Heiliger Apostel Andreas (*-60)

Der Heilige Apostel Andreas – Bericht von Pfarrer Andreas Skoblicki
Apostel Andreas – Bruder des Simon Petrus

lebte z.Zt. von Nero – Nero war Kaiser 54 – 68

Der Apostel Andreas war der Bruder des Simon Petrus, wie dieser von Beruf Fischer; er stammte aus Bethsaida – dem heutigen El Aradsch bei Mahjar in Syrien – (Johannesevangelium 1, 14) oder aus Kapernaum – – ein heute abgegangener Ort am See Genezareth (Markusevangelium 1, 29), Er war der erste, den Jesus als seinen Jünger berief; zuvor war er Anhänger Johannes’, des Täufers (Johannesevangelium 1, 35 – 40). Wohl im Kreise der Zwölf beim Abendmahl in Jerusalem, bei der Himmelfahrt und an Pfingsten anwesend, wird er sonst nicht besonders genannt.

Die Legende lässt Andreas dann das Evangelium in Pontus und Bithynien in Kleinasien, in Thrakien, schließlich in der Epirus und Achaia in Griechenland verkündigen. In Mirmidonia – möglicherweise in Thessalien gelegen – befreite er demnach den gefangenen Matthäus und gab dem Geblendeten das Augenlicht wieder. Zahlreiche weitere Wunder, Heilungen und Erweckungen werden berichtet. Schließlich hielt er sich in der Achaia auf, baute Kirchen und bewirkte zahlreiche Bekehrungen. Spätere orientalische Überlieferung nennt auch Kurdistan und Armenien als sein Missionsgebiet, die Kirche von Georgien gedenkt seiner Ankunft und Missionsarbeit in ihrem Land.

In Patras heilte Andreas nach der Überlieferung Maximilla, die Frau des Statthalters Ägeas, und bekehrte sie zum Christentum. Er riet ihr eheliche Enthaltsamkeit; daraufhin dem Statthalter gegenüber gestellt, konnte er diesen in einer ausführlich berichteten Disputation nicht vom Christentum überzeugen. Der Statthalter ließ Andreas geißeln und zu besonderer Pein und langsamem Tod an ein X-förmiges Kreuz binden. Zwei lange Tage hängend, predigte Andreas dem Volk, himmlisches Licht verhüllte den Sterbenden. Ägeas verhöhnte ihn, wurde daraufhin mit Wahnsinn geschlagen und starb, ehe er sein Haus wieder erreichte. Maximilla ließ Andreas mit großen Ehren bestatten.

Die Andreas’ Gebeine wurden 357 in die Apostelkirche in Konstantinopel – dem heutigen Ístanbul – gebracht. Dort wurden sie 1208 entwendet und vom Kardinal von Amalfi, Petrus von Capua, in seine Stadt überführt, wo sie in der Krypta des Domes S. Andrea aufbewahrt sind. Das Kopfreliquiar, das auf der Flucht vor den Türken 1462 nach Rom gebracht und 1964 wieder nach Patras zurückgegeben wurde, wird in seiner Echtheit angezweifelt.

AndreasGrab

Andreas’ angebliche Kreuzreliquie befindet sich in der ehemaligen Abtei neben der Kirche Notre-Dame in Beaune; der Legende nach ließ der burgundische Graf Stephan im 12. Jahrhundert das Kreuz ins Kloster St-Victor nach Marseille schaffen; 1438 kamen Teile davon in die Brüsseler Palastkapelle, überbracht von Herzog Philipp dem Guten von Burgund, der 1429 unter Andreas’ Patronat den „Orden vom Goldenen Vlies” gestiftet hatte; das Andreaskreuz wurde zum Feldzeichen und Emblem von Burgund. Das Diagonalkreuz entstammt tatsächlich erst spätmittelalterlicher Überlieferung.

Der Mönch Regulus habe um das Jahr 300 * Reliquien nach Schottland gebracht; andere Überlieferung nennt Acca von Hexham als Überbringer von Andreas-Reliquien nach Schottland und Gründer der dortigen Stadt St Andrews; jedenfalls kamen kleine Reliquien 1879 und 1969 nach Schottland, sie sind in der St. Mary’s Cathedral in Edinburgh verwahrt.

Seit dem 5. Jahrhundert findet sich Andreas als Patron auch im Westen, so für Ravenna. Gregor von Tours schrieb im 6. Jahrhundert ein Buch über seine Wunder. Das Hieronymus zugeschriebene Martyrologium nennt neben seinem Todestag auch den 5. Februar als Tag seiner Einsetzung als Bischof von Patras in Griechenland.

In der Reihe der Apostel steht Andreas an zweiter Stelle, er gilt als Verfasser des 2. Glaubensartikels. In Rivalität mit Roms Apostelfürsten Petrus und Paulus entwickelte Konstantinopel – das heutige Ístanbul – für den von Jesus Erstberufenen („Protoklitos”) eine besondere Andreas-Verehrung, die Gründung des Bischofssitzes in Byzanz – dem heutigen Ístanbul – wird ihm zugeschrieben. In Russland und in Schottland wird Andreas als Landespatron besonders verehrt.

In der „Andreasnacht” zum 30. November zogen Kinder maskiert von Haus zu Haus, sangen lustige Verse und wurden dafür beschenkt. Dem Volksglauben zufolge können heiratswillige Mädchen in der Andreasnacht den Zukünftigen im Spiegel sehen. Für Bauern war der Andreastag ein wichtiger => Lostag für das Wetter, die Andreasnacht gilt als günstig für Orakel und Schatzhebung. Ein X-förmiges Kreuz nennt man nach den Berichten von Andreas’ Martyrium Andreas-Kreuz, es steht weltweit vor Bahnübergängen.

Über das Ende des heiligen Apostels berichtet die älteste Urkunde, welche man darüber hat, folgendes:

Da der Statthalter Aegeas nach Patras kam, fing er an, die Christen beitreiben zu lassen, damit sie den Götzen opfern.

Ihm stellte sich der heilige Andreas entgegen und sprach:
“Es wäre deine Schuldigkeit, dass du als Richter der Menschen auch deinen Richter, der im Himmel ist, anerkenntest und ihn als wahren Gott anbetetest, hingegen dich von jenen abwendest, welche keine wahren Götter sind.“

Aegeas erwiderte ihm: „Bist der der Andreas, welcher die Tempel der Götter zerstört und die Leute zu jener abergläubischen Sekte verleitet hat, welche auszurotten die römischen Kaiser befohlen haben?“

Andreas sprach: “Die römischen Kaiser sind noch nicht zur Erkenntnis gekommen, dass der Sohn Gottes zum Heile der Menschen gekommen ist und gelehrt hat, dass jene Götzen nicht nur keine Götter, sondern böse Geister und Feinde der Menschheit sind, welche die Menschen lehren Gott zu beleidigen und ihm sich zu entfremden, damit sie Sklaven und Spielzeuge des Teufels werden und einst mit Sünden beladen sterben.«

Aegeas sprach: „Da euer Jesus diese abergläubische und eitle Lehre predigte, haben ihn die Juden an das Kreuz geschlagen.“

Andreas antwortete: „O, wenn du doch das Geheimnis des Kreuzes kennen lernen möchtest, wie der Urheber des menschlichen Geschlechtes aus Liebe für unsere Herstellung dieses Kreuz nicht gezwungen, sondern freiwillig übernommen hat.“

Aegeas sagte: „Da versichert wird, er sei von einem Jünger überliefert, von den Juden ergriffen, zu dem Landpfleger geführt und auf das Verlangen der Juden von den Soldaten des Landpflegers gekreuzigt worden, wie kannst du sagen, dass er freiwillig der Kreuzigung sich unterzogen habe?“

Andreas antwortete: „Das behaupte ich darum, weil ich bei ihm war, als er von seinem Jünger verraten wurde, und weil er vorher es uns gesagt hatte, dass er verraten und für das Heil der Menschen gekreuzigt werde. Auch sagte er voraus, dass er am dritten Tage auferstehen werde. Als mein Bruder Petrus zu ihm sagte: “Bewahre Herr, solches soll nicht geschehen”, sprach er entrüstet also zu Petrus: “Weg von mir, Widersacher, denn du sinnest nicht, was Gottes ist.”
Und um uns vollständiger zu belehren, dass er freiwillig das Leiden auf sich nehme, sagte er uns: “Ich habe Macht, mein Leben hinzugeben und habe Macht, es wieder zurückzunehmen.”

Aegeas sprach: „Ich wundere mich, wie du als verständiger Mann jenem anhangen magst, von dem du selbst gestehst, dass er ans Kreuz geheftet worden ist, sei es nun freiwillig oder
gezwungen.“

Andreas sprach: „Erinnere dich, dass ich auch gesagt habe, groß sei das Geheimnis des Kreuzes.“

Aegeas sagte: „Geheimnis kann man es nicht heißen, sondern Hinrichtung.“

Andreas erwiderte: „Wenn du mich geduldig anhörst, sollst du erfahren, wie diese Hinrichtung das Geheimnis der menschlichen Erlösung ist.“

Aegeas sagte: „Ich will dich zwar geduldig anhören, wenn du dann aber nicht auf mich folgsam hörest, so wirst du das Geheimnis des Kreuzes an dir selbst erfahren.”

Andreas antwortete: “Wenn ich vor dem Kreuze mich fürchtete, so würde ich die Herrlichkeit des Kreuzes nicht predigen. Der Tod der Gerechten ist Kostbar, der Tod der Sünder aber entsetzlich. Und deshalb möchte ich, dass du das Geheimnis des Kreuzes hörest, damit du vielleicht daran glaubest und durch den Glauben deine Seele gerettet werde.“

Aegeas sprach: „Gerettet wird, was zugrunde gegangen ist. Ist denn meine Seele zugrunde gegangen, dass du behauptest, sie könne gerettet werden durch einen ich weiß nicht was für einen Glauben?“

Andreas antwortete: „Das ist es, was du lernen solltest, wie die verlorenen Seelen durch das Geheimnis des Kreuzes gerettet werden. Der erste Mensch hat nämlich durch das Holz der bösen Lust den Tod herbeigezogen: darum war es für die Menschheit notwendig, dass durch das Holz des Leidens der eingedrungene Tod wieder vertrieben wurde. Und wie der erste Mensch aus unbefleckter Erde gebildet worden ist, so musste der von einer unbefleckten Jungfrau geborene vollkommene Mensch Christus, welcher Gottes Sohn ist, das ewige Leben, welches alle verloren hatten, herstellen und durch das Holz des Kreuzes das Holz der bösen Lust beseitigen, unbefleckte Hände am Kreuze ausstrecken für unenthaltsam ausgestreckte Hände, für die süße Speise des verbotenen Baumes die Speise der Galle empfangen und unsere Sterblichkeit annehmen um seine Unsterblichkeit uns mitzuteilen.“

Aegeas sprach: „Solche Dinge musst du jenen vorreden, welche dir glauben, mir aber nicht; wenn du nicht folgest und den allmächtigen Göttern opferst, so werde ich dich an dasselbe Kreuz, das du so lobst, annageln lassen.“

Andreas erwiderte: „Dem allmächtigen, einzigen und wahren Gott opfere ich an jedem Tage; nicht Weihrauch, noch das Fleisch brüllender Stiere, noch der Böcke Blut, sondern das unbefleckte Lamm opfere ich täglich auf dem Altar des Kreuzes.“

Hierauf ließ ihn der erzürnte Aegeas in den Kerker werfen. Da kam aber eine Volksmenge fast aus der ganzen Provinz in der Absicht zusammen, den Aegeas zu töten, den Kerker aufzubrechen und den Apostel Andreas zu befreien.

Der heilige Andreas ermahnte sie aber mit diesen Worten:
„Verkehret nicht die Ruhe unseres Herrn Jesu Christi zu höllischem Aufruhr. Denn da der Herr überliefert wurde, zeigte er alle Geduld. Er zankte und schrie nicht auf den Straßen. Deswegen müsst auch ihr Stille, Ruhe und Frieden einhalten und nicht nur mein Martyrium nicht verhindern, sondern euch auch selbst zu Kämpfern des Herrn machen, damit ihr die Drohungen unverzagten Mutes besteht und die Peinigungen des Körpers standhaft ertragen.
Denn nur jene Schrecken und Schmerzen sind zu fürchten, welche niemals ein Ende nehmen; die irdischen aber sind entweder leicht und lassen sich deswegen aushalten, oder sind schwer und nehmen dann bald das Leben. Deswegen bereitet euch durch diese zeitlichen Trübsäle vor, in den Himmel einzugehen, wo ihr immer euch freuen, immer blühen und immer mit Christus regieren werdet.“

Diese und ähnliche Ermahnungen gab der heilige Apostel Andreas dem Volke die ganze Nacht hindurch.

Als der Tag angebrochen war, ließ Aegeas ihn wieder vorführen und sprach von seinem Richterstuhle herab:
„Ich denke, dass du in nächtlicher Überlegung vernünftiger geworden bist, von dem Lobe deines Christus abläsest, damit du mit uns die Freuden des Lebens ferner genießen könnest. Denn ein Unsinn ist es, freiwillig zum Leiden des Kreuzes zu gehen und den ärgsten Qualen sich hinzugeben. Ich dringe deshalb darauf, dass du opferst, damit das von dir verführte Volk den Wahn deiner Lehre aufgebe und den Göttern wieder genehme Opfer bringe. Wenn du nicht willst, so wirst du verschiedene Marter leiden und zuletzt am Galgen des Kreuzes, welches du preisest, sterben.“

Andreas erwiderte ihm: „Höre mich, den Diener des Herrn Jesus Christus, du Sohn des Todes, weil du in deiner Verstocktheit verharrest und meinst, deine Drohungen schrecken mich, so magst du die ärgsten Peine aussinnen. Ich werde meinem Könige umso angenehmer sein, je Größeres ich für seinen Namen als Bekenner ausgestanden habe.“

Nun ließ Aegeas ihn ausgespannt mit Geißeln streichen. Nachdem er von sieben Henkersknechten nacheinander von jedem in drei Absätzen gegeißelt worden war, ließ ihn Aegeas wieder vorführen, um ihm noch einmal zuzureden.

Andreas wies seine Zumutungen mit den Worten zurück: „Ich bin ein Diener des Kreuzes Christi und wünsche mehr des Kreuzes Siegeszeichen, als dass ich es fürchte. Mit ist bange wegen deiner Verdammung, nicht aber wegen meines Martyriums, denn dieses erstreckt sich höchstens auf einen Tag oder zwei. Deine Qualen kommen aber in Tausenden von Jahren nicht zu Ende. Mögest du doch nicht selbst dir das ewige Feuer anzünden!“

Da befahl Aegeas zornig, ihn ans Kreuz zu heften. Die Henker sollten es aber so einrichten, dass er nicht schnell ende, sondern dass er recht lange die Kreuzesqualen ausstehen müsse. Da Andreas nun zum Richtplatze geführt wurde, strömte von allen Seiten das Volk zusammen und allgemein wurde gerufen: „Was hat der Gerechte, der Freund Gottes getan, dass er zum Kreuz geführt wird?“

Andreas aber bat das Volk, sein Martyrium nicht zu verhindern, denn er gehe freudig und frohlockend demselben entgegen.
Als er an den Ort kam, wo das Kreuz aufgerichtet war, und er es von weitem sah, rief er mit lauter Stimme:
„Sei gegrüßt, du Kreuz, das durch den Leib Christi geheiligt und von seinen Gliedern wie mit Edelsteinen geschmückt ist. Bevor der Herr dich bestiegen hat, warst du ein irdischer Schrecken. Nun bist du ein Gegenstand übernatürlicher Liebe! Denn die Gläubigen wissen, wie große Freuden du in dir trägst und wie große Güter du bringst.

Mit Zuversicht und Freude komme ich zu dir. Nimm mich auf, den Schüler dessen, der an dir gehangen ist. O teures Kreuz, schon lange ersehnt, innig geliebt, unaufhörlich gesucht und endlich gefunden, nimm mich weg von den Menschen und bringe mich zu meinem Meister, dass er durch dich mich aufnehme, der durch dich mich erlöst hat.“
Mit diesen Worten zog er seine Kleider aus und gab sie den Henkern. Diese hoben ihn und hefteten ihn ans Kreuz.

Es waren aber viele tausend Menschen zugegen und unter denselben auch der Bruder des Aegeas namens Stratokies, welcher auch mit dem Volke rief, dieser Gerechte sei ungerecht verurteilt. Andreas aber bestärkte die Gemüter der Christ gläubigen und lehrte sie, das Leiden sei gar nicht zu vergleichen mit der ewigen Vergeltung.

Später strömte das Volk mit Geschrei zum Hause des Aegeas und rief, ein Mann, der so heilig, so rein und wohlgelitten, so fromm und einsichtsvoll sei, verdiene nicht solches zu erdulden, er müsse vom Kreuz abgenommen werden; schon sei es der zweite Tag, dass er am Kreuze hänge und nicht nachlasse, die Wahrheit zu verkündigen.

Aegeas hatte Angst vor dem Volke und willigte ein, dass man ihn vom Kreuze nehme.
Als Andreas den Statthalter selbst kommen sah, sprach er:
„Was führt dich, Aegeas, zu uns? Wenn du an Christus glauben willst, so steht dir, wie ich versprochen habe, der Weg der Vergebung offen. Wenn du aber nur dazu gekommen bist, um mich vom Kreuze zu lösen, so sage ich dir, dass ich nicht lebendig von diesem Kreuze herab genommen werden kann. Denn ich sehe schon meinen König, ich stehe schon vor seinem Angesicht und bete ihn an.
Aber dein Elend schmerzt mich, weil ewige Unglückseligkeit auf dich wartet. Eile dich zu retten, da du noch kannst, damit du nicht dann erst anfängst zu wollen, wenn es zu spät ist.“

Nun machte man den Versuch, Andreas vom Kreuze abzunehmen, aber alle Mühe war vergebens.
Andreas betete dabei mit lauter Stimme:
„Lass nicht zu, Herr Jesus Christus, dass ich vom Kreuze, woran ich deines Namens wegen hänge, herab genommen werde; nimm du mich dafür hinauf zu dir, meinem Meister, den ich geliebt, den ich erkannt habe, den ich bekenne, den ich zu schauen verlange, indem ich bin, was ich bin.
Nimm auf, Herr Jesus Christus, meinen Geist in Frieden und lass mich nicht eher von diesem Kreuze weggenommen werden.“

Da er solches gesprochen hatte, kam ein außerordentlich strahlendes Licht wie ein Blitz vom Himmel und umgab ihn in der Art, dass man vor Glanz ihn nicht anschauen konnte. Da dieser
Glanz ungefähr eine halbe Stunde angedauert hatte, hob sich das Licht hinweg; er aber gab den Geist auf und ging mit dem Lichte zum Herrn, welchem Ehre und Ruhm sei in alle Ewigkeit. Amen.

Vom heiligen Bernhard sind einige Reden vorhanden, die er auf das Fest des heiligen Andreas hielt. In einer von diesen sagte er: “Es gibt drei Stufen des christlichen Lebens: die anfangende, die fortschreitende und die vollkommene.
Der Anfang der Weisheit ist die Furcht des Herrn, die Mitte die Hoffnung, die Vollendung die Liebe.
Wer mit der Furcht anfängt, trägt das Kreuz Christi geduldig, wer fortschreitet in Hoffnung, trägt es gern, wer aber in der Liebe vollendet ist, der umfasst es von Herzen.
Die Geduld sagt, es muss so sein, weil sie von der Furcht genötigt wird. Der gute Wille sagt, so frommt es und so soll getan werden, weil er durch die Rücksicht der Hoffnung gezogen wird. Die Liebe aber, die vom Geist entzündet ist, sagt nicht, so muss es sein und sagt nicht, so ist es nützlich, sondern, so will ich, so wünsche ich, so verlange ich von Herzen.
Sehet, dies ist die Hoheit, dies die Bestimmtheit, dies die Süßigkeit der Liebe. Glücklich die Seele, welche zu dieser Stufe der Liebe gekommen ist.
Wir wollen nicht verzagen, sondern die Hilfe dessen anrufen und uns durch das Beispiel dessen anregen lassen, der zu dem höchsten Grad gelangt ist. Wenn du den Apostel Andreas selig preisest und meinst, du seiest zu schwach, seinen Fußstapfen nachzufolgen, so ist dies verwerfliche Zaghaftigkeit.
Niemand wird auf einmal vollkommen! Zur obersten Sprosse der Leiter kommt man nicht durch Fliegen, sondern durch steigen. Wohlan, steigen wir auf, gleichsam wie mit zwei Füßen, durch Betrachtung und durch Gebet.

Die Betrachtung lehrt, was fehlt; das Gebet erlangt, was fehlt – jene zeigt den Weg, dieses führt auf den Weg! Durch Betrachtung erkennen wir die uns drohenden Gefahren, durch das Gebet entgegen wir ihnen mit Hilfe unseres Herrn Jesus Christus”

Bericht von Pfarrer Andreas Skoblicki aus Kopfing – Österreich