Katharina Labouré und die “Wundertätige Medaille” 1806 – 1876

Catherine Labouré und die “Wundertätige Medaille”

geboren am 02. Mai 1806
gestorben am 31. Dezember 1876

Heilige Katharina Labouré und
die Botschaft unserer Lieben Frau

geboren am 02. Mai 1806
gestorben am 31. Dezember 1876 in Paris

Katharina Labouré stammt aus dem Burgund; Heimat von Heiligen und Ordensleuten.

Als Katharina zur Welt kam, waren bereits acht Kinder da: ein Mädchen (Maria Luise) und sieben Buben; später kamen noch Tonie und Auguste dazu.

In dieser Familie, in der Liebe und Hilfsbereitschaft herrschen, hat Gott den ersten Platz. Jeden Abend finden sich alle zum Gebet ein, und das Kind lernt die Gebete schon, bevor es lesen kann.

Von der harten Arbeit und eng aufeinanderfolgenden Schwangerschaften stark mitgenommen, nützt sich die Gesundheit von Luise Labouré ab. Sie stirbt, kaum 42 Jahre alt.

Der mütterlichen Liebe beraubt, nimmt die Neunjährige zur unermesslichen Liebe der Gottesmutter ihre Zuflucht.

Zwei Jahre verbringen Katharina und ihre kleine Schwester Tonie bei Tante in St. Rémy. Danach kehren sie auf den Bauernhof zurück.

Katharina wird zwölf Jahre alt, sie ist groß und stark und versteht die Hausarbeit gut.

Während ihrer Abwesenheit lernte ihre ältere Schwester Marie Luise in Langres die Töchter der christlichen Liebe kennen und sie erkannte ihre Berufung. Sie muss fort, Vater, Brüder und Schwestern verlassen. Katharina, entschlossen und praktisch, rettet die Situation.

„Tonie und ich“ sagt sie voll Zuversicht zum Vater, „wir können das Haus gut versorgen.“

Peter Labouré willigt schließlich ein. Maria Luise kann ruhig ihren Weg gehen; Katharina wird die Sorge für die Wirtschaft übernehmen.

1818 empfängt sie ihre erste heilige Kommunion.

Jede Gelegenheit nützt das Mädchen um in das Kirchlein von Fain zu beten. Hier betet es kniend auf den Steinfliesen, selbst bei bitterster Kälte.

Alle im Dorf achten dieses tüchtige Mädchen und an Heiratsanträgen fehlt es nicht . Aber die Antwort ist stets ein unwandelbares „Nein“.

Mit 19 Jahren hat Katharina einen seltsamen Traum, der ihr den wahren Sinn ihres Lebens zeigt:
Sie betet in der Kirche von Fain. Am Altar feiert ein betagter Priester in den heiligen Gewändern eine Messe. Am Schluss dreht er sich um und gibt ihr ein Zeichen, näher zu kommen. Katharina erschrickt und flieht… Aber der Traum geht weiter. Sie befindet sich an einem Krankenbett, und der alte Priester ist wieder da.

„Meine Tochter“, spricht er zu ihr, „es ist gut, die Kranken zu pflegen. Jetzt läufst du mir davon, aber eines Tages wirst du glücklich sein zu mir zu kommen. Gott hat seine Absichten mit dir, vergiss das nicht!“

Der göttliche Anruf bleibt nicht ohne Wirkung.

Im Jahre 1828 ist Katharina 22 Jahre alt, Tonie 20. Diese kann sie jetzt auf dem Bauernhof ersetzen.

Die Stunde ist da, mit ihrem Vater über ihre Berufung zu sprechen. Sie denkt bei den Töchtern der christlichen Liebe einzutreten, die in Moutiers-Saint-Jean das Hospiz versorgen. Aber die Antwort des Vaters lautet: „Du gehst nicht fort!“

Katharina hat sich dem väterlichen Willen zu fügen.

Peter Labouré möchte seine Tochter um jeden Preis von ihrem Vorhaben abbringen. Vielleicht wäre ein Aufenthalt bei seinem Sohn Karl, der in Paris ein Gastlokal für Arbeiter führt, eine Ablenkung.

Einige Tage später besteigt Katharina schweren Herzens, aber gehorsam, die Kutsche, die sie nach Paris bringen soll.

In Paris, in der Gaststube ihres Bruders Karl, tut sie mutig ein Jahr lang ihre Arbeit. Ihre Schwägerin, Frau Huberta Labouré, führt in Châtillon-sur-Seine ein Pensionat für burgundische Adelsleute.

Karl, der Mitleid mit dieser Not hatte, versucht einen Ausweg zu verschaffen. Es verlässt bald Paris, um nach Châtillon zu gehen.

Obwohl Katharina sehr herzlich aufgenommen wird, fühlt sie sich in diesem Milieu nicht wohl, weil es sich schlecht mit ihrer Einfachheit verbinden lässt. Sie erfährt, dass sich ein Haus der Töchter der christlichen Liebe in der Stadt befinde, und sie entschließt sich, dorthin zu gehen. Ihr Wunsch, in einem Orden einzutreten, wächst ständig, und sie möchte mit der Oberin darüber sprechen. Man führt sie ins Sprechzimmer. Da fesselt ein Bild ihre Aufmerksamkeit:

Ein Portrait eines alten Priesters… Irgendwo ist sie diesem milden Blick schon begegnet, der sie jetzt wie gebannt hält.

-„Das ist der Priester, der Priester, den ich in meinem Traum in der kleinen Kirche von Fain gesehen habe! Gewiss, er ist es! Aber wer ist das ?“

-„Unser Stifter, der heilige Vinzenz von Paul“ antwortet ihr die junge Schwester, die sie ins Sprechzimmer geleitet hat.

Hatte er nicht gesagt: „Du wirst zu mir kommen…“? Und sie ist gekommen. Sie will Tochter der christlichen Liebe werden. Das Verhältnis mit dem Vater ist noch immer gespannt. Er wartet immer noch auf ihre Rückkehr.

Frau Huberta Labouré vermag ihn schließlich zu überzeugen. Nach langen Ausflüchten stimmt er endlich zu.

Zu Beginn des Jahres 1830 beginnt Katharina ihr Postulat im Haus von Châtillon-sur-Seine.

Drei Monate später, am 21. April 1830, schreitet sie durch die große Pforte des Mutterhauses der Töchter der christlichen Liebe, 140, rue du Bac, um dort ihre Ausbildungszeit zu beginnen.

Sie trägt noch ihre burgundische Tracht, den weiten Rock und die Seidenschürze, das große Halstuch mit den Fransen und ein kleines weißes Häubchen, das die Haare straff zurückhält…

Das ist für Katharina der entscheidene Schritt…

„Herr, da bin ich…“

Katharina trägt von nun an das Kleid der Novizinnen und beginnt mit Eifer diesen neuen Abschnitt ihres Lebens als Tochter der christlichen Liebe.

KatharinaLaboure

Vier Tage nach der Ankunft Katharinas im Seminar findet die Übertragung der sterblichen Hülle des hl. Vinzenz von Paul statt, von der Kathedrale Notre-dame von Paris, wo er seit dem 10. April zur Verehrung aufgestellt war, zur Kapelle der Lazaristen in der rue de Sèvres in Paris, nahe bei rue du Bac.

Am Sonntag, dem 25. April, wird vor dem Reliqienschrein des großen Apostels der Nächstenliebe eine feierliche Messe gehalten. Am Nachmittag folgt dem Schrein, der von 30 Missionspriestern getragen wird, eine große Menschenmenge.

„Ich war so glücklich, dass ich meinte, die Erde nicht mehr zu berühren“, schrieb sie später.

Nach der Übertragung wird in der Kapelle der „Missionpriester“, in welcher der Schrein aufgestellt wird, eine Novene gehalten. Jedes Mal, wenn ich von St. Lazarus zurückkam, war eine sonderbare Unruhe in mir. Es schien mir, als müsste ich den heiligen Vinzenz im Mutterhaus wiederfinden, wenigstens sein Herz.

Drei Monate später wird König Karl X, gestürzt und Frankreich den Schrecken der Revolution preisgeben. Schwester Katharina teilt diese außergewöhnlichen Dinge ihrem Beichtvater mit.
Herr Aladel, ein junger Lazarist, nimmt die Worte seines Beichtkindes mit Skepsis auf. Er verpflichtet Katharina, demütig ihr Noviziat weiterzumachen.

Sie scheint wie alle anderen, und dennoch wird sie später schreiben:

„Mir wurde die große Gnade zuteil, unseren Herrn in heiligsten Sakrament zu sehen. Ich sah ihn während meiner ganzen Seminarzeit… ausgenommen an den Tagen, wo ich zweifelte…“.

In Ihrer Zurückgezogenheit ist sie nur eine Schwester unter vielen anderen.

„Die Demut bewahrt die guten Landmädchen vor dem Ehrgeiz“, sagte der heilige Vinzenz. „Diese begnügen sich mit dem, was ihnen Gott gab, und sie wünschen weder Reichtum noch Ansehen…“
Und er fügt hinzu: „Eine der Haupttugenden, welche die Barmherzigen Schwestern von den guten Landmädchen nachahmen sollen, ist der heilige Gehorsam.“

MariaLaboure

(Nacht vom 18. auf den 19. Juli 1830)

Eineinhalb Monate später berichtet Katharina Ihrem Beichtvater folgendes:

„…Und dann kam das Fest des heiligen Vinzenz… Am Vorabend hielt uns unsere gute Schwester Martha einen Unterricht über die Verehrung des Heiligen, vor allem der seligsten Jungfrau. Ich hatte schon lange den Wunsch, sie zu sehen. Mit dem Gedanken, der heilige Vinzenz werde mir diese ersehnte Gnade erlangen, schlief ich ein.“

Um halb zwölf Uhr nachts hörte ich mich beim Namen gerufen. Ich wandte mich auf die Seite, von der die Stimme kam. Ich zog den Vorhang zurück und erblickte einen weißgekleideten Knaben, der zu mir sagte: „Komm in die Kapelle, die seligste Jungfrau erwartet dich!“ Aber man wird mich hören, dachte ich bei mir selbst. Aber der Knabe erwiderte: „Sei ruhig, es ist halb zwölf Uhr, alle schlafen. Komm, ich warte auf dich !“

„Ich kleidete mich schnell an und war bald bereit, dem Knaben zu folgen. Ich folgte ihm… Überall waren Lichter angezündet. Als wir zur Kapelle kamen, öffnete sich die Tür von selbst, sobald der Knabe sie mit dem Finger berührte. Ich sah die ganze Kapelle hell erlauchtet, wie in der Mitternachtsmesse zu Weihnachten. Die seligste Jungfrau aber sah ich noch nicht. Das Kind führte mich zum Hochalter neben den Sessel des Herrn Direktors. Dort kniete ich nieder… Gegen Mitternacht sagte mir der Knabe:

„Da ist die seligste Jungfrau, da ist sie!“

Da hörte ich ein Geräusch wie das Raschen eines Seidenkleides… Eine Frau von großer Schönheit setzte sich auf den Sessel.
Da sprach der Knabe zu mir mit einer festen Stimme: „Hier ist die seligste Jungfrau.“

KatharinaMaria

Da machte ich einen Sprung zu den Stufen des Altars und legte meine Hände auf Ihren Schoß.

Ich weiß nicht, wie lange ich so bei ihr blieb. Hier erlebte ich die süßesten Augenblicke meines Lebens…

1876, einige Monate vor ihrem Tod, schrieb Katharina eigenhändig einen Bericht, in dem sie das Wesentliche dieser „Dinge“ wiedergab.

„Mein Kind, der liebe Gott will dich mit einer Mission betrauen. Du wirst viel zu leiden haben, aber du wirst alles überwinden in den Gedanken, dass es zur Ehre Gottes gereicht. Man wird mit dir sein, fürchte nichts. Du wirst gewisse Dinge sehen, über die du Rechenschaft geben sollst. Die Zeiten sind böse. Es werden viele Drangsale über Frankreich hereinbrechen. Der Thron wird gestürzt werden, es wird viel Unglück kommen… Aber…”

„Komm zu den Stufen des Altares. Die Gnaden werden über alle strömen, über Große und Kleine, die mit Vertrauen und Eifer darum bitten…“

Wie lange ich so bei ihr blieb, weiß ich nicht. Die Jungfrau verschwand, wie ein Licht erlischt.“

„Gott will dich mit einer Mission betrauen…“, hatte die Jungfrau zu Katharina gesagt. Erst am 27. November sollte sie Näheres darüber erfahren.

Hören wir den Bericht, den sie über diese Erscheinung gab.

„Es war am Samstag vor dem ersten Adventsonntag, um halb sechs Uhr abends. Es herrschte tiefes Schweigen, es war gerade einige Minuten nach dem Betrachtungspunkt. Plötzlich glaubte ich von der Seite der Tribüne her etwas zu hören. Als ich dort hinschaute, sah ich die seligste Jungfrau. Sie stand aufrecht und war ganz weiß gekleidet. Sie stand auf einer Kugel, das heißt auf einer Halbkugel oder wenigstes habe ich nur die Hälfte gesehen. Und dann hielt sie eine Kugel in Händen; sie hielt die Hände erhoben, ungefähr in Brusthöhe, sehr zart. Die Augen waren zum Himmel gerichtet…
Ihr Gesicht war von solch strahlender Schönheit, dass ich es nicht beschreiben könnte.

Und dann bemerkte ich auf einmal Ringe an ihren Fingern, in die Edelsteine gefasst waren, die einen größer, die anderen kleiner, und von allen gingen leuchtende Strahlen aus, die einen schöner als die anderen…

In diesem Augenblick, als ich sie betrachtete, senkte die seligste Jungfrau ihre Augen und blickte mich an. Ich vernahm eine innere Stimme, die mir sagte:

„Diese Kugel, die du siehst, bedeutet die ganze Welt, besonders Frankreich… und jeden Menschen im besonderen.“

Hier kann ich nicht mehr ausdrücken, was ich empfunden und gesehen habe. Die Schönheit und der Glanz der Strahlen waren so schön!…

„Die Strahlen sind ein Sinnbild der Gnaden, die ich über die Menschen ausgieße, die mich darum bitten.“

In diesem Augenblick, in dem ich war oder nicht war, ich weiß es nicht… bildete sich um die heilige Jungfrau ein Oval und darüber sah ich die Worte:

„O Maria, ohne Sünde empfangen, bitte für uns, die wir zu dir unsere Zuflucht nehmen.“

Es stand in Goldbuchstaben. Dann hörte ich eine Stimme:

„Lass nach diesem Muster eine Medaille prägen. Wer sie trägt, wird große Gnaden erlangen. Und die Gnaden werden überfließend sein für jene, die sie mit Vertrauen tragen.“

Einige Edelsteine sandten keine Strahlen aus…

„Diese dunklen Steine versinnbilden die Gnaden, um die man mich nicht bittet.“

Im selben Augenblick wendete sich das Bild, und ich sah die Rückseite der Medaille: Den Buchstaben M, überragt von einem Kreuz, darunter zwei Herzen; eines umgeben von einer Dornenkrone, das andere von einem Schwert durchbohrt.

Mir schien, eine Stimme zu vernehmen, die zu mir sprach: „Das M und die beiden Herzen sagen genug!“

Jesus, Maria… Zwei leidende Herzen, vereint für unsere Erlösung.

Herr Aladel bleibt auch nach diesem neuerlichen Bericht skeptisch, weil er noch immer glaubt, dass es sich bei der jungen Novizin um eine Auswirkung ihrer Einbildungskraft handele.

„Die heilige Jungfrau ist unzufrieden.“

Einige Wochen später, beruhigt durch die Beharrlichkeit seines Beichtkindes, bittet Pater Aladel um eine Unterredung bezüglich dieses Gegenstandes mit Monseigneur de Quelen, Erzbischof von Paris.
Dieser findet an dieser Sache nichts, das wegen den Glauben wäre und gibt die Erlaubnis zur Prägung der Medaille.

Im Mai 1832 werden die ersten davon verteilt und bald spricht man von vielen Heilungen und Bekehrungen.

Medaille