Die Heilige Birgitta von Schweden 1304 – 1373

Birgitta Birgersdotter erblickte 1304 im südschwedischen Finsta bei Uppsala das Licht der Welt.
Bereits im Alter von sieben Jahren hatte sie die ersten Visionen des gekreuzigten Heilandes.

Mit 13 Jahren wurde sie mit dem Adligen Ulf Gudmarsson verheiratet. Dieser glücklichen Ehe entsprangen vier Söhne und vier Töchter.

Sie arbeitete in der Küche, im Waschhaus und im Garten, sah in Molkerei, im Brauhaus und in der Mühle nach dem Rechten, stiftete Spitäler, unterstützte Klöster, ließ Kirchen und Schulen erbauen und speiste täglich zwölf Arme an ihrem Tisch. Weil sie schöne Gewänder und Prachtentfaltung liebte, flehte sie Gott an, er möge sie von Hoffahrt und Lust an der Welt befreien.

1335 wurde die 33-jährige Birgitta zur Hofmeisterin der Grafentochter Blanka von Namur (1318–1363), der Gemahlin ihres jungen Vetters König Magnus II. Eriksson (1316–1374) berufen. Gleich bei ihrer Ankunft erklärte sie:
„Der König muss so beschaffen sein, dass er von den Jüngeren gefürchtet, von den Älteren geehrt, von den Weibern gelobt, von den Gerechten geliebt und von den Unterdrückten herzlich begehrt wird”. Niemals dürfe ein König vergessen, dass er Gott und seiner Kirche Treue und Gehorsam schulde.

Als der Herrscher sich nicht an diese Ideale hielt, beschimpfte ihn Birgitta als „Kind auf dem Königsthron”, „Hasenherz” und „gekrönten Esel”. Sie ermahnte auch Blanka von Namur vielfach, was jedoch noch weniger fruchtete als bei deren Gatten. Birgitta charakterisierte ihre Herrin einmal als „abgenagtes Apfelgehäuse”.

Der König befolgte zwar oft Birgittas Rat, aber für grundlegende Veränderungen reichte ihr Einfluss nicht aus. Deshalb verließ Birgitta den Hof und pilgerte 1341/1342 mit ihrem Ehemann zu Fuß von Schweden nach Spanien, wo beide das Grab des Apostels Jakob in Santiago de Compostela aufsuchten. Diese Reise durch Europa konfrontierte das Ehepaar mit der europäischen Geschichte: Frankreich befand sich mit England im so genannten 100-jährigen Krieg, der Papst lebte im Exil in Avignon, welches die Einheit der Kirche bedrohte. Ulf Gudmarsson zog sich nach dieser Wallfahrt in ein Zisterzienserkloster zurück und verstarb 1344. Der Tod ihres geliebten Mannes veränderte auch das Leben der heiligen Birgitta. Ihre Visionen häuften sich, sie zeichnete alle Erscheinungen in schwedischer Sprache auf. In ihren Visionen nannte Christus sie „Seine Braut“ und forderte sie auf, als Mittlerin tätig zu werden.

In Alvastra erlebte die 42-jährige Witwe himmlische Visionen, bei denen ihr Gott befahl, an den Hof des Königs Magnus II. Eriksson nach Schweden zurückzukehren sowie ihn zu warnen und zu ermahnen. Im Bußkittel prangerte sie vor dem eleganten Hofstaat die Verschwendungssucht der Großen, das Raubritterunwesen, die Grausamkeit der Steuern eintreibenden Vögte, die Schändung des Sonntags und das unsittliche Leben der Geistlichkeit an.

König Magnus II. Eriksson wurde von der Rede der prophetisch begabten Birgitta tief beeindruckt. Er bekannte öffentlich sein Unrecht, verfügte Verordnungen gegen Wucher sowie zum Schutz der Witwen und Waisen und erließ den Armen die Steuern.

1346 schenkte der König der Mystikerin das Schloss Vadstena (Bjälboättens-Palast) in Südschweden, wo Birgitta noch im selben Jahr das erste Kloster für den neuen Birgittenorden „Orden des Allerheiligsten Erlösers” gründete. Die von Birgitta erarbeitete Ordensregel war eine Ergänzung der Augustinerregel und wurde 1370 und 1378 von den Päpsten Urban V und Urban VI in Rom bestätigt.

Als Birgitta den von Magnus II. Eriksson geforderten Krieg gegen Russland ablehnte, feindeten der König, der Hof und die Priester sie an. Man beschimpfte, kränkte und verhöhnte sie wegen ihrer Visionen, was sie gelassen ertrug. Der Krieg Schwedens gegen Russland endete mit einer vernichtenden Niederlage.

Danach prophezeite Birgitta die Pest, die 1348 ganz Europa plagte. Auch andere Vorhersagen Birgittas sind später in Schweden eingetroffen. Trotzdem hörte Magnus II. Eriksson nicht auf sie. Es kam zum Bürgerkrieg, der König verlor seinen Thron, schmachtete sieben Jahre im Kerker, ertrank vor der norwegischen Küste, und seine Frau wurde vergiftet.

Birgitta wäre gerne Nonne in dem von ihr gegründeten Kloster Vadstena geworden, doch Gott schickte sie nach Rom, wo sie 1349 eintraf. Dort wollte sie mit Hilfe ihrer Tochter Katharina die Anerkennung für ihren Orden erreichen. In Rom trat sie auch mutig für die Eintracht der sozialen Stände, den Frieden zwischen den Völkern, die Wiedervereinigung der Ost- und Westkirche sowie für die Versöhnung von Papst und Kaiser ein.

Am 23. Juli 1373 starb Birgitta während einer Messe in Rom. Ihre letzten Worte waren: „Vater, in deine Hände befehle ich meinen Geist”.

1374 überführte Katharina von Schweden die sterblichen Überreste ihrer Mutter von Rom über Polen nach Vadstena in Schweden.

Am 7. Oktober 1391 sprach Papst Bonifatius IX. (um 1350–1404) Birgitta heilig, wofür sich deren Tochter Katharina besonders engagiert hatte.