Theologe und Lourdes-Experte René Laurentin gestorben

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13 September 2017

+ Theologe und Lourdes-Experte René Laurentin gestorben +
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Der hochgeachtete Theologe und Priester hatte unter anderem ein siebenbändiges Werk über die Lourdes-Seherin Bernadette Soubirous veröffentlicht –
Er war auch Berater beim II. Vatikanischen Konzil
60917

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Die Erscheinungen von Lourdes 1858

Erste Erscheinung: Donnerstag, 11. Februar

Am 11. Februar war Bernadette im Auftrage ihrer Mutter mit ihrer jüngeren Schwester und einer kleinen Nachbarin bis an das Ufer des Bertromes Gare hinabgegangen um dürres Holz zu sammeln. Sie kamen bis zum Felsen Massabielle. Bernadette war etwas entfernt von den anderen, und sieh, Bernadette hört ein Rauschen, bemerkt, dass sich trotz völliger Windstille der wilde Rosenstrauch vor der Felsnische bewegt. Ein geheimnisvolles Licht erfüllt die Grotte. Sie will weg rennen; doch sie hört wieder das Getöse. Dann sieht das Mädchen “eine Dame” von übernatürlicher Schönheit. Ihr Kleid leuchtet wie die Sonne. Auf ihren Füßen, erblühte eine goldfarbige Rose. Um ihre Hüften schlang sich ein himmelblauer Gürtel. Von ihrem Kopfe ging ein Schleier herab. Ihr Gesichtsausdruck war sanft und ihr Lächeln von großer Milde.

Bernadette betet den Rosenkranz. “Die Dame” scheint dem Gebet zuzuhören und entschwindet nach dem letzten Ave.

Zweite Erscheinung: Sonntag, 14. Februar

Am anderen Tag kommt Bernadette mit ihren beiden Freundinnen wieder zur Grotte. Die Kinder beginnen den Rosenkranz, “die Dame” erscheint, aber nur Bernadette sieht sie. Sie besprengt die Erscheinung mit Weihwasser. Die Dame verneigt sich und kommt bis zum Rand des Felsens vor. Nach dem letzten Ave des Rosenkranzes verschwindet sie wieder.

Dritte Erscheinung: Donnerstag, 18. Februar

Bernadette nimmt Papier und Feder mit, damit die Dame ihren Wunsch aufschreibe. Dreimal wiederholt das Mädchen seine Bitte; die Dame lächelt und sagt:

“Mach mir nur die Freude und komm alle vierzehn Tage täglich hierher.” Bernadette stimmt sofort zu, die Dame antwortet mit einem Gegenversprechen:

“Ich verspreche dir nicht, dich in dieser Welt glücklich zu machen, sondern in der andern!”

Auf die Frage, ob auch ihre Freundinnen wiederkommen dürfen, antwortet die Erscheinung: “Ja, ich wünsche viele Leute hier zu sehen.“

Vierte Erscheinung: Freitag, 19. Februar

Die Mutter, Louise Soubirous, und einige Frauen begleiten Bernadette.

Während der Erscheinung hört Bernadette ein Stimmengewirr und die Rufe: “Rette dich! Rette dich!” Aber die Dame gebietet Ruhe.

Fünfte Erscheinung: Samstag, 20. Februar

Es waren schon viele Menschen anwesend.

Die Dame lehrt Bernadette ein Gebet, das nur für sie persönlich bestimmt ist.

Sechste Erscheinung: Sonntag, 21. Februar

,,Bete für die Sünder, bete für die kranke Welt!”

Der Arzt Dr. Douzous beobachtet Bernadette zum erstenmal in der Ekstase und findet keinerlei krankhafte Anzeichen.

Dieser Tag endete für Bernadette mit Angst und Aufregung.

Bernadette wird vom kaiserlichen Staatsanwalt und vom örtlichen Polizeikommissar verhört. Dies ist für Vater Soubirous Anlaß genug, seiner Tochter alle weiteren Besuche an der Grotte zu verbieten.

Siebte Erscheinung: Dienstag, 23. Februar

Am vorhergehenden Montag war Bernadette, ihren Eltern gehorsam, gleich zur Schule gegangen. Nachmittags zog es sie wieder zur Grotte, aber die Dame erschien nicht.

Bernadette macht sich gleich nach der Hl. Messe auf den Weg. Die Ekstase dauert eine Stunde. Bernadette bewegt sich auf den Knien vor und küsst den Boden.

Die Dame teilt ihr ein Geheimnis mit, das sie niemandem anvertrauen darf. Dann sagt sie:

“Und nun, meine Tochter gehe und sage den Priestern, dass ich an diesem Ort eine Kapelle errichtet haben will!“

Achte Erscheinung: Mittwoch, 24. Februar

Darüber berichtet Bernadette dem Pfarrer Peyramale: “Dann befahl mir die Dame, für die Sünder zu beten und in das Innere der Grotte zu kommen, nun sie rief dreimal das Wort: “Buße! Buße! Buße!”.

Das wiederholte ich, indem ich mich auf den Knien in den Hintergrund der Höhle schleppte. Dort offenbarte mir die Dame ein zweites Geheimnis, das nur mich allein betrifft, und dann verschwand sie“.

Neunte Erscheinung: Donnerstag, 25. Februar

Die Dame teilt Bernadette ein drittes Geheimnis mit.

Dann sagt sie: “Und nun trinke und wasche dich in der Quelle und iss von den Kräutern, die dort wachsen!”

Bernadette wollte sich schon auf den Weg machen, da im sichtbaren Umkreis keine Quelle zu sehen war. Maria zeigte aber auf den Boden der Grotte. Bernadette beginnt mit den Fingern zu graben und unter ihren grabenden Händen entspringt im linken Teil der Höhle die Quelle. Sie trank von dem feuchten Schlamm, und aß von den Pflanzen. Natürlich ekelte sie sich davor, aber sie gehorchte.

Einige der Anwesenden hielten sie für verrückt. Doch sollten sie eines besseren belehrt werden. Bald plätscherte eine kräftige Quelle aus der Grotte, die seither vielen Menschen Heilung gebracht hat.

Am folgenden Tag bleibt die Erscheinung aus.

Es geschieht das erste Wunder: Der Steinbrucharbeiter Bouriette wird durch das Wasser der Quelle geheilt. Sein rechtes, von Steinsplittern zerstörtes Auge erhält die Sehkraft wieder.

Zehnte Erscheinung: Samstag, 27. Februar

Heute trägt die Dame Bernadette auf, für die Sünder zu beten. Dann befiehlt sie ihr, zur Buße für diese die Erde zu küssen.

Dann hört Bernadette die Worte: “Geh und sag den Priestern, sie sollen hier eine Kapelle bauen lassen.“

Elfte Erscheinung: Sonntag, 28. Februar

Mehr als zweitausend Menschen kamen zur der Grotte. Wie tags davor küsst Bernadette die Erde und fordert die Umstehenden auf, ihrem Beispiel zu folgen. Über das Gespräch mit der Dame erzählt sie nichts.

Am gleichen Tag muss Bernadette vor den Untersuchungsrichter, der ein längeres Verhör anstellt und ihr mit dem Gefängnis droht, wenn sie zur Grotte zurückkehre.

Ohne Angst aber antwortet Bernadette: “Ich habe der schönen Dame versprochen, zu kommen.“

Zwölfte Erscheinung: Montag, 1. März

Zum ersten Mal wird der Vater von Bernadette seine Tochter zum Felsen begleiten. Etwa 1 300 Personen werden Zeugen der Vision, in der Bernadette zu einem schlichten Leben ermahnt wird. Bernadette nimmt den Rosenkranz einer Freundin, um ihn während der Erscheinung zu benützen. Doch die Dame gibt ein Zeichen und beginnt das Gebet erst, als Bernadette wieder ihren eigenen Rosenkranz hervorholt.

Dreizehnte Erscheinung: Dienstag, 2. März

Etwa 2 000 Menschen haben sich bei der Grotte eingefunden.

Die Dame befiehlt Bernadette wiederholt den Priestern zu sagen, dass sie eine Kapelle errichtet haben will. Sie fügt hinzu: “Ich will, dass man in Prozessionen hierher zieht.”

Bernadette geht mit diesem Auftrag zu Pfarrer Peyramale. Der aber ist skeptisch und verlangt Beweise: “Die Dame soll ihren Namen sagen und die Heckenrosen in der Grotte sollen erblühen.“

Vierzehnte Erscheinung: Mittwoch, 3. März

Am frühen Morgen kommt Bernadette zum Erscheinungsort. 4 000 Menschen warten auf sie. Es ist der vorletzte jener vierzehn Tage, an denen sich Bernadette bei der Grotte einfinden soll.

Die Menschenmenge wird immer größer. Zur Aufrechterhaltung der Ruhe beordert der Bürgermeister das gesamte Militär von Lourdes zum Massabielle.

Bernadette schaut wieder in Ekstase – einen Rosenkranz lang – die himmlische Dame.

Fünfzehnte Erscheinung: Donnerstag, 4. März

Mehr als 20.000 Menschen warten an den Ufern des Gave. Wie an den Tagen zuvor befiehlt die Dame Bernadette, sich in der Quelle zu waschen, zu trinken und von den Kräutern zu essen.

Bernadette sagt ihrer Mutter: “Es war wie immer: als die Dame kam, lächelte sie mir zu, doch verabschiedet hat sie sich noch nicht.“

Sechszehnte Erscheinung: Donnerstag, 25. März (Maria Verkündigung)

Von einer inneren Stimme getrieben, eilt Bernadette am Morgen zur Grotte. Die Nische ist schon von Licht erfüllt, die Dame wartet!

Diesmal, nach dreimaligem Befragen, offenbart sie ihren Namen: “Ich bin die Unbefleckte Empfängnis!”Auf dem Weg zum Pfarrer sagt Bernadette diesen ihr völlig fremden Ausdruck ununterbrochen vor sich hin, um ihn nicht zu vergessen.

Siebzehnte Erscheinung: Ostermontag, 5. April

Eine unheimliche Kraft zieht Bernadette zur Grotte. In der linken Hand den Rosenkranz, in der rechten eine brennende Kerze. Sie schaut wieder die “UnbefleckteEmpfängnis”.

Durch eine Bewegung gerät Bernadette mit der Kerze unter ihre linke Hand, die Flamme schlägt zwischen den Fingern durch. Dieses “Kerzenwunder” dauert eine Viertelstunde.

Doktor Douzous, der neben Bernadette steht, kann keinerlei Verbrennungen feststellen.

Achtzehnte und letzte Erscheinung: 16. Juli (Maria vom Berge Karmel)

Bernadette betet gegen Abend in der Pfarrkirche. Da hört sie wieder die innere Stimme, die sie zur Grotte drängt. Zum letzten mal öffnet sich ihr der Himmel, die allerseligste Jungfrau lauscht dem Gebet des Rosenkranzes und verschwindet dann – ohne ein Wort zu sagen – für immer.

In Nevers wird Bernadette eine bevorzugte Zeugin der Liebe Gottes für jeden Menschen

Am 08.Juli 1866 trat Bernadette als Schwester Marie-Bernard bei den “Soers de la Charite” in das Kloster zu Nevers an der Loire ein. Sie litt viel unter dem Unverständnis der anderen Schwestern und auch körperlich.

Am 16. April 1879 starb Bernadette (Ordensname: Schwester Marie-Bernard) im Heiligkreuz-Krankenzimmer des Klosters Saint-Gildard. Sie war damals 35 Jahre alt.

Als Kind einer sehr armen Familie war Bernadette immer kränklich und sehr anfällig gewesen. In ihrer Jugend litt sie an schmerzhaftem Asthma. Ihre schlechte Gesundheit verschloss ihr beinahe auf immer die Pforten zum religiösen Leben.

Dreimal in ihrem kurzen Leben erhielt sie die Letzte Ölung.

Zum Asthma kamen andere Leiden: Lungentuberkulose und ein Krebsgeschwulst im rechten Knie.

Am Mittwoch, den 16. April, verdoppelten sich ihre Schmerzen. Kurz nach elf Uhr, schien sie dem Ersticken nahe. Man trug sie in einem Sessel, die Füsse auf einer Stütze, vor den Kamin, in dem ein kräftiges Feuer loderten. Sie starb gegen viertel nach drei.

Mit Genehmigung der Zivilbehörden blieb der Leichnam der Bernadette bis zum Samstag, 19. April, zur Verehrung durch die Öffentlichkeit aufgebahrt.

Am 14. Juni 1925 erklärte Pius XI Bernadette offiziell für seliggesprochen und am 8. Dezember 1933, wird Bernadette vom Papst Pius XI heiliggesprochen.

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PREDIGTEN IM JAHRESKREIS


Lourdes: Das fortdauernde Wirken Marias in der Zeit
von Pfarrer Dr. Johannes Holdt, Schömberg

Es war im Jahr 1858, als die vierzehnjährige Bernadette Soubirous, Tochter armer Taglöhner, gewürdigt wurde, an achtzehn Tagen in der Grotte von Massabielle (am Fuß der Pyrenäen) die Jungfrau Maria zu sehen und mit ihr zu sprechen. Bernadette schreibt in einem Brief über ihre erste Begegnung mit der wunderbaren Erscheinung: “Ich ging mit zwei Mädchen an den Gave-Fluß zum Holzsammeln. Da hörte ich ein Geräusch und schaute nach der Höhle hin. Dort sah ich eine Dame in weißen Gewändern. Sie trug ein weißes Kleid, das mit einer blauen Schärpe gegürtet war. Auf jedem Fuß hatte sie eine gelbe Rose von der gleichen Farbe wie ihr Rosenkranz”. Die “schöne Dame”, wie Bernadette sie nennt, lässt die Perlen des Rosenkranzes durch die Finger gleiten und Bernadette versteht dies als Zeichen, den Rosenkranz zu beten. Bei den späteren Begegnungen verspricht die Erscheinung dem Mädchen, es nicht in diesem Leben, wohl aber im nächsten glücklich zu machen. Sie bittet Bernadette, für die Bekehrung der Sünder zu beten und am Ort der Erscheinung durch den Pfarrer von Lourdes eine Kapelle erbauen zu lassen, wohin man in Prozessionen wallfahren soll. Schließlich weist sie das Mädchen an, mit den Händen ein Loch zu graben; dort tritt eine Quelle in der Grotte zutage, deren Wasser schon bald wunderbare Krankenheilungen bewirkt. Immer wieder fragt Bernadette die Dame nach ihrem Namen. Aber erst bei einer der letzten Begegnungen (am 25. März 1858) offenbart sich die Erscheinung. Sie breitet weit die Arme aus und ruft: “Que soy era Immaculada Counceptiou” – „Ich bin die Unbefleckte Empfängnis“.

Für Bernadette, das einfache Bauernmädchen, das zu diesem Zeitpunkt weder schreiben noch lesen kann, ist dieser Satz völlig unverständlich. Der Pfarrer von Lourdes aber, der bislang skeptisch war, schenkt Bernadette von nun an Glauben. Denn diese theologische Aussage über Maria, die erst vier Jahre zuvor von Papst Pius IX. als Dogma verkündet worden war, konnte Bernadette nicht bekannt gewesen sein. (Insofern kann man übrigens in dem Ereignis von Lourdes eine himmlische Bestätigung des Dogmas von 1854 sehen.)

Bernadette hat für die Gnade der Erscheinungen viel erleiden müssen, Verdächtigungen, Verleumdungen, Anfeindungen, nicht zuletzt von den Mitschwestern im Kloster von Nevers, in das sie eintrat. Außerdem war sie Zeit ihres Lebens eine Kranke, sie litt an schwerem Asthma, was ihr das Klosterleben noch schwerer machte. Dazu eine Begebenheit: Die Oberin des Klosters besucht Bernadette auf der Krankenstation.- „Na, was machen Sie denn da, kleine Faulenzerin?“ „Mein liebe Mutter, ich fröne meiner Beschäftigung“. „Und was für eine Beschäftigung ist das?“ „Kranksein“, antwortet Bernadette freundlich… Mit fünfunddreißig Jahren stirbt sie an Knochentuberkulose. Doch ist zu dieser Zeit – 1879 – ihr Heimatdorf Lourdes schon weltberühmt geworden, und die Pilger aus aller Welt strömen zur heilbringenden Quelle. Dreißig Jahre nach Bernadettes Tod, als man ihr Grab anlässlich des Seligsprechungsprozesses öffnete, fand man ihren Leichnam ohne die geringste Spur der Verwesung, während das Leichentuch vermodert und das Sterbekreuz verrostet waren. Und so, wie sie damals lag, kann man die hl. Bernadette noch heute in einem Sarg aus Gold und Kristall in der Klosterkapelle zu Nevers sehen.

Schon während der Erscheinungen ereignete sich das erste spektakuläre Heilungswunder. Am 1. März 1858 kommt eine neununddreißigjährige Frau nachts zur Quelle in der Grotte, um Wasser über ihre verkrüppelte Hand fließen zu lassen. Die Finger strecken sich, die Lähmung ist weg. Mit diesem Ereignis setzt der Zustrom der Kranken von überallher ein. Unter den Millionen Lourdes-Pilgern befinden sich jährlich etwa 50.000 Kranke und Behinderte, weshalb man Lourdes auch die Welthauptstadt der Kranken nennen kann. Eine internationale Ärztekommission prüft in mehreren Instanzen die außergewöhnlichen Heilungen. Das Verfahren ist so streng, dass von 7000 dokumentierten Fällen bislang nur 68 offiziell anerkannt wurden, das heißt mit dem Urteil versehen wurden: „Eine wissenschaftliche Erklärung der Heilung ist nicht möglich“. Zur Ärztekommission gehören ausgewiesene Kapazitäten der Medizin, die Religionszugehörigkeit spielt keine Rolle. Von einem Nobelpreisträger der Medizin, Dr. Alexis Carrell, der sich selbst als ungläubig bezeichnete, stammt folgendes Zeugnis: „Niemals werde ich das erschütternde Erlebnis vergessen, als ich sah, wie ein großes, krebsartiges Gewächs an der Hand eines Arbeiters vor meinen Augen bis auf eine kleine Narbe zusammenschrumpfte. Verstehen kann ich es nicht, aber ich kann nicht bezweifeln, was ich mit eigenen Augen gesehen habe“.

Lourdes zieht die Kranken an und ist doch kein Kurort oder eine Krankenheilanstalt, sondern ein Ort des Glaubens, der Religion. Die innere Heilung, das Gesundwerden der Seele ist das eigentliche Ziel einer Lourdes-Wallfahrt. Fürstin Gloria von Thurn und Taxis, die jedes Jahr Kranke nach Lourdes begleitet, hat folgende Erfahrung gemacht: „Man muss die verschiedenen Facetten der Heilung sehen. Aus dem Rollstuhl aufstehen und loslaufen ist nur eine davon. Wenn sich die innere Haltung eines Menschen verändert, ist das ja auch Heilung, Sehend-Werden. Da habe ich in Lourdes schon große Wunder erlebt bei Kranken, die nach der Pilgerreise mit einer ganz anderen Gesinnung als ihrer ursprünglichen nach Hause gefahren sind“.

Was lernen wir von Lourdes? Wunder – machtvolles, unmittelbares Eingreifen Gottes in den Lauf der Welt und das Schicksal der Menschen – gab es nicht nur vor zweitausend Jahren zur Zeit Jesu. Gott ist auch heute die alles bestimmende Macht, die Macht der Liebe. Und manchmal zeigt er das auf besonders eindrückliche Weise, damit wir es nicht vergessen. Denn die schlimmste Krankheit der Moderne ist die Gottvergessenheit. Von dieser Krankheit vor allem will Lourdes mit seinen Wundern heilen.

Dieses: Nicht nur einst – zu biblischer Zeit – sondern auch heute, das gilt auch für Maria. Auch Maria hat nicht nur damals vor zweitausend Jahren eine besondere Rolle im Heilswerk gespielt, als sie den Sohn Gottes zur Welt brachte. Sie spielt noch heute bei Gott eine einzigartige Rolle: Der Welt den Erlöser bringen – das ist Marias bleibende Aufgabe, ihr Personalcharakter. Maria bringt Christus nahe und vermittelt den Menschen seine Gnade und heilende Gegenwart. Und sie hat dazu vor allen anderen Heiligen besondere Möglichkeiten. Sie ist ja schon mit Seele und Leib verherrlicht, hat sozusagen die volle „Auferstehungspotenz“ und kann dadurch in besonderer Weise auf den irdischen Plan einwirken, wie es sich in den großen Marienerscheinungen manifestiert.

So gilt der Lobgesang Marias, das Magnificat, auch heute: Gott erbarmt sich von Geschlecht zu Geschlecht – in allen Generationen – über alle, die ihn fürchten. Er vollbringt mit seinem Arm machtvolle Taten. Die Hungernden – die Armen, die Leidenden – beschenkt er mit seinen Gaben und lässt die Reichen – die Satten, die Selbstzufriedenen – leer ausgehen (Lk 1,46-56).

Gott hat durch Maria an einem armen unwissenden Mädchen Großes für die Welt getan und Vielen Heilung an Seele und Leib geschenkt. Gehen auch wir mit Maria zu Jesus, entscheiden wir uns neu für ein Leben mit ihm, dann kann er auch mit uns etwas anfangen und uns zu Zeugen seiner Liebe in unserer Zeit machen.

Amen.

Pfarrer Dr. Johannes Holdt, 72355 Schömberg, Caspar-Oeschle-Platz 1

 

“Wenn Sie inhaltliche Fragen zu meinen Predigten haben,

Ihre Meinung dazu sagen möchten oder einen seelsorgerlichen Kontakt wünschen,

freue ich mich über Ihre Zuschrift”:

johannes.holdt@online.de

Pastoral-Themen

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http://www.lourdes-france.org/upload/pdf/theme_pastoral_DE.pdf  - 2010

Pastoralthema 2010 von Frau Dr. E. Jilek

Mit Bernadette das Kreuzzeichen machen

Pastoralthema 2010

2010 beginnt ein Zyklus von drei Jahren, der dem Gebet mit Bernadette gewidmet ist. Mit ihr machen wir das Kreuzzeichen (2010), beten das Vater unser (2011) und den Rosenkranz (2012).

Von der Taufe bis zum Tod steht das Leben aller Getauften unter dem Zeichen des Kreuzes. In unserem christlichen Leben auf Erden ist dieses Zeichen der Anfang, der Weg und das Ende.

Für Bernadette hat das Kreuzzeichen eine besondere Bedeutung. Bei der ersten Erscheinung brachte ihr Maria bei, dieses grundlegende Zeichen gut zu machen. Ihre große Liebe zu Jesus wurde dadurch noch vertieft. Seit ihrer ersten Begegnung mit der Heiligen Jungfrau wurde aus dem Leben von Bernadette ein österlicher Weg. Sie lebte mit Jesus im Geheimnis des Kreuzes unter dem Blick Gottes.

Für die Wallfahrt in Lourdes schlagen wir zur Gestaltung des Pastoralthemas vier Etappen vor, entweder vier Tage, oder vier halbe Tage oder vier Stunden, je nach der Zeit die zur Verfügung steht.

Das Kreuzzeichen machen eröffnet eine Perspektive. Das wollen wir vertiefen und entfalten. Nachdem wir das Kreuzzeichen mit Bernadette gemacht haben, fragen wir uns, „was bedeutet das Kreuzzeichen“? Dann lernen wir „das Zeichen des Kreuzes erkennen“, und schließlich „vergegenwärtigen“ wir es in unseren Leben.

Wir sollten die Reihenfolge dieser vier Etappen der Wallfahrt befolgen. Aber es ist jeder Gruppe überlassen, wie viel Zeit sie dafür verwendet.

1.Das Kreuzzeichen machen

Bevor Maria in der Grotte mit Bernadette sprach und ihren Namen sagte, hat sie Bernadette gelehrt, das Kreuzzeichen schön und häufig zu machen. Seit diesem Tag haben alle, die Bernadette das Kreuzzeichen machen sahen, verstanden, wie bedeutsam dieses einfache Zeichen für sie war.

Bernadette machte das Kreuzzeichen langsam und sorgfältig, mit großer Andacht. Bernadette nahm sich Zeit dazu, erhob ihre rechte Hand und berührte die Stirn. Dann nahm sie ihre Hand herab und berührte ihren Gürtel. Danach führte sie die Hand zur linken und rechten Schulter.

Man hatte das Gefühl, dass das Kind sich in das Kreuzzeichen einhüllt wie man sich in ein Tuch einhüllt und sich bekleidet. Während Bernadette das Kreuzzeichen machte, sprach sie “im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes, Amen” und bot sich so Gott an wie sie war.

Als Ordensschwester wurde Bernadette von einer Mitschwester gefragt: “Was muss man tun, um sicher zu sein, in den Himmel zu kommen?” Bernadette antwortete: “Es ist schon viel, das Kreuzzeichen gut zu machen.”

Kurz vor ihrem Tod nahm Bernadette nochmals ihre letzten Kräfte zusammen und machte ein letztes Mal das Kreuzzeichen. Dann hauchte sie ihr Leben aus. Bei den Erscheinungen war es, wie wenn sie durch das Kreuzzeichen in eine andere Welt versetzt würde. Und beim Sterben trat sie mit dem Zeichen des Kreuzes zu Gott, in die Ewigkeit.

Auf unserer Wallfahrt ist auch für uns das Erste das Kreuzzeichen, so wie es Bernadette von Maria gelernt hatte.

Fragen, die wir uns stellen können

Wer hat mir das erste Kreuzzeichen gemacht?

Wer lehrte mich das Kreuzzeichen machen?

Wann mache ich das Kreuzzeichen? Über mich? Über jemand Anderem? Über einen Gegenstand, z.B. über Brot?

Habe ich jemals ein Kind oder einen Erwachsenen gelehrt, das Kreuzzeichen zu machen?

Ist für mich das Kreuzzeichen immer gebunden an den dreifaltigen Gott, an den “Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes”?

An einen Segen? An ein Gebet? An ein Sakrament? An einen Zeitpunkt? An einen Ort? An ein Ereignis?

Auszuführende Geste

Beim Eingang St. Michael im Wallfahrtsbezirk bei der Bretonischen Kreuzigungsgruppe: Machen wir mit Andacht langsam und andächtig das Kreuzzeichen, ebenso vor der Grotte von Massabielle und bei jedem anderen Gottesdienstort. Sammeln wir uns zu Beginn und zum Schluss von jedem Gebet und sagen wir uns innerlich, wer Gott für uns ist und wer wir selbst sind. Danach machen wir das Kreuzzeichen und beten “im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes. Amen”.

2.Was bedeutet das Kreuzzeichen?

Das Kreuz ist nichts Romantisches. Die Römer hängten an einen Pfahl mit einem Querbalken die zum Tode Verurteilten, mit ausgestreckten Armen, bis sie starben. Das Kreuz war damals die schlimmste menschliche Erfahrung: Gewalt, Leid und Tod.

Dennoch wählte Gott dieses Zeichen, um seine Liebe für uns Menschen zu zeigen. Jesus, der Mensch gewordene Sohn Gottes, hat damit nicht nur unser menschliches Leid und unseren Tod auf sich genommen, sondern daraus einen Ort der Begegnung mit Gott gemacht. Durch das Kreuz wird der Mensch Kind Gottes.

Für jeden Getauften ist das Kreuzzeichen der Schlüssel für sein christliches Leben. Mit dem Herrn ist sein Leben ein Ostern, ein Durchgang durch Elend, Sünde und Tod zur Wirklichkeit der Auferstehung. So erweist sich das Kreuz als Eingang in eine neue Welt, die jetzt schon mitten in unserer Welt gegenwärtig ist und die Jesus „Reich Gottes“ nennt. Maria führt Bernadette durch das Zeichen des Kreuzes in dieses Reich Gottes ein und weist über das Kreuz in die neue Welt. Sie sagte zu Bernadette: “Ich verspreche Ihnen nicht, Sie in dieser Welt glücklich zu machen, aber in der anderen.”

Wie für Bernadette ist für uns das Kreuz Zeichen für das, was wir sind. Indem wir uns damit bezeichnen, anerkennen wir unser Elend, unser Leid, unsere Sünde und unsere Sterblichkeit. Aber wie für Bernadette ist das Kreuzzeichen für uns gleichzeitig und untrennbar Verkündigung der Liebe Gottes, die sich durch das Kreuz Jesu zeigte. Indem wir über uns das Kreuzzeichen machen, bringen wir zum Ausdruck, dass wir von Gott geliebt und durch seine Liebe aufgerufen sind, unser Elend zu überwinden. Das soll uns über alles Negative auf Erden zu Gott führen. Dies ist wirklich der Übergang von der Wirklichkeit dieser Welt zur Wirklichkeit Gottes. Und so ist das Kreuz das Zeichen Gottes.

Fragen, die wir uns stellen können

Was bedeutet für mich das Kreuzzeichen?

Bin ich fähig, meine Sünde mit konkreten Taten zu benennen?

Wann und wo habe ich die Liebe Gottes in meinem Leben erfahren?

Wie habe ich Elend, Leid und Tod erfahren?

Unter welchen Umständen habe ich eine Verbindung zwischen meinem Elend oder meiner Sünde und der Liebe Gottes gezogen?

In einer eigenen Erfahrung? In der sakramentalen Begegnung mit Jesus Christus?

Auszuführende Geste

Drei Gesten sollen die Pilger in Lourdes ausführen. Erste Geste: In die Grotte gehen und den Fels berühren. Zweite Geste: An den Wasserhähnen trinken und sich dort oder in die Bädern waschen. Dritte Geste: Am Abend bei der Prozession eine Kerze in den Händen halten und sie beim Ave Maria erheben. Für Christen haben diese Gesten einen besonderen Sinn. In der Heiligen Schrift haben der Fels, das Wasser und das Licht einen Zusammenhang mit Jesus Christus, der der Fels ist, der uns das Wasser des Lebens gibt, und der das Licht der Welt ist. Diese Gesten können uns für das Gebet öffnen. Das Gebet führt zur Begegnung mit Jesus, und Jesus führt uns in seine Osterwirklichkeit. Vor diesen Gesten sollten wir langsam und andächtig und aus tiefstem Herzen das Kreuzzeichen machen. So sagen wir Jesus, uns selbst und den Anderen, was die Gesten der Wallfahrt für uns bedeuten und für welche Erfahrung sie uns öffnen.

3.Das Zeichen des Kreuzes erkennen

Unsere Welt ist von der Ablehnung Gottes, der Sünde, geprägt. Wegen der Sünde entgeht kein Mensch in der einen oder anderen Form dem Elend und dem Leid. Da geht es nicht um das Kreuz, sondern einfach um das menschliche Schicksal.

In dieser Welt gibt es die Liebe, und viele erfahren sie, in der Ehe, in der Familie, in der Gemeinschaft. Obwohl die Erfahrung der Liebe immer schwierig ist, kann man nicht von vornherein vom Kreuz sprechen.

Aber wo es gleichzeitig Sünde und Umkehr gibt, Elend und Solidarität, Leid und Nächstenliebe, Tod und Gegenwart des Erlösers der Welt, da ist auch zugleich das Zeichen des Kreuzes da. Bei Widerwärtigkeiten, Kummer und Leid sagte Bernadette: “Wenn man bedenkt, dass der liebe Gott es zulässt, beklagt man sich nicht.” So öffnete sie ihr Herz für die Gegenwart Christi, der für uns gestorben und auferstanden ist, und durch den sie in die Liebesbeziehung des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes eintrat.

In Lourdes ist das große Zeichen das Kreuz. In der Beziehung zwischen Kranken und Helfern wird uns dieses große Geheimnis deutlich. In dieser Beziehung, im Geben und Nehmen, in der gegenseitigen Annahme des Anderen, ist das Geheimnis des Kreuzes zeichenhaft gegenwärtig.

Die Frucht dieser Beziehung ist sichtbar auf dem frohen Antlitz der leidgeprägten Kranken und auf den glücklichen Gesichtern der Helfer.

Alle Liebe bleibt für das ewige Leben. Deshalb bleiben die Taten der Nächstenliebe, die den Dienst für Andere zum Ziel haben, für immer eingeprägt im Herzen derer, die davon profitieren. Sie offenbaren geheimnisvoll die unsichtbare Gegenwart des Vaters, des Sohnes und des Heiligen Geistes. Darum sagen viele: “Hier ist es anders.” “Hier fühlt man sich wohl.” “In der Grotte begegnen sich Himmel und Erde.”

Maria hat Bernadette gelehrt, das Kreuzzeichen zu machen und ihr dann gezeigt, wie dieses Zeichen Wirklichkeit im Leben wird. Sie verspricht Bernadette “das Glück der anderen Welt”. Es geht beim Kreuz um die andere Welt, die auf Erden beginnt, so bald das Leiden durch die Liebe umgewandelt wird und zum ewigen Leben führt, wo es weder Leid noch Tod gibt, weil der Vater, der Sohn und der Heilige Geist für immer herrschen.

Fragen, die wir uns stellen können

War ich in Lourdes Zeuge von Gesten zugunsten von Kranken?

Haben mich diese Gesten berührt, sodass ich mich an sie erinnere?

War ich Zeuge solcher Gesten außerhalb von Lourdes? Bei welcher Gelegenheit?

Habe ich selbst die Kraft der Liebe im Leid gespürt?

Habe ich Gesten getan, die Leid oder Elend von Anderen erleichtert haben?

Welchen Zusammenhang sehe ich zwischen diesen Gesten (jene der Anderen und meinen) und dem Kreuz Jesu Christi, in denen Gott seine Liebe zeigt?

Auszuführende Geste

Man lernt das Kreuzzeichen schätzen, wenn man es macht. Es ist wie bei der Liebe: Nur wer Liebe schenkt, kann die Liebe erleben. In Lourdes ist es auch so: Wer Liebe erfährt, ändert sofort sein Verhalten gegenüber den Anderen. Das zeigt sich zuerst in kleinen Dingen: Man lässt den Anderen den Vorrang, lässt den Anderen zuerst bedienen bevor man sich bedient, lässt den Anderen in kleinen Dingen etwas gelingen, kurz man gibt dem Anderen den Vorzug, bevor man an sich selbst denkt. Jede dieser Haltungen und jede dieser Taten sind Gelegenheiten, ein wenig zu erfahren, wofür das Kreuzzeichen steht. Dem Anderen den Vorrang geben mag zunächst schwer fallen. Aber wer es tut, findet in seinem Herzen Frieden und Freude. Es sind die Zeichen, durch die er Jesus Christus begegnet, und dass Jesus Christus ihm beim Übergang von einer Wirklichkeit zur anderen hilft. Bei dieser dritten Etappe ermöglicht jede kleine Geste, die Allgegenwart des Kreuzzeichens zu erkennen und ein wenig die unsichtbare Gegenwart des Vaters, des Sohnes und des Heiligen Geistes, die in dieser Welt wirken, ein wenig wahrzunehmen.

4.Das Zeichen des Kreuzes vergegenwärtigen

Das Kreuzzeichen besteht aus einer Geste und Worten, die bei Ausführung der Geste gesprochen werden. Wenn wir uns mit dem Kreuz bezeichnen und die trinitarischen Worte sprechen, dann ist unser Kreuzzeichen sozusagen die Zusammenfassung unseres Glaubens. Indem wir Gott, den Vater, den Sohn und den Heiligen Geist in Verbindung mit dem Kreuzzeichen anrufen, sagen wir, wer Gott ist, wer wir sind, und wie Gott sich mit uns verbindet.

Durch diese Geste, die untrennbar mit der Anrufung des Vaters, des Sohnes und des Heiligen Geistes verbunden ist und in dessen Namen sie vollzogen wird, bekunden wir öffentlich, dass Gott Liebe ist, dass er seine Liebe im Geheimnis des Kreuzes enthüllt, dass er uns unsere Berufung zur Liebe offenbart, und dass uns durch das Kreuz die Fähigkeit gegeben wird, gottgefällig zu leben.

Es geht nicht darum, das Kreuzzeichen so oft wie möglich zu machen, sondern dass wir nie die Bezeichnung des Kreuzes von der Anrufung des dreifaltigen Gottes trennen, was diesem Zeichen allein Sinn und Wirksamkeit gibt.

Aber das Kreuzzeichen beschränkt sich nicht auf die Anrufung der trinitarischen Formel. Es soll in alle menschlichen Erfahrungen einfließen im Licht des Kreuzes Jesu Christi, “im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes”. So wird das Zeichen des Kreuzes wirklich gegenwärtig.

Jesus hat das Zeichen des Kreuzes nicht erst auf dem Kalvarienberg gegenwärtig gemacht. Weil sein ganzes Leben auf der Erde eine Ganzhingabe ist (das bedeutet das Kreuz), ist das Zeichen des Kreuzes im Evangelium allgegenwärtig. Man begegnet ihm in allen Situationen des Lebens Jesu, bei seinem Auftreten, bei all seinen Taten, bei all seinen Begegnungen.

Obwohl wir uns nach Liebe sehnen, ist unser Alltag oft durch Leid geprägt. Aber gerade in diesen Situationen können wir das Kreuz vergegenwärtigen.

– Zunächst wenn wir lieben. Es gibt keine Liebe ohne Leid. Und je mehr man liebt, desto mehr leidet man. Deshalb ist Leiden mit Liebe nicht Leiden, sondern Lieben. So wird die Erfahrung der gelebten Liebe “im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes” zu einem Zeichen des Kreuzes, weil sie auf das Geschenk Gottes hinweist, das dieser in seinem Sohn macht, und auf das Geschenk, das der Sohn aus sich macht, und auf das Geschenk, das der Vater und der Sohn im Heiligen Geist, der in die Herzen der Menschen ausgegossen ist, machen.

– Dann wenn wir leiden. Je mehr wir in unserer Erfahrung des Leids demjenigen Platz geben, der die Liebe ist, umso besser können wir schwierige Situation bestehen, wenn wir sie “im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes” verwandeln lassen. Darum kann Bernadette mit ihrem Herzen voller Liebe und solidarisch mit der ganzen Menschheit ihr Leben hingeben und sagen: “Wenn man auf seinem Leidensbett liegt, darf man sich nicht bewegen, denn man ist am Kreuz.”

– Schließlich wenn wir mit dem Leid Anderer in der einen oder anderen Form konfrontiert werden. Da, wo Leid ist, muss man „Liebe hineinlegen“, das heißt sein Leben einsetzen. Da, wo die Liebe ist, da ist Gott. “Ich war hungrig und ihr habt mir zu essen gegeben; ich war durstig und ihr habt mir zu trinken gegeben; ich war fremd und obdachlos und ihr habt mich aufgenommen; ich war nackt und ihr habt mir Kleidung gegeben; ich war krank und ihr habt mich besucht; ich war im Gefängnis und ihr seid zu mir gekommen” (Mt, 25,35-36). So verwandelt die Liebe jedes Leid in Liebe und das Zeichen des Kreuzes “im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes” wird gegenwärtig.

Bernadette ließ sich “zermahlen wie ein Weizenkorn”, sodass ihr Leben durch die Hingabe ihrer selbst ein großes und authentisches Zeichen des Kreuzes wurde.

Für jeden von uns ist die Vergegenwärtigung des Zeichens des Kreuzes ein beständiges Tun in kleinen Dingen des Alltags. Da sind unsere Initiative, unsere Fantasie und unsere Kreativität gefragt. Man muss sich für die Liebe entscheiden, das heißt sein Leben für Andere einsetzen.

Fragen, die wir uns stellen können

Gehört das Zeichen des Kreuzes zu meinem täglichen Leben?

Wie mache ich es gegenwärtig? Allein? Mit Anderen? In der christlichen Gemeinschaft? Bei meiner Arbeit? Im Verein?

Wie hilft mir die Wallfahrt nach Lourdes das Zeichen des Kreuzes gegenwärtig zu machen?

Hat es für mich eine Bedeutung, wie Bernadette das Zeichen des Kreuzes gegenwärtig machte?

Sind die Widerwärtigkeiten und negativen Aspekte meines Lebens nur Steine des Anstoßes?

Auszuführende Geste

Das Gegenwärtigmachen des Zeichens des Kreuzes ist zunächst verbunden mit unserem Willen, Gott den ganzen Platz in unserem Leben zu geben, und mit unserem Verlangen zu lieben. Halten wir uns immer den wunderbaren Hymnus “das Hohelied der Liebe” des heiligen Paulus in den Tagen der Wallfahrt vor Augen und leben wir diese Worte. Seien wir darum stets erfinderisch, fantasievoll und kreativ. Dann können unsere Gedanken, Worte und Taten das Zeichen des Kreuzes vergegenwärtigen “im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes”.

“Die Liebe ist langmütig, die Liebe ist gütig. Sie ereifert sich nicht, sie prahlt nicht, sie bläht sich nicht auf. Sie handelt nicht ungehörig, sucht nicht ihren Vorteil, lässt sich nicht zum Zorn reizen, trägt das Böse nicht nach. Sie freut sich nicht über das Unrecht, sondern freut sich an der Wahrheit. Sie erträgt alles, glaubt alles, hofft alles, hält allem stand. Die Liebe hört niemals auf. Prophetisches Reden hat ein Ende, Zungenrede verstummt, Erkenntnis vergeht.” (1 Kor 13,4-8).

Père Régis–Marie da La Teyssonnière und Père Horacio Brito

Botschaften von Lourdes im Jahre 1858

Lourdes

Die Erscheinungen von Lourdes 1858

Erste Erscheinung: Donnerstag, 11. Februar

Am 11. Februar war Bernadette im Auftrage ihrer Mutter mit ihrer jüngeren Schwester und einer kleinen Nachbarin bis an das Ufer des Bertromes Gare hinabgegangen um dürres Holz zu sammeln. Sie kamen bis zum Felsen Massabielle. Bernadette war etwas entfernt von den anderen, und sieh, Bernadette hört ein Rauschen, bemerkt, dass sich trotz völliger Windstille der wilde Rosenstrauch vor der Felsnische bewegt. Ein geheimnisvolles Licht erfüllt die Grotte. Sie will weg rennen; doch sie hört wieder das Getöse. Dann sieht das Mädchen “eine Dame” von übernatürlicher Schönheit. Ihr Kleid leuchtet wie die Sonne. Auf ihren Füßen, erblühte eine goldfarbige Rose. Um ihre Hüften schlang sich ein himmelblauer Gürtel. Von ihrem Kopfe ging ein Schleier herab.
Ihr Gesichtsausdruck war sanft und ihr Lächeln von großer Milde.

Bernadette betet den Rosenkranz. “Die Dame” scheint dem Gebet zuzuhören und entschwindet nach dem letzten Ave.

Zweite Erscheinung: Sonntag, 14. Februar

Am anderen Tag kommt Bernadette mit ihren beiden Freundinnen wieder zur Grotte. Die Kinder beginnen den Rosenkranz, “die Dame” erscheint, aber nur Bernadette sieht sie. Sie besprengt die Erscheinung mit Weihwasser. Die Dame verneigt sich und kommt bis zum Rand des Felsens vor. Nach dem letzten Ave des Rosenkranzes verschwindet sie wieder.

Dritte Erscheinung: Donnerstag, 18. Februar

Bernadette nimmt Papier und Feder mit, damit die Dame ihren Wunsch aufschreibe. Dreimal wiederholt das Mädchen seine Bitte; die Dame lächelt und sagt:
“Mach mir nur die Freude und komm alle vierzehn Tage täglich hierher.” Bernadette stimmt sofort zu, die Dame antwortet mit einem Gegenversprechen:
“Ich verspreche dir nicht, dich in dieser Welt glücklich zu machen, sondern in der andern!”

Auf die Frage, ob auch ihre Freundinnen wiederkommen dürfen, antwortet die Erscheinung: “Ja, ich wünsche viele Leute hier zu sehen.”

Vierte Erscheinung: Freitag, 19. Februar

Die Mutter, Louise Soubirous, und einige Frauen begleiten Bernadette.
Während der Erscheinung hört Bernadette ein Stimmengewirr und die Rufe: “Rette dich! Rette dich!” Aber die Dame gebietet Ruhe.

Fünfte Erscheinung: Samstag, 20. Februar

Es waren schon viele Menschen anwesend.
Die Dame lehrt Bernadette ein Gebet, das nur für sie persönlich bestimmt ist.

Sechste Erscheinung: Sonntag, 21. Februar

,,Bete für die Sünder, bete für die kranke Welt!”
Der Arzt Dr. Douzous beobachtet Bernadette zum erstenmal in der Ekstase und findet keinerlei krankhafte Anzeichen.
Dieser Tag endete für Bernadette mit Angst und Aufregung.
Bernadette wird vom kaiserlichen Staatsanwalt und vom örtlichen Polizeikommissar verhört. Dies ist für Vater Soubirous Anlaß genug, seiner Tochter alle weiteren Besuche an der Grotte zu verbieten.

Siebte Erscheinung: Dienstag, 23. Februar

Am vorhergehenden Montag war Bernadette, ihren Eltern gehorsam, gleich zur Schule gegangen. Nachmittags zog es sie wieder zur Grotte, aber die Dame erschien nicht.
Bernadette macht sich gleich nach der Hl. Messe auf den Weg. Die Ekstase dauert eine Stunde. Bernadette bewegt sich auf den Knien vor und küsst den Boden.
Die Dame teilt ihr ein Geheimnis mit, das sie niemandem anvertrauen darf. Dann sagt sie:
“Und nun, meine Tochter gehe und sage den Priestern, dass ich an diesem Ort eine Kapelle errichtet haben will!”

LourdesMadonna

Achte Erscheinung: Mittwoch, 24. Februar

Darüber berichtet Bernadette dem Pfarrer Peyramale: “Dann befahl mir die Dame, für die Sünder zu beten und in das Innere der Grotte zu kommen, nun sie rief dreimal das Wort: “Buße! Buße! Buße!”.
Das wiederholte ich, indem ich mich auf den Knien in den Hintergrund der Höhle schleppte. Dort offenbarte mir die Dame ein zweites Geheimnis, das nur mich allein betrifft, und dann verschwand sie”.

Neunte Erscheinung: Donnerstag, 25. Februar

Die Dame teilt Bernadette ein drittes Geheimnis mit.
Dann sagt sie: “Und nun trinke und wasche dich in der Quelle und iss von den Kräutern, die dort wachsen!”
Bernadette wollte sich schon auf den Weg machen, da im sichtbaren Umkreis keine Quelle zu sehen war. Maria zeigte aber auf den Boden der Grotte. Bernadette beginnt mit den Fingern zu graben und unter ihren grabenden Händen entspringt im linken Teil der Höhle die Quelle. Sie trank von dem freuchten Schlamm, und aß von den Pflanzen. Natürlich ekelte sie sich davor, aber sie gehorchte.
Einige der Anwesenden hielten sie für verrückt. Doch sollten sie eines besseren belehrt werden. Bald plätscherte eine kräftige Quelle aus der Grotte, die seither vielen Menschen Heilung gebracht hat.

Am folgenden Tag bleibt die Erscheinung aus.
Es geschieht das erste Wunder: Der Steinbrucharbeiter Bouriette wird durch das Wasser der Quelle geheilt. Sein rechtes, von Steinsplittern zerstörtes Auge erhält die Sehkraft wieder.

Zehnte Erscheinung: Samstag, 27. Februar

Heute trägt die Dame Bernadette auf, für die Sünder zu beten. Dann befiehlt sie ihr, zur Buße für diese die Erde zu küssen.
Dann hört Bernadette die Worte: “Geh und sag den Priestern, sie sollen hier eine Kapelle bauen lassen.”

Elfte Erscheinung: Sonntag, 28. Februar

Mehr als zweitausend Menschen kamen zur der Grotte. Wie tags davor küsst Bernadette die Erde und fordert die Umstehenden auf, ihrem Beispiel zu folgen. Über das Gespräch mit der Dame erzählt sie nichts.
Am gleichen Tag muss Bernadette vor den Untersuchungsrichter, der ein längeres Verhör anstellt und ihr mit dem Gefängnis droht, wenn sie zur Grotte zurückkehre.
Ohne Angst aber antwortet Bernadette: “Ich habe der schönen Dame versprochen, zu kommen.”

Zwölfte Erscheinung: Montag, 1. März

Zum ersten Mal wird der Vater von Bernadette seine Tochter zum Felsen begleiten. Etwa 1 300 Personen werden Zeugen der Vision, in der Bernadette zu einem schlichten Leben ermahnt wird. Bernadette nimmt den Rosenkranz einer Freundin, um ihn während der Erscheinung zu benützen. Doch die Dame gibt ein Zeichen und beginnt das Gebet erst, als Bernadette wieder ihren eigenen Rosenkranz hervorholt.

Dreizehnte Erscheinung: Dienstag, 2. März

Etwa 2 000 Menschen haben sich bei der Grotte eingefunden.
Die Dame befiehlt Bernadette wiederholt den Priestern zu sagen, dass sie eine Kapelle errichtet haben will. Sie fügt hinzu: “Ich will, dass man in Prozessionen hierher zieht.”

Bernadette geht mit diesem Auftrag zu Pfarrer Peyramale. Der aber ist skeptisch und verlangt Beweise: “Die Dame soll ihren Namen sagen und die Heckenrosen in der Grotte sollen erblühen.”

Vierzehnte Erscheinung: Mittwoch, 3. März

Am frühen Morgen kommt Bernadette zum Erscheinungsort. 4 000 Menschen warten auf sie.
Es ist der vorletzte jener vierzehn Tage, an denen sich Bernadette bei der Grotte einfinden soll.
Die Menschenmenge wird immer größer. Zur Aufrechterhaltung der Ruhe beordert der Bürgermeister das gesamte Militär von Lourdes zum Massabielle.
Bernadette schaut wieder in Ekstase – einen Rosenkranz lang – die himmlische Dame.

Fünfzehnte Erscheinung: Donnerstag, 4. März

Mehr als 20.000 Menschen warten an den Ufern des Gave. Wie an den Tagen zuvor befiehlt die Dame Bernadette, sich in der Quelle zu waschen, zu trinken und von den Kräutern zu essen.

Bernadette sagt ihrer Mutter: “Es war wie immer: als die Dame kam, lächelte sie mir zu, doch verabschiedet hat sie sich noch nicht.”

Sechszehnte Erscheinung: Donnerstag, 25. März (Maria Verkündigung)

Von einer inneren Stimme getrieben, eilt Bernadette am Morgen zur Grotte. Die Nische ist schon von Licht erfüllt, die Dame wartet!
Diesmal, nach dreimaligem Befragen, offenbart sie ihren Namen: “Ich bin die Unbefleckte Empfängnis!”
Auf dem Weg zum Pfarrer sagt Bernadette diesen ihr völlig fremden Ausdruck ununterbrochen vor sich hin, um ihn nicht zu vergessen.

Siebzehnte Erscheinung: Ostermontag, 5. April

Eine unheimliche Kraft zieht Bernadette zur Grotte. In der linken Hand den Rosenkranz, in der rechten eine brennende Kerze. Sie schaut wieder die “UnbefleckteEmpfängnis”.
Durch eine Bewegung gerät Bernadette mit der Kerze unter ihre linke Hand, die Flamme schlägt zwischen den Fingern durch. Dieses “Kerzenwunder” dauert eine Viertelstunde.
Doktor Douzous, der neben Bernadette steht, kann keinerlei Verbrennungen feststellen.

Achtzehnte und letzte Erscheinung: 16. Juli (Maria vom Berge Karmel)

Bernadette betet gegen Abend in der Pfarrkirche. Da hört sie wieder die innere Stimme, die sie zur Grotte drängt. Zum letztenmal öffnet sich ihr der Himmel, die allerseligste Jungfrau lauscht dem Gebet des Rosenkranzes und verschwindet dann – ohne ein Wort zu sagen – für immer.

In Nevers wird Bernadette eine bevorzugte Zeugin der Liebe Gottes für jeden Menschen

Am 08.Juli 1866 trat Bernadette als Schwester Marie-Bernard bei den “Soers de la Charite” in das Kloster zu Nevers an der Loire ein. Sie litt viel unter dem Unverständnis der anderen Schwestern und auch körperlich.

Am 16. April 1879 starb Bernadette (Ordensname: Schwester Marie-Bernard) im Heiligkreuz-Krankenzimmer des Klosters Saint-Gildard. Sie war damals 35 Jahre alt.
Als Kind einer sehr armen Familie war Bernadette immer kränklich und sehr anfällig gewesen. In ihrer Jugend litt sie an schmerzhaftem Asthma. Ihre schlechte Gesundheit verschloss ihr beinahe auf immer die Pforten zum religiösen Leben.

Dreimal in ihrem kurzen Leben erhielt sie die Letzte Ölung.

Zum Asthma kamen andere Leiden: Lungentuberkulose und ein Krebsgeschwulst im rechten Knie.
Am Mittwoch, den 16. April, verdoppelten sich ihre Schmerzen. Kurz nach elf Uhr, schien sie dem Ersticken nahe. Man trug sie in einem Sessel, die Füsse auf einer Stütze, vor den Kamin, in dem ein kräftiges Feuer loderten. Sie starb gegen viertel nach drei.

Mit Genehmigung der Zivilbehörden blieb der Leichnam der Bernadette bis zum Samstag, 19. April, zur Verehrung durch die Öffentlichkeit aufgebahrt.

Am 14. Juni 1925 erklärte Pius XI Bernadette offiziell für seliggesprochen und am 8. Dezember 1933, wird Bernadette vom Papst Pius XI heiliggesprochen.

Lourdes – Bernadette Soubirous – 1844 – 1879

Das Leben der HL. Bernadette Soubirous 1844 – 1879

* 7. Januar 1844 in Lourdes
† 16. April 1879 in Nevers –

Bernadette Soubirous wurde als Marie-Bernarde am 7. Januar 1844 in Lourdes geboren.

Bernadette wurde als ältestes Kind des Mühlenpächters François Soubirous und seiner Ehefrau Louise Castérot in der Boly-Mühle am Lapaca-Flüßchen in einem Außenbezirk des franz. Pyrenäenstädtchens Lourdes geboren. Zwei Tage darauf wurde sie, am 9. Januar, in der Pfarrkirche von Lourdes von Pfarrer Forgues getauft.

Als ihre Mutter sich im November 1844 mit einer herabfallenden Harzkerze verbrannte und sie nicht mehr stillen konnte, gab sie Bernadette Frau Marie Lagües im benachbarten Bartrès als Amme, deren Sohn im Alter von zwei Monaten verstorben war. Bei ihr blieb Bernadette bis zum 1. April 1846.

Im Alter von sechs Jahren begann Bernadette, die bis dahin kerngesund gewesen war, an Asthmaanfällen zu leiden. Diese verschlimmerten sich nach der Choleraepidemie von 1855. So blieb sie ihr ganzes Leben schwach und kränklich.

1854 mußten ihre Eltern die Mühle aufgeben und gerieten zunehmend in Armut.

1856 verschlechterten sich ihre wirtschaftlichen Verhältnisse so sehr, daß sie in einen Raum des ehemaligen Gefängnisses von Lourdes ziehen mußten. Die Eltern verdienten den kargen Lebensunterhalt der Familie als Tagelöhner. Die Kinder unterstützten sie durch Sammeln von Lumpen, Alteisen, Brennholz oder Abfällen, wofür sie bei der Altwarenhändlerin einige Sous erlösten.

Ihre ehemalige Amme Marie Lagües-Arravant nahm die dreizehnjährige Bernadette im September 1857 als Haushaltshilfe und Schafhirtin zu sich, wo sie auch Religions- und Katechismusunterricht erhielt.
(Der Schafstall dient heute als kleine Kapelle).

Am 28. Januar 1858 kehrte Bernadette nach Hause zurück. Sie ging zu den Spitalschwestern in die Schule und bekommt vom Hausgeistlichen Abbé Pomian Kommunionunterricht.

Am Morgen des 11. Februar 1858 ging Bernadette zusammen mit ihrer Schwester Antoinette Marie und dem Nachbarsmädchen Jeanne Abadie am Gave in der Nähe der Grotte Massabielle Holz sammeln.

Während die beiden anderen Mädchen bereits durch den eiskalten Fluß zur Grotte gewatet waren, zögerte Bernadette ans andere Ufer, Von den anderen Mädchen unbemerkt – erschien ihr erstmals die Gottesmutter, die mit ihr den Rosenkranz betete, ohne daß sich Bernadette der Identität der Erscheinung bewußt gewesen wäre. Sie sprach nur von der »schönen Dame«.

Siebzehn weitere Erscheinungen folgten am 14., 18., 19., 20., 21., 23., 24., 25., 27. und 28. Februar, 1., 2., 3., 4. und 25. März, 7. April und 16. Juli, während derer sich die öffentlichen Ereignisse schnell entwickelten. Die Erscheinungen zogen eine immer größere Menschenmenge an und bestanden nach anfänglichen, verständlichen Zweifeln und Anfeindungen alle ärztlichen, staatlichen und kirchlichen Prüfungen ihrer Echtheit, so daß am 5. Oktober 1858 Kaiser Napoleon III. persönlich alle Behinderungen der Marienverehrung an der Grotte von Massabielle untersagte.

Am 28. Juli 1858 setzte der Ortsbischof Laurence von Tarbes eine Kommission ein, aufgrund deren gründlichen Prüfung der Bischof am 18. Januar 1862 die Echtheit und überirdische Natur der Marienerscheinungen bestätigte.

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Bernadette wohnte bis Mai 1866 bei den Spitalschwestern in Lourdes und entschied sich dann, am 7. Juli in das Kloster der Caritas- und Schulschwestern in Nevers einzutreten.

Am 29. Juli 1866 wurde sie eingekleidet und legte am 30. Oktober 1867 ihre ersten Gelübde ab.

Die knappen 13 Jahre des Klosterlebens waren eine Zeit der körperlichen Leiden und der Niedrigkeit.

Vom 30. Oktober 1867 bis Juni 1873 diente sie als Krankenschwester auf der Station des Klosters, erkrankte dann aber wieder so schwer, daß sie nach ihrer Genesung als Sakristanin arbeitete.

1876 mußte sie aber auch diese Tätigkeit aufgeben.

Am 22. September 1878 legte sie ihr ewiges Gelübde ab.

Am 16. April 1879 verstarb sie in Nevers an Knochentuberkulose und wurde in der Gruft der St.-Josefs-Kapelle im Garten des Mutterhauses bestattet.

Im Verlauf des Seligsprechungsprozesses wurde der Leichnam am 22. September 1909 erhoben und unverwest aufgefunden.

Am 18. April 1925 nochmals begutachtet.

Am 14. Juni 1925 sprach Papst Pius XI. Bernadette selig.

Am 8. Dezember 1933 folgte die Heiligsprechung.

Seither ruht ihr unverwester Leib sichtbar in einem Glasschrein in der rechten Seitenkapelle der Klosterkirche St. Gildard in Nevers.

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Lourdes Grotte im Franziskanerinnen Kloster Erlenbad/Sasbach