Gedanken im Jahreskreis – Pastor Roland Bohnen

Pastor Roland Bohnen

Bildschirmfoto 2017-08-05 um 10.17.30

Von: Pastor Roland Bohnen [mailto:pastorbohnen@me.com]

Liebe Freunde,

nach meinem wunderbaren stillen Urlaub in einem sehr abgelegenen Retreat House in Ffald-y-Brenin in Wales habe ich einen Brief an die Menschen geschrieben, die bei uns in Süsterseel regelmäßig Betstunden übernehmen im Rahmen einer 24/7 Gebetsinitiative, die noch ganz im Anfang steckt. Zugleich denke ich an viele von Euch, die das auch interessieren könnte. Ich bin davon überzeugt, dass der Herr an vielen Orten ähnlich wirkt. Seit ich verstanden habe, was der Herr Pastor Roy Godwin geschenkt hat, bin ich nicht mehr so enttäuscht über das Scheitern mancher meiner Vorhaben, sondern verstehe ich besser, was der Herr hier bei uns tut. Ich sehe viele Ähnlichkeiten, und so vermute ich, dass sich viele darin wiederfinden können. Unten also mein Brief an die Beter!

Euch allen Gottes reichen Segen!

Pastor Roland Bohnen

Gerne möchte ich über meine Ferien im Besinnungshaus Ffald-y-Brenin in Wales berichten, weil ich dort viel empfangen durfte, was auch mit unserer Gebetsinitiative zu tun hat. Der Leiter dieses Besinnungshauses, ein Pastor namens Roy Godwin, hatte, als er dort seinen Dienst neu antrat, Gott um eine Vision gebeten. Immer wieder drängte sich ihm die Frage auf: „Herr, warum bin ich hier, warum hast du mich hier her gerufen?“ Die Antwort, die er von Jesus vernahm, war, dass es um ein Gebetshaus ging, ähnlich wie in einem Gebetshaus, das schon in Kansas existiert, dem sogenannten „International House of Prayer“ (IHOP). Er fragte sich, wie das in einem so abgelegenen Ort wie Ffald-y-Brenin geschehen könnte. Dieser Ort liegt wirklich sehr einsam, noch viel ländlicher als unsere Heimat Süsterseel (wobei wir meines Erachtens schon sehr ländlich sind). 

Über die Zeit festigte sich die Vision, und es entwickelte sich wirklich dort ein Ort, an dem viel gebetet wird, wo viele Menschen aus aller Welt hingezogen werden. Ich habe Menschen aus Neuseeland, Südafrika, Frankreich, Schweiz und natürlich Großbritannien in der kurzen Zeit meines Aufenthalts dort getroffen. Durch das viele Gebet spürt man eine tief geistliche Atmosphäre, einen sehr starken Frieden, eine tiefe Gegenwart Gottes, und man kann selber dort sehr gut beten. Besonders beeindruckend fand ich, dass dort ein Rhythmus des Gebets gelebt wird, eine Art „Stundengebet“, morgens, mittags, abends und zur Nacht. Es werden Psalmen und Gebete sehr langsam und meditativ gebetet, dazwischen immer wieder viel Stille, viel Lobpreis und freies Gebet. Ich empfinde diese Art der Gestaltung der Gebetszeiten vorbildlich für manche Gebetskreise auch bei uns. 

Als ich vor Jahren das Buch von Pastor Roy Godwin las, da öffnete es mir die Augen für die Art und Weise, wie der Herr hier bei uns in Süsterseel wirkt. Ich hatte viele pastorale Versuche gestartet, um das kirchliche Leben lebendiger zu machen, um Menschen in eine tiefere Beziehung zu Jesus zu führen. Aber vieles ist gescheitert. Ich musste erfahren, dass die Menschen meine Worte nicht einfach annehmen und tun, was ich vorschlage, selbst wenn es noch so gut und sinnvoll ist. Aber immer wieder höre ich, dass Menschen gern in unsere Kirche kommen, dass sie hier die Nähe Gottes spüren, dass sie hier einen besonderen Frieden erfahren. Ebenso erlebe ich es bei all meinen Besuchen und Begegnungen. Menschen spüren den Segen Gottes, erleben, wie Gebete erhört werden, sogar echte Heilungen erleben wir. Man kann also feststellen, dass Gott nicht so wirkt, dass ich etwas sage, und die Menschen das dann annehmen und tun; sondern Gott wirkt auf eine andere Weise: Hier an diesem Ort wird viel gebetet, und Menschen spüren den Segen Gottes, seine Gegenwart und seinen Frieden. Ich kann das nicht kontrollieren, Gott geht mit jedem individuell und persönlich um. 

All das ermutigt mich, dass wir weitermachen mit unserer neuen „Strategie“ – oder besser gesagt: „Vision“. Süsterseel soll immer mehr ein Ort des Gebets werden. Es ist fast so abgelegen wie Ffald-y-Brenin, aber scheinbar liebt es Gott, die abgelegenen Orte auszusuchen, um dort besondere Gnaden zu schenken. Wir müssen – so habe ich gelernt – keine Programme machen, keine „Strategien“ entwickeln, wir müssen nur eines tun: hier an diesem Ort immer wieder zum Gebet zusammen kommen. Vielleicht werden wir keinen kompletten 24/7 Rhythmus auf die Beine stellen, aber es wird ein Rhythmus des Gebets und der Anbetung entstehen, und der wird sich immer mehr ausweiten. Von daher ist jeder herzlich willkommen, der wann immer in der Woche, zu welcher Zeit auch immer, eine Gebetsstunde (oder halbe Stunde) anbieten will. 

Sehr dankbar bin ich auch für einige, die sich zum Nachtgebet verpflichtet haben und dadurch von den unterschiedlichsten Orten aus den Gebetsrhythmus unterstützen. 

Ich grüße alle und segne alle von diesem Ort aus! 

Pastor Roland Bohnen 

Pfarrer-Kreins-Str. 2

52538 Selfkant – Süsterseel

www.ce-suesterseel.de

“Wie könnt ihr zusammen mit Zöllnern und Sündern essen und trinken”. Lk, 5,30- Tagesimpuls vom Samstag nach Aschermittwoch – ‪Evangelium nach Lukas ‪5,27-32 – von Pastor Roland Bohnen

In jener Zeit sah Jesus einen Zöllner namens Levi am Zoll sitzen und sagte zu ihm: Folge mir nach!
‪Da stand Levi auf, verließ alles und folgte ihm.
‪Und er gab für Jesus in seinem Haus ein großes Festmahl. Viele Zöllner und andere Gäste waren mit ihnen bei Tisch.
‪Da sagten die Pharisäer und ihre Schriftgelehrten voll Unwillen zu seinen Jüngern: Wie könnt ihr zusammen mit Zöllnern und Sündern essen und trinken?
‪Jesus antwortete ihnen: Nicht die Gesunden brauchen den Arzt, sondern die Kranken.
‪Ich bin gekommen, um die Sünder zur Umkehr zu rufen, nicht die Gerechten.

Tagesimpuls:

Wie könnt ihr zusammen mit Zöllnern und Sündern essen und trinken? (Lk 5,30)

„Wie könnt ihr nur…!“ Das ist ein Spruch, den wir vielleicht alle schon mal so oder so ähnlich gesagt haben. „Wie könnt ihr…!“ oder „Wie kann man nur…!“ Der andere tut etwas, was ich absolut missbillige, und in diesem Spruch verbirgt sich meine Unverständnis, ja mein Urteil. „Wie kann man nur so böse sein!“, „wie kann man nur so etwas tun!“, „wie kann man nur so eine Entscheidung treffen!“ Als Christen sollten wir diesen Spruch aus unserem Wortschatz streichen. Wir haben kein Recht, solche vernichtenden Urteile über andere zu denken oder auszusprechen.

Wie könnt ihr zusammen mit Zöllnern und Sündern essen und trinken?

Nicht urteilen! Das ist es, was wir aus diesem Evangelium lernen. Stattdessen sollen wir versuchen, den anderen zu verstehen. Das heißt nicht, dass wir alles gutheißen müssen. Aber auch wenn ich nicht alles gutheiße, was ein anderer Mensch tut, so kann ich ihn doch akzeptieren und versuchen, seine Gründe besser zu verstehen. Ich muss dem anderen Raum in mir geben, nur so kann es zu einem echten wertschätzenden Dialog kommen.

Wie könnt ihr zusammen mit Zöllnern und Sündern essen und trinken?

Natürlich gibt es Menschen, die mich so sehr verletzt haben, dass das nicht möglich ist. Hier muss ich Wege suchen, die mir helfen, ihm verzeihen zu können. Das kann auch bedeuten, dass ich mich von diesem Menschen fernhalte, damit er mich nicht erneut verletzen kann. Dann werde ich auf die Dauer zu einer versöhnten Haltung ihm gegenüber finden, dann kann ich auch ohne innere Urteile und Verurteilungen ihm gegenüber leben. Statt „Wie kann man nur…“ entsteht dann in mir eine Haltung die sagt: „Ich weiß nicht die Gründe; ich kenne nicht seine Situation.“

Wie könnt ihr zusammen mit Zöllnern und Sündern essen und trinken?

Leben wir heute mit dem Motto: Nicht urteilen! „Wie kann man nur“ gehört zum Wortschatz der Pharisäer, nicht zu unserem. Bitten wir Jesus, dass er uns hilft, jedem Menschen Raum zu schenken.

Gebet: 

Jesus, wir Menschen sind so verschieden, immer wieder verletzten wir uns, immer wieder verurteilen wir uns. Hilf mir, dass ich heute niemanden verurteile. Hilf mir, dass ich meinen Mitmenschen Raum schenke in mir. Hilf mir, zu allen in einen echten Dialog einzutreten. Und hilf mir, den Menschen zu verzeihen, die mich verletzt haben. 

Pastor Roland Bohnen 

Der Tagesimpuls ist auch zu lesen im Internet auf den Seiten: 

https://www.facebook.com/pages/10-minutes-to-God/249758503250