Die Märtyrer von SIROKI BRIJEG + 7. Februar 1945

“Die Märtyrer von Siroki Brijeg   ╬  –   7. Februar 1945

 Nach dem 1. Weltkrieg wurde aus den zuvor verfeindeten Teilen Slowenien, Kroatien und Serbien der neue Staat Jugoslawien gebildet; als Gegenbewegung der katholischen Kroaten formierte sich die Rebellengruppe „Ustascha” zum Kampf für ein eigenständiges Kroatien. Die Besetzung Jugoslawiens durch Hitlerdeutschland 1941 wurde von der kroatischen Bevölkerung weithin als Befreiung begrüßt, die Ustascha rief im April 1941 das unabhängige Kroatien aus.

Nach der Kapitulation der offiziellen jugoslawischen Streitkräfte organisierte der Generalsekretär der Kommunistischen Partei Jugoslawiens, der Kroate Josip Broz Tito, den Widerstand durch Partisanen; ihr Hauptquartier lag in den bosnischen Bergen. Die Ustascha dagegen organisierte sich nach dem Beispiel der nationalsozialistischen SS und kämpfte an der Seite der Besatzer. Die kroatische (!) Kommission für Kriegsverbrechen kam 1945/46 alleine für das von der Ustascha betriebene KZ Jasenovac zur Schätzung von 500.000 bis 600.000 u.a. serbischen und jüdischen Opfern.

Am 7. Februar 1945 wurden  30 Franziskanermönche   aus dem Kloster im Wallfahrtsort Siroki Brijeg durch kommunistische Partisanen ermordet. Dies war wohl die Reaktion auf das Morden durch den Franziskaner Pero Bnica aus dem Kloster Siroki Brijeg, der nach dem unfasslichen Zeugnis des Ustascha-KZ-Aufsehers Mile Friganovic 1350 Gefangene im KZ Jasenovaz in nur einer Nacht abgeschlachtet habe.

Um drei Uhr nachmittags kamen Partisanen ins Kloster und versuchten die Brüder zu zwingen, ihre Habite abzulegen. Auf ihre Weigerung hin wurden sie aus dem Kloster hinausgeführt und erschossen, ihre Leichnahme wurden mit Benzin Übergossen und verbrannt. Nach dem Zeugnis einiger Soldaten gingen die Franziskaner die Muttergottes-Litanei singend in den Tod. Ihre Namen waren:

 + Bruno Adamcik, Marco Barbaric, Jozo Bencum, Marco Dragicevic, Miljenko Ivankovic, Andrija Jelcic, Judo Juric, Fabijan Kordic, Viktor Kosir, Tadija Kozul, 

Krsto Kraljevic, Stanko Kraljevic, Zarko Leventic, Bonifacija Majic, Stjepan Majic, Arkandeo Nuic, Borislav Pandzic, Kresimir Pandzic, Fabijan Paponja,

Nenad Venacije Pehar, Melhior Prlic, Ludovik Rados, Leonard Rupcic, Mariofil Sivric, Ivo Sliskovic, Kornelije Susac, Dobroslav Simovic, Radoslv Vuksic, Roland Zlopasa

und Leopold Augustin Zubac. +

In Siriki Brijeg ist eine „Katakombe” zum Gedenken an die Franziskanischen Märtyrer errichtet. Ein unterirdischer Gang ist am Ort, wo die Überreste der Brüder lagern, entstanden. Beim Durchgang durch diesen Tunnel soll man dann die Kreuzwegandacht beten können. Siroki Brijeg, rund 20 km vom inzwischen viel besuchten Wallfahrtsort Medjugorje entfernt, hofft, einen Teil der Pilgerströme in das Dorf leiten zu können.

Die neue Wallfahrtskirche „Maria Himmelfahrt” ist inzwischen auch über die Grenzen der Region hinaus bekannt; sie ist Teil eines großen Gebäudekomplexes, zu dem auch das Franziskanerkloster, ein Priesterseminar und das Gymnasium gehören, das 1993 von Kroatiens Präsident Franjo Tudjmann feierlich wiedereröffnet wurde.

Der Franziskanerpater Jozo Zovko, ein Förderer der Marienverehrung in Medjugorje, 1991 bis 1994 Superior des Klosters in Siroki Brijeg, setzt sich für das Gedenken der Märtyrer von Siroki Brijeg ein; 1993 organisierte er ein Symposium, wo Zeugen des Martyriums sich zum ersten Mal trafen. Im Balkankrieg 1991/1992 sprach er zweimal vor dem Sicherheitsrat der Vereinigten Nationen und dem europäischen Parlament in Straßburg und stellte den kroatischen Standpunkt dar, um dem Krieg ein Ende zu bereiten. 1993 wurde auf seine Initiative eine Gebets-Bewegung für den Frieden gegründet: die Vereinigung des Gebets „Heimsuchung”, die inzwischen mehr als 5000 Mitglieder in Bosnien-Herzegowina, Kroatien, Österreich, den USA und Spanien hat.

 

“Die unglaubliche Geschichte des Franziskaners Pero Bnica

Der Ustascha – KZ-Aufseher Mile Friganivic erzählte die unglaubliche Geschichte des Franziskaners Pero Bnica, Angehöriger der Klostergemeinde von Siroki Brijeg, der 1350 Gefangene im kroatischen KZ Jasenovaz in nur einer Nacht abgeschlachtet hat:

„Der Franziskaner Per Bnica, Ante Zrinusic, Sipka und ich handelten eine Wette aus, bei der ausgemacht wurde, wer wohl die meisten Gefangenen in dieser Nacht abschlachten könne.

Das Töten begann, und nach ungefähr einer Stunde hatte ich viel mehr abgeschlachtet als die anderen. Ich fühlte mich wie im siebten Himmel. Ich hatte in meinem Leben zuvor noch nie so viel Wonne verspürt. Und nach wenigen Stunden hatte ich bereits 1100 Menschen umgebracht !,während die anderen jeweils nur 300 bis 400 zu töten geschafft hatten. Und dann, als ich die größte Ekstase erlebte, bemerkte ich einen älteren Bauern stehen, welcher mich friedlich und ruhig beobachtete, wie ich meine Opfer abschlachtete und diese mit größtem Schmerz sterben ließ. Dieser Anblick ergriff mich: Inmitten der größten Ekstase gefror ich plötzlich und konnte für diese gewisse Zeit keine einzige Bewegung machen. Und dann ging ich näher zu ihm, und ich fand heraus, dass er Vukasin war, aus dem Dorf Klepci nahe Capljina, dessen ganze Familie bereits umgebracht war, und dass er nach Jasenovac geschickt wurde, weil er in den Wäldern gearbeitete hatte. Er erzählte mir das mit einer unverständlichen Ruhe, wodurch ich mehr angetan war als durch die schrecklichen Schreie um uns herum. Ich fühlte den Wunsch seinen Frieden zu brechen mit höchster Folter durch sein Leid, um meine Ekstase fortzuführen und mein Zufügen von Schmerz weiter zu genießen.

Ich befahl ihn heraus und ließ ihn auf einen Holzklotz sitzen. Ich befahl ihm, folgendes zu rufen: “Lang lebe Poglavnik Pavelic!” (der kroatische Ustascha-Führer und Staatspräsident), oder ich würde sein Ohr abschneiden. Vukasin schwieg. Ich schnitt sein Ohr ab. Er sagte nicht mal ein Wort. Ich befahl ihm erneut zu rufen: „Lang lebe Pavelic!” oder ich würde ihm sein anderes Ohr abschneiden. Ich schnitt ihm das andere Ohr ab. Rufe: “Lang lebe Pavelic!”, oder ich werde deine Nase abschneiden. Und als ich ihm zum 4. Mal befahl zu rufen: „Lang lebe Pavelic!” und ihm zudem drohte, sein Herz mit einem Messer herauszuholen, schaute er mich an, irgendwie durch mich hindurch und über mich in Ungewissheit und sagte langsam: „Mach deine Arbeit, Kind!” Danach, diese Worte verwirrten mich total, riess ich ihm seine Augen heraus, schnitt sein Herz heraus, schnitt seine Kehle von einem Ohr zum anderen Ohr durch und warf ihn in die Grube. Aber dann brach in mir etwas zusammen, und ich konnte in dieser Nacht nicht mehr töten.

Der Franziskaner Pero Brzica gewann die Wette, weil er 1350 Gefangene fürchterlich ermordet hatte, und ich bezahlte die Wette ohne auch nur ein Wort zu sagen.”