von dem Orden verwaltet wird. Inzwischen ist es ein sehr großes Kloster geworden.

Außer dem Portal der ersten romanischen Kirche und einem Teil des gotischen Kreuzgangs (1460) blieb nichts erhalten. Im Krieg gegen Napoleon (1808) wurde ein Großteil des Klosters zerstört.

Neben der Basilika und den Klosterbauten gehört zum Heiligtum eine Reihe von Gebäuden, in denen die Pilger untergebracht und versorgt werden. Gottesdienst und Dienst an Fremden sind seit frühester Zeit die zwei Hauptmerkmale von Montserrat.

Vom Klosterplatz kommt man durch die (moderne) Fassade in den ebenfalls modernen Klosterhof und von dort in die 1560-1592 im Renaissancestil erbaute, aber stark renovierte Klosterkirche.

Vom Ende des rechten Seitenschiffes aus gelangt man zu der in der Apsis hoch über dem Hochaltar thronenden „Moreneta”, dem erwähnten wundertätigen Madonnenbild. Es soll ein Werk sein, das um 880 in der „Grotte der Jungfrau” entdeckt wurde. In Wahrheit dürfte die in ihrer Einfachheit sehr schöne und ergreifende Holzfigur aus dem 12. oder 13. Jh. stammen. Die Gesichter und Hände der Maria und des Jesuskindes sind im Kerzenrauch der Jahrhunderte tiefschwarz geworden. Daher rührt der Name für die Schutzpatronin: “La Moreneta” („Die kleine Schwarzbraune”).

Das Kloster hat einen der ältesten und besten Knabenchöre der Welt, die “Escolania”. Seine Geschichte soll bis ins 11. Jahrhundert zurückgehen; vom 13. Jahrhundert an ist sie dokumentarisch belegbar. Ursprünglich wohl eine kleine Klosterschule für die den Altarversehenden Knaben, die auch bei den liturgischen Gesängen mitwirkten entwickelte sich daraus mit der Zeit eine spezielle Musikschule. Unter der Leitung von erfahrenden Mönchen, in der Regel selbst ehemalige Schüler der Escolania, wurde der Lehr plan mit der Zeit auf musikalische Fächer und Instrumentalunterricht ausgeweitet. Die gegenwärtige Ausbildung der rund fünfzig Escolanen ist eine staatlich anerkannte Lehranstalt, in der die Schüler die ihrer Alterstufe (9-14 Jahre) entsprechen Studien absolvieren.
Die eigentliche Aufgabe der “Escolania” ist jedoch die Mitwirkung an den Gottesdiensten in der Basilika.
Die jungen Burschen sind im Internat untergebracht. Es ist für Eltern und Schüler ein großes Opfer, jedoch eine große Ehre nach der Aufnahme in die Sängerschule, im Dienst der Jungfrau von Montserrat zu sein, der bei der großen Zahl der Bewerber eine strenge Auslese vorangeht.
Manchmal kann der Fall eintreten, dass ein Schüler sich zum Mönchsleben berufen fühlt.

Der Chor singt in der durch eine vorzügliche Akustik ausgezeichneten Kirche täglich um 11 Uhr das Konventamt (misa conventual), um 13 Uhr und um 18.45 nach der Vesper das Salve Regina.

Zeittafel

888 Erste urkundliche Erwähnung Montserrats.
(Die Einsiedelei Santa Maria geht in den Besitz Ripolls über.)

971 Geburtsjahr Olibas. um 1025 Oliba, Abt von Ripoll und Bischof von Vic, gründet das Kloster.

12.Jh Entstehungszeit der Marienfigur.

1221 Alfons der Weise schreibt seine Cantigas.

1223 Gründung der Bruderschaft der Jungfrau von Montserrat und der Escolania.
(Erste Zeugnisse von der Anwesenheit der Sängerknaben in Montserrat.)

1409 Das Kloster wird eine selbständige Abtei.

1476 Bau des gotischen Kreuzgangs.

1492 Das Kloster wird von Valladolid abhängig. Abt Garsias de Cisneros.

1493 Bernat Boil begleitet Columbus auf seinen Seereisen nach Amerika.
Eine Antilleninsel erhält den Namen Montserrat.

1499 Einführung des Buchdrucks in Montserrat (durch Luschner).

1500 Cisneros: Exercitatorio de la vida spiritual.

1510 Todesjahr des Abtes Garsias de Cisneros.

1522 Der heilige Ignatius in Montserrat.

1558 Kaiser Karl V. stirbt in Yuste

1592 Weihe der heutigen Basilika (Baubeginn 1559).

1631 Montserratinische Niederlassungen in Wien und in Prag.

1680 Todesjahr von Pater Cererols, eines Leiters der Escolania.

1799 Todesjahr von Pater Casanovas, ebenfalls ein Leiter der Escolania.

1800 Wilhelm von Humboldt besucht Montserrat.

1811 Zerstörung durch die napoleonische Armee.

1816 Erwähnung Montserrats in Goethes Aufsatz «Die Geheimnisse».

1821 Das Einsiedlerleben auf dem Berg erlischt.

1827 Tod Beethovens in Wien in einem Haus, das ehemals im Besitz des Klosters war

1835 Klosterfeindliche Gesetze; die Mönche verlassen Montserrat.

1844 Rückkehr der Mönche. Die Escolania erhält wieder Leben.

1858 Pater Muntadas übernimmt das Amt des Abtes; der Wiederaufbau des Klosters beginnt.

1876 Entstehung der heutigen Apsis mit dem Cambril, der Kapelle der Madonna von Montserrat.

1880 Tausendjahrfeier: Verdaguer/Rodoreda: Virolai.
Verdaguer: Lieder von Montserrat und Legende von Monserrat

1881 Festlichkeiten zur Krönung der Marienstatue;
die Jungfrau von Montserrat wird zur Patronin von Katalonien erklärt.

1885 Tod des Abtes Muntadas (8. März).

1895 Niederlassung in Manila/Philippinen.

1899 Verdaguer: Montserrat.

1912 Wahl des Abtes Marcet.

1915 Erster Liturgischer Kongress von Montserrat.

1926 Beginn der Arbeit an der Bibel von Montserrat.

1931 Feierlichkeiten zum 900. Jahrestag der Klostergründung.
Beginn der Zweiten Republik in Spanien, Autonomiestatut für Katalonien.
Pater Albareda: Geschichte Montserrats.

1936 Ausbruch des Bürgerkriegs.

1939 Die Mönche kehren ins Kloster zurück, das von der autonomen Regierung
Kataloniens vor der Zerstörung bewahrt worden war.

1941 Wahl des Abtes Escarré.

1946 Tod des Abtes Marcet (13. Mai).

1947 «Inthronisierung» der Marienstatue.

1950 Josep M. Sagarra: Das Lied von Montserrat (1944 vollendet).
Verkündigung des Dogmas über die Aufnahme Mariens in den Himmel.
Aus diesem Anlass singt die Escolania im Petersdom in Rom.

1954 Kardinal Roncalli, der künftige Papst Johannes XXIII., besucht Montserrat.
Niederlassung von Mönchen in Medellin (heute Envigado) Kolumbien.

1961 Wahl des Abtes Gabriel M. Brasó.

1965 Niederlassung von Mönchen in Cuixà/ Roussillon. Zweiter Liturgischer Kongress von Montserrat.

1966 Der Abt Brasó wir zum Präsidenten der Kongregation von Subiaco gewählt.
Wahl des Abtes Cassià M. Just.

1968 Tod des Abtes Escarré (21. Oktober). Fertigstellung der neuen Fassade des Klosters.

1970 Eine Gruppe von Mönchen ist an der Gründung eines ökumenischen Klosters in Jerusalem beteiligt.

1980 Dritter Liturgischer Kongress.

1982 Der Papst Johannes Paul II. besucht Montserrat.

1989 Wahl des Abtes Sebastià M. Bardolet.

1992 Vierhundertjahrfeier der Einweihung der Basilika.
Innen- und Aussenrestaurierung des Gebäudes (1995 vollendet).