Medjugorje ist eine himmlische Belohnung kath.net/pur-magazin – 03.Juli 2011

03. Juli 2011, 12:00

Medjugorje ist eine himmlische Belohnung

Im Mittelpunkt steht Jesus Christus. Hier verwirklicht sich die Absicht des Konzils: Zurück zum Evangelium, zu Umkehr, Buße, zurück zu den Sakramenten, zu Eucharistie und Anbetung. P. Tomislav Pervan im Gespräch mit Christoph Hurnaus / PUR-Magazin

Medjugorje (kath.net/pur-magazin.de)

Im Juni 1981 – vor 30 Jahren – berichteten sechs Kinder aus dem jugoslawischen Bosnien-Herzegowina, ihnen erscheine täglich die Muttergottes, die Gospa, die Königin des Friedens. Seither ist das kleine Dorf in der kargen Herzegowina zur größten Gebetsstätte der Christenheit geworden. Am Phänomen Medjugorje kommt in der katholischen Kirche keiner mehr vorbei. PUR-Mitarbeiter Christoph Hurnaus sprach mit Pater Tomislav Pervan, dem früheren Pfarrer von Medjugorje, der von Beginn an Zeuge der Geschehnisse ist.

PUR:
Pater Tomislav, Sie sind seit Beginn Zeuge der Geschehnisse von Medjugorje. Als die Erscheinungen vor 30 Jahren, am 24. Juni 1981, begannen, standen Sie dem Phänomen äußerst skeptisch gegenüber. Drei Jahrzehnte lang begleiten Sie nun das Phänomen Medjugorje als Pfarrer, Seelsorger und Provinzial der Franziskaner in Bosnien-Herzegowina. Was sind die Gründe, die Sie von einem anfänglichen Skeptiker zu einem Zeugen der Botschaften der Muttergottes werden ließen?

Pater Tomislav Pervan:
Da gibt es viele Gründe. Zunächst einmal die Seher. Die sechs Jugendlichen behaupteten von Anfang an, mit einem außerirdischen Phänomen konfrontiert zu sein. Wenn es sich um ein oder zwei Kinder gehandelt hätte, wären die Zweifel vielleicht angebracht. Aber sechs Menschen können nicht dreißig Jahre lang einstimmig lügen, obwohl sie seit Beginn mit Schwierigkeiten zu rechnen hatten. Sie tragen Verantwortung vor ihrem Gewissen, vor der Ewigkeit und vor der Geschichte. Es geht letztlich auch um ihr Seelenheil. In allem übernatürlichen Geschehen waren sie zunächst einmal im Jahr 1981 mit dem atheistischen Regime konfrontiert; zuerst die polizeilichen Verhöre, die ärztlichen Untersuchungen in Citluk und Mostar hinsichtlich eventuellen Erkrankung oder Pathologie, und vor allem dann Anfang Juli, als die Partei mit einem Unisono auftrat, aus allen Medien: Ob im Fernsehen, Radio und Zeitungen, überall ging es um die Seher, die Franziskaner und die Leute von Medjugorje. Ein auf Angst aufgebautes Regime bekam auf einmal Angst vor sechs Halbwüchsigen! Die Lage verschärfte sich Anfang August, als das Regime eine Polizeieinheit mit deutschen Schäferhunden nach Medjugorje schickte, um das ganze Dorf abzuschirmen. Sie erließen ein Verbot, die Berge zu besteigen, so dass bis zum Jahrestag 1983 die Menschen nur auf eigenes Risiko die Berge besteigen konnten. Zwei Studenten aus Wien wurden in der Karwoche 1983 auf dem Krizevac festgenommen, nach Citluk auf die Polizeistation gebracht und für zwei Jahres des Landes verwiesen. Bedrohlich wurde es vor allem als auch der Pfarrer von Medjugorje und zwei weitere Franziskaner verhaftet und zu mehreren Jahren Gefängnisstrafe verurteilt wurden.

Von Anfang an hatten die Seher kein Privatleben mehr, rund um die Uhr wurden sie von Menschen bedrängt, mit allen möglichen Fragen und Problemen konfrontiert. Jedermann trug ihnen seine Nöte und Anliegen vor, und sie zeigten sich äußerst geduldig. Eine Geduld, die sie bis heute behalten haben. Hätte es sich um einen Schwindel gehandelt, wäre es wohl mit all dem in ein paar Wochen vorbei vorbeigewesen. Denn man kann nicht monate- und jahrelang ein solches Schauspiel betreiben. Dann das Verhalten der Menschen in der Kirche. Pater Zovko hat schon im Juli 1981 die Abendmesse eingeführt und alle Menschen zum Gebet und zum Fasten aufgerufen, damit sich die ganze Angelegenheit kläre und es zu einer Unterscheidung der Geister komme. Gepredigt hat er prophetisch, darauf folgte eine große Bekehrungs- und Beichtwelle. Solche Reue, Bekenntnis der Sünden, solche Zerknirschtheit kann nur von Oben gewirkt sein. Die Menschen waren bereit, die Ketten wegzuwerfen, in die sie jahrzehntelang gelegt wurden, durch die atheistische Erziehung und Propaganda, durch den staatlichen kommunistischen Atheismus. Das waren für mich wirklich Neuauflagen jener biblischen Szenen, die wir in den Evangelien nachlesen können. Das waren Jericho’s Posaunen, die wie einst den Fall der Jerichomauern dann den Fall der Berliner Mauer eingeleitet haben. Es dauerte nämlich nicht lange bis der Kommunismus implodierte, wie ein Kartenhaus. Im Westen hatte man sich darauf eingerichtet, dass der Kommunismus noch Jahrzehnte wenn nicht Jahrhunderte dauern werde. Der Himmel aber hat es anders entschieden. Aus eigener Erfahrung bin ich offen geworden für das Wirken der Gnade auch in der heutigen Zeit. Wenn man in seinem Leben selber eine lebendige Gotteserfahrung gehabt hat, dann ist es leichter das Phänomen von Medjugorje anzunehmen, als wenn man sich nur rein rationalistisch dem ganzen Phänomen nähert.

PUR:
In Medjugorje hat sich die Muttergottes als Königin des Friedens vorgestellt. Ihre christuszentrierten Botschaften kreisen immer wieder um die Themen von Umkehr, Gebet, Versöhnung und Fasten. Seit 30 Jahren ist dieses kleine vormals so unbedeutende Dorf in der Herzegowina zum stärksten geistlichen Evangelisationszentrum der Welt geworden. Millionen Pilger sind von Medjugorje innerlich verwandelt weggegangen und haben ernsthaft begonnen ihren Alltag als Christen zu leben. Viele Pilger sind dort wo sie leben zu Mitarbeitern an der Evangelisation geworden. Ist das nicht eigentlich jener Aufbruch, von dem das Konzil geträumt hat?

Pater Tomislav Pervan:
Nach dem Konzil hat man zwei verschiedene Wege in der Kirche eingeschlagen. Die einen denken, Konzil sei so etwas wie ein Abbruch mit dem Bisherigen, Überholten, Tradierten, und die anderen vertreten den Standpunkt, das Konzil verkünde eine Hermeneutik der Kontinuität. Also kein Abbruch. Diesen zweiten Standpunkt wiederholt auch der Papst dauernd. Bedenken wir, dass etwa sechs Jahre vor Beginn von Medjugorje Papst Paul VI. sein Apostolisches Schreiben Evangelii nuntiandi der gesamten Kirche vorgelegt und mit auf den Weg gegeben hat und zwei Jahre vor Medjugorje der selige Johannes Paul II. ein Schreiben über die Weitergabe der Katechese veröffentlichte. Das sind zwei, bis heute nicht genügend eruierte, Schreiben von Daueraktualität.

Ich habe immer wieder aufgrund eigener Erfahrung betont, Medjugorje sei die reifste und beste Frucht des Konzils. Hier verwirklicht sich die Absicht des Konzils: Zurück zum Ursprung, zum Evangelium, zu Umkehr, Buße, zurück zu den Sakramenten, Eucharistie und Anbetung. Im Mittelpunkt steht Jesus Christus. Schon im Jahre 1982 – als ich hier Pfarrer war – haben wir die eucharistische Anbetung wieder eingeführt, die nach dem Konzil als Paraliturgie aufgegeben worden war. Die schönen Monstranzen, in die die Goldschmiede ihr gesamtes Können eingebaut hatten, wurden zu Museumsstücken. Die beiden letzten Päpste betonten und betonen immer wieder die Wichtigkeit der Anbetung, die sie auch vor der ganzen Welt praktizieren, wie kürzlich Papst Benedikt bei seinem Besuch in Zagreb.
Nicht von ungefähr hat man Medjugorje den Beichtstuhl der Welt genannt. Auch eine Fotoreportage über Medjugorje in der letzten Ausgabe des VATICAN-magazins war mit dieser Headline überschrieben. Die Beichte ist eben jenes Heilbad, in das man eingetaucht werden muss, um gereinigt als neuer Mensch aufzutauchen. Das ist eine Realität, die ich tagtäglich hier im Beichtstuhl erlebe.

Der heutige Mensch ist im Grunde depressiv. Warum? Weil er keine Hoffnung hat, weil er keinen Lebensanker und keine Stütze hat. Wenn der heutige Mensch von Neuem Jesus entdeckt, dann ändert sich alles in seinem Leben. Medjugorje hat unzählige Gebetsgruppen in der gesamten Weltkirche ins Leben gerufen. Das sind die bleibenden Früchte von Medjugorje. Schon in den achtziger Jahren waren der heutige Wiener Kardinal Schönborn als Professor und Dominikaner von den unzähligen „Medjugorje“-Gebetsgruppen angetan, die damals in Österreich entstanden. Das ist einer der Gründe, warum er Medjugorje für glaubwürdig hält. Die Spiritualität von Medjugorje bewährt sich im Glaubensleben der Menschen.

Ich kenne mich auch einigermaßen in der deutschen Szene aus. Überall in den Pfarreien sind die Medjugorje- Pilger einsetzbar, in jeglicher Pfarrtätigkeit. Sie sind die treibende Kraft des Pfarrlebens und arbeiten in ihren Pfarrgemeinden an der Neuevangelisierung mit.

PUR:
Medjugorje liegt geographisch im Kreuzungspunkt dreier Kulturen und Religionen. Hier haben die katholischen Kroaten über Jahrhunderte ihren Glauben gelebt und manchmal auch unter schlimmsten Verfolgungen heroisch bezeugt. Papst Benedikt XVI. hat im Juni bei seinem Kroatienbesuch über den Glauben des kroatischen Volkes gesagt: „Ich habe mich gefreut, diese Inkarnation des Glaubens zu sehen: eines Glaubens, der mit dem Herzen gelebt wird, wo das Übernatürliche natürlich wird und das Natürliche vom Übernatürlichen erleuchtet wird.“ Ist das nicht vielleicht auch auf die Botschaft von Medjugorje, zurückzuführen, wo der Glaube mehr mit dem Herzen als mit dem Hirn gelebt wird?

Pater Tomislav Pervan:
Meiner bescheidenen Meinung nach ist Medjugorje gewissermaßen die himmlische Belohnung der Standhaftigkeit im Glauben des kroatischen Volkes. Mehr als acht Jahrhunderte träumten die Kroaten von einem eigenen unabhängigen Staat. Die ganze Geschichte hindurch waren wir ein Spielball in den Händen anderer, meistens fremder Herrscher (Ungarn, KuK-Monarchie, osmanischen Eroberungen, Ausbeutung unseres Küstengebiets von Venedig). Die Kroaten waren dauernd unterjocht und erniedrigt. Der Herr hat auf die Niedrigkeit seines Volkes geschaut, hat sich seiner erbarmt. Medjugorje hat sich tief ins kroatische Bewusstsein eingeprägt, es wurde sozusagen zum Bestandteil unserer kroatischen Identität in der Welt. Wer weiß schon um die insgesamt fünf Millionen Kroaten etwa in Amerika oder in Brasilien.

Wenn man aber Medjugorje erwähnt, dann wissen wohl alle um diesen Ort. Nach schwierigen Besuchen in der Tschechei, in Frankreich und in Großbritannien hatte der Papst in Kroatien ein Heimspiel. Das war überall zu spüren.

PUR:
Alle sechs Seher, die von Beginn an Botschaften von der Muttergottes empfingen, sind heute verheiratet und leben als Ehefrauen und Ehemänner mit ihren Familien und Kindern. Einige von ihnen unternehmen immer wieder anstrengende Reisen um die Botschaften der Muttergottes bekannt zu machen. Welche Rolle spielen die Seher als Zeugen der Erscheinungen der Muttergottes?

Pater Tomislav Pervan:
Wie gesagt, seit Beginn des Phänomens hatten die Seher kein Privatleben mehr. Sie waren von Anfang an Zeugen des Geschehens. Das sind sie bis heute geblieben. Anfangs waren sie die Schlüsselfiguren, im Sinne eines Autoschlüssels. Hat man den richtigen Schlüssel in der Hand, kann der Motor anspringen. Die Seher sind wie eine Initialzündung einer großen Bekehrungs- und Erneuerungswelle.

So war es mit Juan Diego in Guadalupe, mit Bernardette in Lourdes und mit den drei Hirtenkindern in Fatima. Nach der Zündung muss man den Schlüssel aus der Hand lassen. So ist es mit auch mit den Medjugorje-Sehern. Als sich der ‘Medjugorje-Kraftwagen’ in Bewegung setzte, als Medjugorje zu einer großen Umkehrbewegung und Neuevangelisation wurde, sich aufrichtete und selbständig wurde, waren die Seher nicht mehr im Mittelpunkt. Man braucht für die ‘Fahrt’ nur den richtigen ‚Treibstoff’ im Sinne von Gebet, Umkehr, Fasten, dann kann der Segen nicht ausbleiben.

Daher ist Medjugorje ein Segen für die Welt und die Kirche. Wie gesagt, am Anfang waren sie als unmittelbare Zeugen wichtig, später aber kann man sie fast vergessen. Sie sind heute nicht mehr so wichtig. Wichtig ist nur die Tatsache, dass keines von den Seherkindern die Realität der Erscheinungen geleugnet hat. Dasselbe ist der Fall mit den Franziskanern, die anfangs hier waren und dann abtraten. Medjugorje hängt nicht von den Personen ab, sondern von der inneren Kraft der Gnade und des Gebets.

PUR:
Als im Jahr 1981 die Erscheinungen begannen war die Pfarrei Medjugorje Teil des kommunistischen Vielvölkerstaates Jugoslawien. Die sechs Seher, damals noch Kinder, waren in dieser Zeit starken Repressalien seitens der kommunistischen Behörden ausgeliefert. Am zehnten Jahrestag der ersten Erscheinung von Medjugorje verließen Kroatien und Slowenien den kommunistischen Völkerbund Jugoslawien und erklärten ihre Unabhängigkeit. Es folgten kriegerische Auseinandersetzungen in Slowenien, Kroatien, Bosnien-Herzegowina und im Kosovo, die einen hohen Blutzoll forderten. Wie sehen Sie die damaligen Ereignisse im Kontext der Botschaft der Königin des Friedens?

Pater Tomislav Pervan:
Die Frage ist viel zu komplex, sie erfordert eine eingehende Studie. In all ihren Facetten sind die aufgeworfenen Fragen für eine geschichtsphilosophische Studie geeignet. Sowohl die am zehnten Jahrestag der ersten Erscheinungen in Medjugorje erfolgte Unabhängigkeitserklärung von Kroatien und Slowenien als auch der zwei Jahre früher erfolgte Fall der Berliner Mauer, nahmen als Gebetsrevolution in Medjugorje ihren Anfang. In Medjugorje traten die Menschen und Pilger den kommunistischen Repressalien seit 1981 mit Rosenkränzen in den Händen entgegen.

Auch die Seher haben sich überhaupt nicht einschüchtern lassen, durch nichts und niemanden. Mirjana in Sarajevo musste mehrmals die Schule wechseln, auch Vicka und Marija wurden in der Schule dauernd gemobbt. Der Fall des Kommunismus ist auch eine Folge von Medjugorje.

Ich frage mich immer wieder, warum die Stadt Split während der kriegerischen Auseinandersetzungen im auseinander brechenden Jugoslawien von Zerstörungen bewahrt wurde, während Dubrovnik, Sibenik, Mostar, Zadar und Sarajevo sehr schwer beschädigt wurden? Kann man das irgendwie mit dem Glauben des Erzbischofs Franic von Split an die Erscheinungen in Medjugorje in Zusammenhang bringen? Er war ein Mann des tiefen Gebets. Nach seiner Pensionierung hat er sich zurückgezogen und die meiste Zeit in der Kapelle vor dem Allerheiligsten verbracht. Er hat in dieser Kapelle die 24-Stunden Anbetung eingeführt…

Bis heute haben wir keine eingehende Studie zum Fall des Kommunismus. Warum? Weil im Westen die (linken) Achtundsechziger ihren Marsch durch die Institutionen weitermachen – gegen die Familie, gegen die Ehe, gegen die Moral und Ethik, gegen alle überlieferten Werte. Die Achtundsechziger sind jetzt an den Hebeln der Macht, auch im Bildungswesen. Wenn diese Leute einmal von den Unis, aus der Kunst und den anderen einflußreichen Stellen abtreten, wird sich vielleicht die Szene ändern und die Geschichte in einem anderen Tonfall weiter geschrieben. Den Krieg im ehemaligen Jugoslawien hatte die großserbische Blut-und-Boden- Ideologie ausgelöst. Die Serben wurden durch die Amselfeldniederlage von 1389 traumatisiert. Das wurde zum Mythos und der Hass gegen die Muslime wurde durch Jahrhunderte geschürt. Srebrenica ist ein sprechendes Beispiel. Aber man darf auch nicht die unselige Rolle der westlichen Länder in diesem Konflikt außer acht lassen. Frieden heute? Höchstens Waffenstillstand…

PUR:
1981 begannen die Erscheinungen von Medjugorje, nur drei Jahre später überantwortete Papst Johannes Paul II. in einer Weihe die Welt der Muttergottes. Kurze Zeit später wurde Michael Gorbatschow zum Generalsekretär der Kommunistischen Partei der UDSSR gewählt. 1989 fiel wie durch ein Wunder der eiserne Vorhang, der Europa vier Jahrzehnte lang teilte. So wie Fatima am Beginn des Kommunismus stand, so läutete Medjugorje dessen Ende ein. Kann man sagen, dass die Gospa von Medjugorje und der Papst aus Polen die beiden Säulen waren, die den Kommunismus zu Fall brachten?

Pater Tomislav Pervan:
Der Vergleich drängt sich auf, die Verbindungspunkte sind nicht zu übersehen. Ihre Frage beinhaltet ja schon die Antwort und zum Teil wurde sie auch eben von mir beantwortet. Der Papst hatte die Einheit Europas im Herzen. 1980 erklärte er die slawischen Apostel, die Griechen aus Thessaloniki, Cyrill und Methodius, zu Patronen Europas, neben dem heiligen Benedikt. Er wollte, dass Europa mit beiden Lungen atmet, dass die Jalta-Spaltung Europas von 1945 ein Ende nimmt, dass die Trennmauer fällt. Er war ein Visionär und Mystiker.

Erinnert sei auch an die Marien-Weihe durch Pius XII. 1942. Daraufhin kam es zur Kriegswende. Die Deutschen verloren danach so gut wie alle großen Schlachten. Der Zweite Weltkrieg wurde durch den Himmel entschieden, nicht durch Waffen. In all diesen Geschehnissen bewahrheitet sich, was Maria auf unübertreffliche Art und Weise in ihrem Magnificat besingt, wo Gott die Umkehrung aller Werte vollzieht, wo er die Mächtigen von ihren Thronen und Höhen stürzt, und die Kleinen, Geschundenen erhöht und ehrt.

PUR:
Papst Johannes Paul II. hat das Phänomen Medjugorje über Jahre hinweg mit großem Interesse und Sympathie begleitet. In einem Buch seines Postulators im Seligsprechungsprozess, Slawomir Oder, kann man lesen, dass Johannes Paul II. 1987 der Seherin Mirjana Dragicevic sagte, wäre er nicht Papst, wäre er selbst in Medjugorje, um Beichte zu hören. Diese Absicht bestätigt auch das Zeugnis von Kardinal Frantisek Tomasek, emeritierter Erzbischof von Prag, der ihn sagen hörte, wenn er nicht Papst wäre, würde er nach Medjugorje gehen, um seine Hilfe bei der Betreuung der Pilger anzubieten. Können Sie noch mehr über die Beziehung des neuen Seligen zu Medjugorje sagen?

Pater Tomislav Pervan:
Ich kann nur aus eigener Erfahrung berichten, anlässlich seines Besuches in Sarajevo im April 1997. Damals war ich Provinzial der Franziskaner in Herzegowina und war unter denen, die den Papst auf dem Flughafen von Sarajevo begrüßten. Vor mir war der bosnische Provinzial an der Reihe und der Papst hat ihn auf Medjugorje angesprochen. Dieser hat auf mich gezeigt und als ich dann an der Reihe war, hat der Papst gelächelt, als das Wort ‘Medjugorje’ fiel. Dann beim Abendessen habe ich ihm ein Buch über Medjugorje übergeben, worüber er sich sehr gefreut hat, und am nächsten Tag, bei seinem Abflug, hat sich die Szene auf dem Flughafen wiederholt. Das war für mich ein gutes Omen, der Papst machte eine sehr freudige und freundliche Miene, als Medjugorje erwähnt wurde. Und das Wort kam zuerst aus seinem Munde!

PUR:
Seit März 2010 prüft nun eine von Papst Benedikt XVI. eingesetzte vatikanische Untersuchungskommission die Geschehnisse von Medjugorje. Kardinal Camillo Ruini, der Leiter dieser Kommission, hat sich dieser Tage zu Wort gemeldet und gesagt, dass ein offizielles Urteil über Medjugorje noch weit entfernt ist. Wie haben Sie als Seelsorger in Medjugorje bisher die Arbeit der Kommission wahrgenommen?

Pater Tomislav Pervan:
Wer die bisherige Laufbahn und Tätigkeit von Kardinal Ruini kennt, weiß, dass es sich um einen aufrichtigen und echten Mann der Kirche handelt, der sehr um den Glauben in der heutigen Zeit bemüht ist. Er ist viel zu seriös, als dass er die Angelegenheit von Medjugorje nicht mit dem gemessenen Ernst angehen würde. Ich rechne auf keinen Fall mit einem Verbot. Medjugorje hat sich schon tief in das Wesen und Leben der Kirche eingeprägt und hat tiefe Wurzeln in der Gesamtkirche geschlagen. Medjugorje ist zu einem gewaltigen Baum geworden. Wer ihn ausreißen wollte, könnte dies nicht tun, ohne einen großen Schaden in der gesamten Kirche anzurichten. In seiner Bekanntheit hat Medjugorje heute längst Lourdes und Fatima übertroffen. Dies ist keine Übertreibung, sondern Tatsache. Und contra factum non datur argumentum.

PUR:
Welche Botschaft würden Sie an die Skeptiker von Medjugorje richten?

Pater Tomislav Pervan:
Ich würde allen den Rat geben, die Position von Kardinal Schönborn einzunehmen. Auf die Früchte schauen, keine Voreingenommenheit, Offenheit dem Übernatürlichen gegenüber. Marias Pastoral ist hier am Werk. Kleine Schritte, wie bei der Therese vom Kinde Jesu. Gott kann in den Lauf der Welt und Geschichte eingreifen, der Geist Gottes weht auch in der heutigen Zeit. Medjugorje als ein neues Kapitel der Apostel-und Kirchengeschichte. Das größte religiöse Ereignis am Ende eines Jahrhunderts und Jahrtausends. Wer nach Medjugorje kommt, kann sehen, wie die Kirche in einer winterlichen Zeit vom Neuem aufblühen kann.