Islamischer Terror: Familien ausgerottet

ISLAMISCHER TERROR:  FAMILIEN AUSGEROTTET

Ägypten – Nigeria

ÄGYPTEN: ANGRIFF AUF PILGERBUS – 7 MITGLIEDER EINER  KOPTENFAMILIE  GETÖTET 

Zweiter Angriff  innerhalb von eineinhalb Jahren 

  • Bei einem Angriff auf ihren Bus am 2. November 2018 wurden 7 Menschen getötet und 14 verletzt. Die Opfer, koptische Christen, kehrten aus dem Kloster St. Samuel im Gouvernement Al-Minya (Mittelägypten) zurück. Der Islamische Staat (IS) reklamierte den Angriff für sich.
  • Im Mai 2017 wurden bei einem ähnlichen Angriff auf einen Pilgerbus, der auf dem Weg zum selben Kloster war, 28 Menschen getötet und rd. 2 Dutzend verletzt. Der Angriff ereignete sich an fast der gleichen Stelle, und auch damals reklamierte der IS die Tat für sich. 

Zwei Busse wurden angegriffen

  • Der große Bus gehörte zu einer Kirche im Gouvernement Sohag (Mittelägypten). Dieser Bus wurde zuerst angegriffen, doch gelang es dem Fahrer das Gefährt vom Tatort wegzulenken – niemand in diesem Bus wurde getötet, einige allerdings wurden verletzt.  
  • Der zweite, kleinere Bus kam aus einem Dorf im Gouvernement Al-Minya (Mittelägypten) und konnte nicht entkommen, berichtet ein Priester aus der Diözese Maghagha im Gouvernement Al-Minya: „Die Terroristen haben den Bus abgefangen und das Feuer auf die Passagiere eröffnet.“

Tote – alles Mitglieder einer einzigen Familie 

Die 7 Getöteten gehörten 3 Generationen der gleichen Familie an: 

  • Nady Youssef Shehata (54)
  • Rida Youssef Shehata (51)
  • Kamal Youssef Shehata (20)
  • Poussy Melad Youssef Shehata (41)
  • Asaad Farouk Labeeb (36)
  • Bishoy Rida Youssef Shehata (15)
  • Marya Kamal Youssef Shehata (12)

Die 14 bei dem Angriff verwundeten Christen wurden in verschiedene Krankenhäuser der Region gebracht. 

Regierung versprach Entschädigung 

Die Beerdigung fand am Samstagmorgen, dem 3. November, in der Amir-Tadros-Kirche in Minya statt, die im Jahr 2013 selbst Ziel eines Angriffs gewesen war.

Die Regierung soll den Familien der Opfer eine Entschädigung von bis zu 100.000 ägyptischen Pfund (etwas mehr als € 4.900) zugesagt haben.

Am Tag nach dem Begräbnis behauptete das ägyptische Innenministerium, 19 islamische Jihadisten getötet zu haben, die im Verdacht standen, an dem Angriff beteiligt gewesen zu sein. 

Eine Mischung aus Traurigkeit und Schmerz

Die christliche Gemeinschaft ist empört darüber, dass sie das Ziel solcher tödlichen Angriffe ist, und glaubt, dass nichts getan wird, um sie gegen diese Angriffe zu verteidigen. 

„Warum wurden sie nicht geschützt?“, fragt Emad Nasif, ein Diakon. „Es scheint eine Gleichgültigkeit gegenüber der Sicherheit der christlichen Minderheit zu geben.“

 „Es gibt eine Mischung aus Traurigkeit und Schmerz“, reagiert Bischof Macarius von Minya. „Traurigkeit, weil sich diese tragischen Ereignisse wiederholen, und Schmerz, weil die Kopten Teil dieses Landes und seines Territoriums sind.“

Überlebende schildern den Tathergang  

  • Am Freitag, 2. November, hatte eine koptische Familie die Taufe ihrer 2 kleinen Buben, des 4 Monate alten Emile und des 5 Monate alten Noufir gefeiert, die am Morgen im Kloster St. Samuel stattgefunden hatte. In freudiger Stimmung und christliche Gesänge im Bus anhörend begannen sie ihre Heimfahrt nach el-Kawamel (Gouvernement Sohag). Dann plötzlich wurden sie aus einem Allradfahrzeug unter Beschuss genommen, das neben dem Bus auftauchte und 4 maskierte Männer, die wie Soldaten aussahen, an Bord hatte. Die 28 Personen im Bus duckten sich um sich zu schützen, auch Sameh Nabil, der Buslenker, und Ibrahim Youssef, sein Beifahrer. 
  • „Ich fühlte mich für meine Passagiere verantwortlich. Ich musste sie in Sicherheit bringen“, sagte Nabil. „So fuhr ich so schnell ich konnte, aber das hielt die Terroristen nicht ab. Es gelang ihnen, eines der Fenster mit Schüssen zu durchlöchern. Daraufhin setzte ich mich auf den Boden des Busses, trat aber mit meiner ganzen Kraft auf das Gaspedal und versuchte zu entkommen.“
  • Panik brach aus im Bus. „Als die Schießerei anfing, begannen alle Passagiere zu schreien“, sagte Youssef. „Ich stand von meinem Sitz auf und setzte mich auf den Boden des Buses, um den Kugeln zu entgehen, und andere taten dasselbe. Es waren schreckliche Momente. Wir schrien nur und baten Gott, uns zu beschützen.“
  • Dann bemerkten die Angreifer einen Minibus aus Al-Minya, ungefähr 300 Meter hinter Nabils Bus, der ihre Aufmerksamkeit erregte und es Nabil ermöglichte, zu entkommen und den Bus in Sicherheit zu bringen. Niemand in Nabils Bus wurde getötet, obwohl einige Familienmitglieder ernsthaft verletzt wurden. Aber im anderen Bus, im Minibus, wurden 7 Mitglieder aus der gleichen Familien getötet, darunter 2 Jugendliche. 
  • Nabil und Youssef sagen, dass sie mit der leidtragenden Familie trauern und dass ihr Entkommen ein Wunder war. „Gott beschützte uns und rettete uns vor dem Tode. Ich fuhr mit stark überhöhter Geschwindigkeit, während ich am Boden des Buses saß, und trotzdem blieb der Bus immer zuverlässig auf der Straße“, sagte Nabil. 
  • Als sie den Checkpoint am Beginn der Wüstenstraße erreichten „standen dort 2 Busse, die warteten, um von dort zum Kloster zu fahren, aber ich warnte sie, sie sollten umkehren“, sagte Nabil. Diesmal war der Checkpoint mit Polizisten besetzt, anders als in den frühen Morgenstunden, als sie den Checkpoint passierten, sagte er. 

Dieselben  Terroristen, dieselbe Stelle  

  • Sofort nach dem Angriff versammelten sich örtliche Christen am Ort des Geschehens und protestierten und drückten ihre Empörung über einen weiteren Busangriff an fast genau derselben Stelle wie im Mai 2017 aus, als 28 Kopten ihr Leben verloren.
  • „Ich kenne alle toten Opfer (des letzten Angriffs). Sie waren gute Mitglieder unserer Kirche, ehrliche Leute, die eine starke Beziehung zu Gott hatten“, sagte P. Sirapion Effakt von der koptischen Kirche in der Stadt Minya. „Wir sind erschüttert, dass dies neuerlich geschehen konnte. Das Kloster St. Samuel ist ein alter Ort, der sowohl von örtlichen Christen wie von Touristen besucht wird. Warum wird es nicht besser geschützt?“ frage er.
  • „Der Staat sollte erklären, wie dieser Angriff zweimal auf dieselbe Art und an derselben Stelle passieren konnte“, fügte P. Samuel Fayes von der koptischen Kirche in el-Kawamel hinzu, von wo der große Bus herstammte. Er fragt, warum es keine Polizei am Checkpoint auf der Straße gab, die zum Kloster führt, als der Bus am frühen Morgen den Checkpoint passierte.

NIGERIA: DER TAG, AN DEM  GYANG  SEINE FAMILIE VERLOR

Fulani-Viehnomaden töteten Eltern und all seine Geschwister 

Gyang Adamu  ist 27 Jahre alt und wuchs als ältester von vier Brüdern auf. Er studiert Bauingenieurwesen und stammt aus dem Dorf Foron unweit von Jos (Hauptstadt von Plateau, Z), wo seine Universität liegt. Als eine Gruppe von Fulani-Viehhirten Ende August das Dorf überfiel, tötete sie Gyangs Eltern und seine drei Brüder. 

Eine Stunde der Zerstörungswut

Kurz vor 8 Uhr abends waren in Foron erste Schüsse zu hören. Die Fulani waren gut bewaffnet, so dass alle Versuche, sie zurückzudrängen, schnell scheiterten. Bis zum Eintreffen der Sicherheitskräfte verging eine Stunde. In dieser Zeit starben 10 Menschen. Darunter waren Gyangs Vater, Pastor Adamu Gyang Wurim (67), seine Mutter Jummai (45) und seine Brüder Theophilus (20), Dung (12) und Wurim (8). Die Angreifer brannten auch die Kirche sowie 95 Häuser des überwiegend von Christen bewohnten Dorfes nieder, zerstörten und plünderten Vorratshäuser und setzten zahlreiche Felder in Brand, die kurz vor der Ernte standen. 

„Mir wurde klar, dass möglicherweise von meiner Familie die Rede war

Gyang hielt sich zu dem Zeitpunkt in Jos auf. Er erinnert sich: „Gegen 20 Uhr chattete ich mit meinen Freunden auf Facebook, als ich einen Post sah, in dem es hieß, Foron werde angegriffen und ein Pastor und seine ganze Familie seien getötet worden. Ich begann zu zittern, als mir klar wurde, dass möglicherweise von meiner Familie die Rede war. Ich rief sofort die Nummer meines Vaters an. Sein Telefon war ausgeschaltet. Dann rief ich meine Mutter an – genau dasselbe. Als auch das Telefon meines Bruders ausgeschaltet war, bekam ich große Angst und beschloss, den stellvertretenden Pastor unserer Gemeinde anzurufen. Er bestätigte meine schlimmsten Befürchtungen.“ 

„Früh am nächsten Morgen reiste ich nach Foron. Es war die längste Reise meines Lebens.“ Noch am selben Tag fand die Beerdigung statt.

Viele offene Fragen 

Gyang lebt jetzt bei seinem Onkel, der sein Bestes gibt, sich um ihn zu kümmern. Doch der Schock sitzt tief: „Ich kann immer noch nicht glauben, dass alle meine Familienmitglieder tot sind und dass ich sie nie wiedersehen werde. Jeden Tag bete ich und hoffe, dass mich jemand aus diesem Alptraum aufweckt. … So viele Gedanken gehen mir durch den Kopf. Warum hat Gott zugelassen, dass die Fulani meine Familie töten? Warum hat er zugelassen, dass ich vor dem Angriff zur Uni zurückgekehrt bin? Wie soll ich weiterleben? Wo soll ich anfangen?“ „Das Letzte, was (mein Vater) mir vor meiner Abreise zur Universität sagte, war: ‚Gyang, versprich mir, dass du hart arbeitest und mich stolz machst. Deine Ausbildung ist das Einzige, was ich dir anbieten kann.‘ Ich antwortete scherzhaft: ‚Papa, deshalb bin ich in der Schule – um dich stolz zu machen‘.“ 

Wien, Mittwoch 5. Dezember 2018 

Können sie mir das vorlesen?

«KÖNNEN SIE MIR DAS VORLESEN?»

Wie sich das Evangelium in iranischen Bussen verbreitete

www.livenet.ch  3.11.2018

Der Iran in Zahlen 

  • Der christliche Glaube wächst im Iran rapide: Je nach Schätzung bewegt sich die Anzahl Christen zwischen 800.000 bis drei Millionen. Viele finden im einstigen Perserreich durch Träume, Visionen und Wunder zu Jesus Christus.
  • Zahlen meinen es weniger gut mit dem Iran: Auf dem Weltverfolgungsindex von «Open Doors» findet sich der Iran auf Rang 10 – das heißt, nur in neun Ländern ist die Lage für Christen noch schwieriger als im Reich der Ayatollahs. Und auch die «Reporter ohne Grenzen» maßen dem Iran wenig Freiheit bei, das Land liegt nur auf Rang 164, «Transparency International» setzt den Iran auf Rang 131 auf dem Welt-Korruptions-Index. Ein Hort der Harmonie und Nächstenliebe sieht anders aus.

Das Unheil begann 1979 durch die islamische Revolution, als Ayatollah Khomeini den Schah stürzte, und der Iran eines der wenigen theokratischen islamischen Länder der Welt wurde.

Aus 350 wurden bis zu drei Millionen

  • Umgehend wurden die presbyterianischen Missionare aus dem Land geworfen, die seit 1830 vor Ort waren. «Jeder dachte, dass die Kirchen geschlossen werden und die kleinen christlichen Gemeinschaften aussterben», sagt Shadi Fatehi vom «PARS Theological Center» in London.
  • «Damals lebten im Iran nur 350 Christen mit muslimischem Hintergrund.» Doch heute, 40 Jahre später, leben dort zwischen 800.000 bis drei Millionen Christen mit muslimischem Hintergrund.
  • «Da geschieht etwas ganz Besonderes und Historisches. Immer mehr Menschen fragen mich, weshalb so viele zum Glauben kommen und wie sie die Frohe Botschaft erfahren.» Darauf gibt es mehrere Antworten: Durch Technologie, die in früher unerreichbare Orte vordringt, «und etwas, das unter Muslimen oft geschieht: dass sie Jesus durch Träume und Visionen kennenlernen».

Evangelisation im Bus

  • Die Familie eines Studenten der PARS, der vor einigen Jahren Christ wurde, war verzweifelt und verärgert, dass ihr ältester Sohn Christ geworden war. «Sie hielten ihn für einen Abtrünnigen, einen Ungläubigen, und sie wussten nicht, was sie mit ihm machen sollten.»
  • Gleichzeitig war er sehr daran interessiert, seine Eltern für Christus zu gewinnen – besonders seine Mutter, die sich über die Bekehrung ihres Sohnes sehr ärgerte. Seine Mutter war Analphabetin und bereits alt, also beschloss er, ihr das Evangelium durch Bibel-Kassetten und CDs weiterzugeben.
  • Fatehi: «Im Laufe einiger Monate hörte sich die Mutter diese Bänder an und entschied sich, ihr Leben Christus anzuvertrauen. Sie war so leidenschaftlich für Christus, dass sie etwas für Gott tun wollte. Doch wie kann eine analphabetische ältere Frau etwas Bedeutendes tun? Sie beschloss, einen Freund zu bitten, für sie «Die Seligpreisungen» von Matthäus 5 auf ein Blatt Papier zu schreiben. Auf ihrer regelmäßigen Busfahrt suchte sie jeweils nach einem Mädchen oder Jungen und bat diese, ihr die Bibelworte vorzulesen, mit der Begründung, dass sie nicht lesen könne.
  • Wer kann schon einer älteren Dame einen Wunsch abschlagen? «Unter dem Vorwand schlecht zu hören, bat die Mutter jeweils, etwas lauter zu lesen. So hörte nicht nur die Person, die vorlas, die Worte, sondern auch der halbe Bus. Viele Male wandten sich die Leute an sie und fragten: ‘Woher hast du das? Wir haben noch nie zuvor eine so schöne Botschaft gehört. Wer hat das gesagt, wir haben das nicht in unseren Büchern? Wo können wir mehr Informationen finden? Wessen Worte sind das, wir wollen mehr darüber wissen?’ Natürlich beginnen und entwickeln sich dann jeweils Gespräche. Die Frau hat viele Menschen zu Christus geführt, etliche darunter auch in die Hauskirchenbewegung, der sie angehört.»

Freud und Leid

  • Gleichzeitig ist der Druck im Land groß. Noch immer gehört das Christentum im Iran zu jenen Konfessionen, die am schnellsten wachsen. «Wir können im Moment keine Ausbildungsprogramme im Iran durchführen. Die Kirche ist komplett untergetaucht. Sie besteht heute aus Hauskirchen und Hauskirchennetzen. Es gibt keine offiziellen Farsi-sprechenden, Farsi-geführten Kirchen, die im Iran operieren dürfen.»
  • Der Bedarf an christlichen Leitern, an Führungskräften mit theologischer Ausbildung, ist groß. «Deshalb wurde für die junge und blühende Kirchenbewegung im Iran das ‘PARS Theological Center’ gegründet.» Es besteht aus einem überkonfessionellen Team von 30 Pastoren, Beratern und Mentoren. 2010 gegründet, wächst das Institut unter anderem auch durch Online-Kurse. «Gott wirkt etwas Erstaunliches unter den Muslimen. Ich denke, wir als Kirche müssen uns darauf einstellen und es uns zunutze machen.»

Wien, Mittwoch 21.November 2018 

Konversation und Mission – Rotes Tuch

KONVERSION UND MISSION  -  ROTES TUCH 

Kirgisien – Deutschland – Algerien -  Usbekistan – Tadschikistan – Türkei 

KIRGISIEN: CHRIST  LEBENSGEFÄHRLICH VERLETZT

Junger Konvertit von Muslimen zusammengeschlagen 

  • Im Dorf Tamchi, im Gebiet Issyk-Kul  (NO), verprügelten 3 Muslime einen jungen Konvertiten aus dem Islam so schwer, dass er jetzt um sein Leben kämpft.
  • Die Angreifer drängten Eldos (25) in eine Ecke im Hof und versuchten, ihn zu zwingen, die Shahada (das islamische Glaubensbekenntnis) nachzusprechen. Das Nachsprechen der Shahada wird als Bekehrung zum Islam angesehen. Er wurde schrecklich verprügelt und blutend mit schwerer Gehirnerschütterung, gebrochenem Kiefer, ausgeschlagenen Zähnen, einer Augenverletzung und vermutlich Gehirnblutung liegen gelassen. 
  • Angeblich versuchte die Polizei, das religiöse Motiv dieser Attacke zu verschleiern, indem sie behauptet, Eldos sei geschlagen worden, weil er laute Musik spielte. Bevor er ins Krankenhaus gebracht wurde, zwangen sie ihn, eine mündliche Erklärung, die sie angeblich von ihm aufgenommen hatten, zu unterzeichnen. Sein Anwalt bestätigte jedoch, dass Eldos zu dem Zeitpunkt wegen seiner Kieferverletzung überhaupt nicht sprechen konnte.

Religionsgesetz 2009 – Einschränkung der Religionsfreiheit 

  • Seitdem 2009 ein Religionsgesetz eingeführt wurde, das die Religionsfreiheit stark einschränkt, leben viele Christen in Kirgistan unter ständiger Bedrohung. 
  • Im Oktober 2017 wurde der Enkel eines Pastors in der Schule schwer geschlagen, weil er Christ ist. Im Mai 2018 wurde eine Frau, die kürzlich vom Islam zum Christentum übergetreten war, in ihrem Haus von ihrer muslimischen Familie gefangen gehalten und geschlagen, weil sie sich weigerte, ihrem Glauben an Christus abzuschwören.

Religionen

  • Die Kirgisische Republik ist ein säkularer Staat. Bedingt durch die lange Zugehörigkeit zur Sowjetunion gibt es heute eine relativ große Zahl an Atheisten. 
  • 75 % der Einwohner sind heute sunnitische Muslime der hanafitischen Rechtsschule. Besonders seit der Unabhängigkeit 1991 erlebt der Islam eine Art Renaissance. Kirgisien sieht sich in letzter Zeit zunehmend auch mit dem Wirken muslimischer Fundamentalisten konfrontiert. 
  • Die zweitstärkste Religion ist das Christentum: 20 % der Bevölkerung sind russisch-orthodox, während ein anderer Teil auf die Nestorianer zurückgeht. Die Angehörigen der deutschen Minderheit sind teils Katholiken, teils Lutheraner. 
  • Weitaus kleinere Minderheiten bilden bucharische Juden und Buddhisten.

DEUTSCHLAND:  MESSERANGRIFF AUF KONVERTITEN

Verurteilung zu einem Jahr und sieben Monaten unbedingt 

Weil er einen christlichen Flüchtling mit einem Messer verletzte, hat das Amtsgericht Hamburg einen 30-jährigen Algerier zu einem Jahr und sieben Monaten Haft ohne Bewährung verurteilt. 

Angriffsgrund: Konversion  

  • Der Täter griff den ebenfalls aus Algerien stammenden 39-Jährigen am 13. Mai  2018 im Linienbus mit einem Messer an und fügte ihm dabei eine Schnittverletzung im Gesicht zu. Anschließend verfolgte er das Opfer noch kurz und flüchtete dann. 
  • Die Ermittlungen ergaben, dass der Beschuldigte aus Verärgerung handelte, weil das Opfer vom muslimischen zum christlichen Glauben konvertiert ist, sagte die Hamburger Oberstaatsanwältin Nana Frombach gegenüber der Evangelischen Nachrichtenagentur idea. 

Fluchtgrund: Konversion 

  • Der Asylbewerber ist seit 2016 in Deutschland und ließ sich im November 2017 taufen. Gegenüber idea bestätigte er, dass er sein Heimatland und seine Familie verlassen musste, weil er Christ geworden sei. Er habe wegen seines Glaubens in Algerien Gewalt und Verachtung erfahren. Dem Täter sei er bereits ein Jahr vor dem Messerangriff in einer Erstaufnahmeeinrichtung begegnet. Dort habe ihn der Mann mit einer abgebrochenen Glasflasche bedroht, weil er eine Kette mit einem Kreuz trug. 
  • Eingeholt von jener Intoleranz und Verfolgung, vor der er nach Deutschland geflohen ist.   

ALGERIEN: PANIK VOR  MISSION UND KONVERSION 

Muslimische Frau verklagte eigenen Ehemann

  • „Anstiftung eines Muslims zum Wechsel seiner Religion“: So lautet einer der Anklagepunkte, wegen derer fünf Christen in Algerien im November der Prozess gemacht wird. Sie stammen aus der Ortschaft Bechloul, die in der Region Kabylei im Nordosten Algeriens liegt, ca. 100 km südöstlich von der Hauptstadt Algier. 
  • Drei der Angeklagten gehören zur selben Familie, ein weiterer ist der Ehemann der Klägerin.

Mehrjährige Haftstrafen drohen

  • Nach der Abkehr des Ehemanns (50) vom Islam und seiner Hinwendung zum christlichen Glauben war es zwischen ihm und seiner Frau (40) zu massiven Spannungen gekommen. Eine christliche Familie versuchte daraufhin, in dem Konflikt zu vermitteln. Im vergangenen Juli erhob die Frau Anklage mit der Begründung, man habe sie „unter Druck setzen wollen, den  christlichen Glauben anzunehmen“. Die Anstiftung eines Muslims zum Glaubenswechsel ist nach algerischem Recht eine Straftat. 
  • Hinzu kommt der Vorwurf, „religiöse Anbetung an einem nicht dafür vorgesehenen Ort“ durchgeführt zu haben – ein weiterer Verstoß gegen eine staatliche Verordnung aus dem Jahr 2006. Im Fall einer Verurteilung drohen den Angeklagten mehrjährige Haftstrafen und empfindliche Geldbußen.

Christliche Geschenkartikel – ein Fall für den Staatsanwalt

In einem anderen Prozess wird der 29-jährige Christ Idir Hamdad wegen „illegalen Imports von christlichem Material“ angeklagt. Er hatte bei seiner Rückkehr von einer Auslandsreise ein paar Geschenkartikel mit christlichen Inschriften im Gepäck: Kruzifixe, Schlüsselanhänger und Schals. Nachdem diese entdeckt worden waren, musste er sich am Flughafen einem längeren Verhör durch die Polizei unterziehen. Der folgende Prozess endete zwar mit einem Freispruch, doch der Staatsanwalt möchte den Fall neu aufrollen.

Regierung warnt Eltern: „Wenn das Kind plötzlich vergibt, könnte es Christ geworden sein“ 

  • Die Hausgemeinden sind so schnell gewachsen, dass Regierungsbeamte kürzlich diese kuriose Warnung veröffentlicht haben: «Wenn Sie sehen, dass Ihr Kind plötzlich vergibt, fröhlich ist, Ihnen zuhört, nicht streitet, darüber redet, dass es nicht hasst, sind das Zeichen dafür, dass es in eine Untergrundkirche geht. Das ist eine Bedrohung für Ihre Familie.»
  • Die Möglichkeit, dass die Regierung gegenüber glücklichen Kindern, die freundlich zu ihren Eltern sind, misstrauisch wird, ist tragisch und ironisch. 

Islam – Staatsreligion 

  • Der sunnitische Islam ist Staatsreligion.  
  • Nach offizieller Statistik bekennen sich etwa 99 % der Bevölkerung zum Islam. Weniger als 1% gehören dem Christentum an. Im Gefolge des 1992 ausgebrochenen Bürgerkriegs zwischen der Regierung und der Islamischen Heilsfront (FIS), die vor Massenmorden an Landsleuten nicht zurückschreckte, wandten sich viele Menschen, v. a. in der Kabylei, dem protestantischen Christentum zu. 
  • Außerdem gibt es noch eine geringe Zahl an Einwohnern jüdischen Glaubens (weniger als 0,1 %).

Weltverfolgungsindex (WVI) von Open Doors 

WVI 2018: Rang 42; WVI 2017: Rang 36; WVI 2016: Rang 37 

USBEKISTAN: CHRISTEN VERHAFTET UND VERURTEILT

Die usbekische Polizei verhaftete 43 Christen, die zum Christentum konvertiert waren, darunter auch einige Jugendliche. Später versuchten sie, sie dazu zu bringen, vor einem Fernsehteam zu erscheinen.

Verhaftung 

  • Die Konvertiten wurden Anfang Oktober festgenommen, als sie sich in einem Lager trafen, das etwa 80 km von der Hauptstadt Taschkent entfernt lag. Sie wurden zwischen 8 und 9  Stunden bis zwei Uhr morgens festgehalten, verhört und dann freigelassen. Die Polizei eröffnete Ermittlungen gegen alle Erwachsenen.
  • Usbekistan ist offiziell säkular, aber mehr als 90% der Bevölkerung sind Muslime. Die Beamten übten erheblichen Druck auf einige der festgenommenen Konvertiten aus und versuchten sogar, einige für die Polizei als Informanten zu rekrutieren. Mehrere wurden gezwungen, belastende, schriftliche Erklärungen gegen die Organisatoren und Leiter der Versammlung abzugeben. Die Konvertiten sahen sich einer Anklage wegen „illegaler Versammlung“ mit Geldstrafen bis zu 2.500 US-$ gegenüber. 

Verurteilung zu Geldstrafen 

  • Die erste Gerichtsverhandlung wurde für den 18. Oktober anberaumt, jedoch vom Richter verschoben. Bei der erneuten Anhörung am 23. Oktober weigerten sich viele der Christen sich der Anklage vor Gericht zu stellen, weil Kameraleute und Fernsehjournalisten anwesend waren, und sie nicht an einem Schauprozess teilnehmen wollten. Der Richter verschob die Anhörung erneut, die schließlich dann am 30. Oktober stattfand.
  • Der Vorsitzende Richter befahl den Fernsehjournalisten, das Gerichtsverfahren nicht zu filmen, sie durften jedoch die Urteile filmen. Alle angeklagten Christen wurden für schuldig befunden und erhielten Geldstrafen zwischen US-$ 75  und US-$ 500.  Die Polizei versprach daraufhin die Geldbuße für alle Bekehrten, die sich zu einem Fernsehinterview bereit erklärten, zu reduzieren. 

Religionen 

  • Ca. 89 % der Bevölkerung sind sunnitische Muslime, etwa 8 % russisch-orthodox (meist Angehörige der russischen Minderheit). Darüber hinaus gibt es Schiiten,  Angehörige anderer christlicher Konfessionen und Juden (ca. 93.000) sowie Buddhisten. 
  • Obwohl laut Verfassung Religionsfreiheit garantiert wird, werden einzelne (bes. protestantische) Christen und christliche Gemeinden stark benachteiligt.

Weltverfolgungsindex  (WVI) von Open Doors  

WVI 2018: Platz 16; WVI 2017: Platz 16; WVI 2016: Platz 15.  

TADSCHIKISTAN: PASTOR NOCH IMMER IN HAFT

3 Jahre Haft wegen christlicher Lieder 

  • Der protestantische Pastor Bakhrom Kholmatov, der 2017 wegen „Extremismus und Anstacheln zu religiösem Hass“ zu 3 Jahren Haft verurteilt wurde, ist nach wie vor im Gefängnis. Seine Frau darf ihn zwar gelegentlich anrufen, aber nicht besuchen. 
  • Der dreifache Familienvater und Pastor einer evangelischen Kirche wurde am 10. April 2017 verhaftet und im Juli 2017 zu einer dreijährigen Haftstrafe verurteilt, die am 18. August von einem Berufungsgericht bestätigt wurde. Die Behörden werfen ihm vor, in einer Kirche „extremistische Lieder“ gesungen und damit zu „religiösem Hass“ angestachelt zu haben. In den Liedtexten geht es um biblische Aussagen. 

Sippenhaftung 

  • Seine Gemeinde, die Sunmin Sunbogym Kirche, wurde durchsucht. Mitglieder wurden verhört und gefoltert sowie Arbeitgeber bedrängt, Angehörige der Kirche zu entlassen.
  • Die Familien- und Kirchenmitglieder des 42-jährigen Pastors wurden von Regierungsbeamten zudem mit Strafen bedroht, sollten sie weitere Informationen zu seinem Fall veröffentlichen. 

Auch Muslime werden verfolgt  

Tadschikistan setzt seit einer Rede von Präsident Emomalij Rahmon im Jahr 2015 ein Kopftuchverbot für islamische Frauen und ein Verbot von Vollbärten für Männer unter Einsatz der Staatsgewalt durch. Kopftuch tragenden Frauen wurden und werden auch Arbeitsplätze oder medizinische Versorgung verweigert. Auch Universitäten setzen das Verbot von Bärten und Hijabs durch. 

Wie zu Sowjetzeiten 

Menschenrechtsaktivisten:  „Die Menschen wagen es nicht, über Religionsfreiheit zu sprechen, geschweige denn, sie auszuüben. Es ist wie eine Rückkehr in die Zeit der Sowjetunion.“

Religionen 

  • Über 90 % sind Muslime,  vorwiegend Sunniten. Lediglich im Osten gibt es einige Schiiten, vor allem Ismailiten. Daneben leben auch ungefähr 230.000 (3,1 %) Christen im Land. 
  • 2009 trat ein neues, restriktives Religionsgesetz in Kraft. Gemäß diesem „Gesetz über die Gewissensfreiheit und religiöse Vereinigungen“ ist jede religiöse Betätigung ohne staatliche Registrierung verboten. Alle bestehenden Religionsgemeinschaften mussten um Neuregistrierung ansuchen. 
  • 2011 wurde ein neues Gesetz beschlossen, das Minderjährigen jegliche Teilnahme an Gottesdiensten, religiösen Veranstaltungen und Religionsunterricht nichtregistrierter Glaubensgemeinschaften verbietet. Eltern, die ihren Kindern trotzdem religiöse Werte und Überzeugungen zu vermitteln versuchen, werden mit mehrjährigen Haftstrafen bedroht. 

Weltverfolgungsindex (WVI) von Open Doors 

WVI 2018: Platz 22; WVI 2017: Platz 35; WVI 2016:  Platz 31.  

TÜRKEI: US-EVANGELIST BYLE MUSS LAND VERLASSEN  

Byle verlässt das Land zumindest zeitweilig 

  • Der US-Evangelist David Byle (Istanbul) ist den Forderungen der türkischen Behörden nachgekommen und hat das Land zumindest vorübergehend verlassen. Das berichtete der 49-Jährige gegenüber der Evangelischen Nachrichtenagentur idea. 
  • Er lebt seit 1999 in der Türkei und ist Leiter eines evangelistischen Netzwerkes (Bible Correspondence Course). Er ist bereits mehrfach festgenommen worden, zuletzt am 13. Oktober für einen Tag in Ankara. Dort ist er angewiesen worden, innerhalb von 15 Tagen auszureisen. 

Aufenthaltsbewilligung behördlich hinausgezögert 

  • Hintergrund ist Byle zufolge, dass er derzeit kein gültiges Visum besitzt. Er habe eine Aufenthaltserlaubnis beantragt, aber auch auf mehrfache Nachfrage bei den Behörden keine Antwort bekommen, ob sie bewilligt worden sei. Bei seiner Festnahme in Ankara habe er erfahren, dass sie abgelehnt wurde. Byle vermutet, dass den Behörden seine evangelistische Arbeit ein Dorn im Auge ist. Es sei nicht das erste Mal, dass die Bewilligung einer befristeten Aufenthaltsgenehmigung so lange hinausgezögert wurde, bis das bisherige Visum abgelaufen sei. Er werde darum am 25. Oktober in die USA fliegen. Er gehe davon aus, dass man ihm die Einreise nicht dauerhaft verbiete und werde darum in einigen Wochen versuchen wieder einzureisen. 
  • Er wolle seine evangelistische Arbeit unter den türkischen Muslimen fortsetzen. Zudem lebten drei seiner fünf Kinder und seine aus Deutschland stammende Ehefrau Ulrike weiterhin in Istanbul. Zusammen mit anderen Christen geht er regelmäßig auf die Straße, um mit Menschen über Jesus zu reden.  Dabei mache er zumeist positive Erfahrungen. Die meisten seien überzeuge Muslime, interessierten sich aber auch für Gespräche über das Christentum und stellten viele Fragen, so Byle: „Auf aggressive Muslime treffe ich nur sehr selten.“

Vorwurf:  „militante missionarische Aktivitäten“ 

  • Wegen seiner Arbeit war David Byle in der Vergangenheit bereits mehrfach verhaftet worden, etwa 2007 für drei Tage. 2009 warf ihm das Innenministerium „militante missionarische Aktivitäten“ und „Störung des öffentlichen Friedens“ vor, nahm ihn erneut kurzzeitig fest und wollte ihn des Landes verweisen. Daraufhin klagte Byle gegen das Innenministerium. Zwei Jahre darauf entschied ein Gericht zu seinen Gunsten. 

Im April 2016 wurde er neuerlich für 8 Tage festgenommen und versucht, ihn mit der Begründung abzuschieben, er stelle eine „Gefahr für die öffentliche Ordnung“ dar. Ein Gericht setzte die drohende Abschiebung im Februar 2017 jedoch aus. Es seien keine Beweise vorgelegt worden, denen zufolge er ein Mitglied oder Unterstützer von Terrororganisationen sei.

  • 2014 richtete ein Brand in dem Gebäude des Bibelkorrespondenzkurses einen Schaden von umgerechnet rund € 16.000 an. Mindestens 5.000 der in den Räumen lagernden 40.000 Bücher wurden dabei zerstört. Obwohl damals auf dem Video einer Überwachungskamera ein verdächtiger Mann zu sehen war, ging die Feuerwehr von einem Unfall aus. 

Fall: Pastor Andrew Brunson 

Zuletzt hatte der Fall des US-Pastors Andrew Brunson für Aufsehen gesorgt. Er saß von Oktober 2016 bis Juli 2018 in Untersuchungshaft und war anschließend unter Hausarrest gestellt worden. Am 13. Oktober durfte er auf massiven Druck von Präsident Trump hin in die USA zurückkehren. 

Weltverfolgungsindex (WVI) von Open Doors 

  • 95 % der rund 80 Millionen Einwohner sind Muslime. Die Zahl der Christen liegt bei 120.000.
  • WVI 2018: Rang 31; WVI 2017: Rang 37; WVI 2016: Rang 45.  

SCHARIA  -  TODESSTRAFE BEI  ABFALL VOM  ISLAM 

Al-Azhar:  Apostasie ist todeswürdiger Verrat 

“Die Strafe für einen offen bekennenden Apostaten, der die Gemeinschaft verlässt, ist klar und deutlich in der Scharia festgelegt”, erklärte Ahmed el-Tayyib, Großimam der Al-Azhar (höchste Lehrautorität des sunnitischen Islam) am 16. Juni 2016 im ägyptischen TV: “Der breite Konsens der islamischen Theologie, einschließlich prominenter Gelehrter der 4 Rechtschulen des sunnitischen Islam, betrachtet Apostasie als Verbrechen. Sie stimmen alle darin überein, dass ein Apostat gedrängt werden sollte innerhalb einer  variablen Zeitspanne zu bereuen, andernfalls wird er getötet.“ 

Al-Qaradawi: Ohne Todesstrafe gäbe es den Islam nicht mehr 

„Wenn sie die Todesstrafe bei Apostasie abgeschafft hätten, gäbe es heute keinen Islam mehr. Der Islam hätte mit dem Tod des Propheten aufgehört zu existieren. Also hat das Festhalten an der Todesstrafe bei Apostasie geholfen, den Islam bis heute zu erhalten.“

Yousef Al-Qaradawi ist einer der renommiertesten und populärsten Islamgelehrten unserer Zeit und der einflussreichste TV-Scheich der islamischen Welt. 

Wien, Mittwoch 21. November 2018 

Asia BIBI: Pakistan zwischen grenzenlosen Fanatismus, politischer Feigheit und Heroismus

ASIA BIBI: PAKISTAN ZWISCHEN GRENZENLOSEN  FANATISMUS, POLITISCHER FEIGHEIT  UND HEROISMUS

FREIGESPROCHEN  - ABER NICHT FREIGELASSEN  

Nach SC-Freispruch gewinnt Lynchjustiz erneut Oberhand 

  • Am 31. Oktober 2018 verkündete das pakistanische Höchstgericht, der Supreme Court (SC), die Aufhebung des Todesurteils gegen Asia Bibi. Groß war die Freude, doch sollte sie nicht lange währen:  Denn schon 3 Tage später gewann die Lynchjustiz erneut die Oberhand: Das Urteil des Höchstgerichts wird angefochten und Asia Bibi darf das Land nicht verlassen. 
  • Nach Angaben zweier hochrangiger Regierungsvertreter wurde sie in der Nacht zum 7. November vom Gefängnis in Multan entlassen und aus Sicherheitsgründen an einen unbekannten Ort in Islamabad gebracht. Meldungen, wonach sie Pakistan bereits verlassen hat, bezeichnete ein Sprecher des Außenministeriums als Fake News.  

Urteilsbegründung

  • Das aus 3 Richtern bestehende Kollegium erklärte, dass Asia Bibi fälschlicher Weise von 2 muslimischen Schwestern mit Hilfe eines lokalen Imams angeklagt wurde auf Basis „inhaltlicher Widersprüche und inkonsistenter Zeugenaussagen“, die „einen Schatten auf die Version der Fakten der Anklage werfen. Des Weiteren erfolgte das angebliche außergerichtliche Schuldeingeständnis nicht freiwillig, sondern war Folge von Zwang und unzulässigen Druck, als die Beschwerdeführerin  zwangsweise vor die Ankläger gebracht wurde, in Anwesenheit eines Mobs, der sie zu töten drohte; als solches kann es nicht Grundlage eines Urteils bilden. Da die Beschwerdeführerin unschuldig ist, verdient sie freigesprochen zu werden.“ 
  • Richter Khosa, Experte für Strafverfahrensrecht, in einer separaten, aber gleichzeitigen Erklärung:  „Es ist ein wohlbekannter Rechtsgrundsatz, dass jemand, der eine Anschuldigung erhebt,  diese zu beweisen hat. Daher ist es die Pflicht des Anklägers im Verfahren die Schuld des Angeklagten zweifelsfrei (über jeden vernünftigen Zweifel)  zu beweisen. Der Ausdruck ‚Beweis über jeden vernünftigen Zweifel‘  ist von grundlegender Bedeutung im Strafrecht: es ist eines jener Prinzipien, die versuchen sicherzustellen, dass keine unschuldige Person verurteilt wird. Angesichts der Beweise durch die Ankläger für die angebliche begangene Blasphemie  durch die Beschwerdeführerin hat es die Anklage kategorisch verabsäumt,  ihren Fall über jeden vernünftigen Zweifel zu beweisen.  Es steht den Individuen oder einem Mob nicht zu, zu entscheiden ob irgendeine Handlung unter die Vorschriften des Artikels 295-C (Blasphemiegesetz) fällt  oder nicht, weil wie vorher gesagt, es ist die Aufgabe des Gerichts ist, solche Entscheidungen zu fällen, nach einem qualifizierten Verfahren und auf Basis  glaubwürdiger, vorgebrachter Beweise.“ 

MORDAUFRUFE UND MASSENPROTESTE 

Land gespalten

  • Während Gemäßigte das SC-Urteil als Meilenstein begrüßten, reagierten radikal-islamische Kräfte mit Wut Empörung und mobilisieren ihre Anhänger. 
  • Organisiert  und angeführt wurden die Proteste von der radikal-islamischen Partei  TLP (Tehreek-i-Labaik). Weitere radikal-islamische Parteien und Gruppierungen schlossen sich den Protesten an, darunter  Jamaat-e-Islami, Jamiat Ulema-e-Islam (JUI) und Milli Yakjehti Council (MYC). 
  • TLP (Tehreek-i-Labaik) wurde 2015 gegründet, um die Hinrichtung Qadris, des Mörders von Salman Taseer, zu verhindern. Im November 2017 legte die TLP durch Straßenblockaden 3 Wochen lang die Hauptstadt Islamabad lahm. Der Grund: Der Amtseid für Abgeordnete sollte leicht abgeschwächt, das Bekenntnis zu  Mohammed eingeschränkt werden. TLP sah dies als Blasphemie an. Die Regierung nahm die Änderung zurück, aber das reichte nicht, die TLP wollte Kopfe rollen sehen. Die Lage eskalierte, als die Polizei die Blockade auflösen wollte, es gab mehrere  Tote und rund 200 Verletzte. Schließlich vermittelte die Armee, und die Regierung gab nach: Der Justizminister musste zurücktreten. Im Gegenzug versprachen die Fanatiker, dass sie keine Fatwa gegen ihn erlassen würden. 
  • Bei den Parlamentswahlen im Juli 2018 gelang der TLP zwar nicht der Einzug in das nationale Parlament, in der bevölkerungsreichsten Provinz Punjab (wo auch die meisten Christen leben) wurde sie aber drittstärkste Partei. Und sie übt auch indirekt Einfluss aus: Nach Kritik von Seiten der TLP hatte Imran Khan, der spätere Wahlsieger und heutige Premierminister, noch vor der Wahl bekräftigt, dass das Blasphemiegesetz nicht geändert werden sollte. Der Sohn des ermordeten Gouverneurs Salman  Taseer bezichtigte ihn daraufhin der Feigheit und der Unterstützung von „Mördern und Mob-Gewalt“.  

Aufruf zu Mord und Meuterei 

TLP-Patron Pir Muhammed Afzahl Qadri

  • Nach Veröffentlichung des SC-Urteils erließ Afzahl Qadri bei einer öffentlichen Massenveranstaltung eine Todesfatwa gegen die Richter:  „Jeder Richter, der Asia freispricht, muss getötet werden. Auch der Staat sollte ihn töten, weil er durch ihre Freilassung ein Apostat geworden ist. Früher wurde aufgrund meiner Fatwa Arif Iqbal Bhatti (Richter am Lahore High Court, der 1997 zwei Christen in einer Blasphemieanklage freisprach) durch den Löwen Ahmed Sher Niazi getötet. Nun erlasse ich dieselbe Fatwa gegen diese SC-Richter.“ 
  • „Alle 3 Richter verdienen getötet zu werden, wie es die Scharia vorschreibt. Sollte keiner von unseren „Arbeitern“ in der Lage sein, sich Zugang zu diesen Richtern zu verschaffen, dann sollten deren eigene Fahrer und Sicherheitsleute sie töten. Nun ist General Javed Qamar Bajwa (Armeechef) für uns nicht mehr länger hinnehmbar. Solch eine wichtige Entscheidung kann nicht ohne seine Zustimmung erfolgt sein. Die muslimischen Generäle in der Armee haben die Pflicht, sich gegen den obersten General zu erheben. Sie sollten sich gegen General Bujawa erheben. PM Imran Khan hat beweisen, dass er ein Kind der Juden ist. Imrans Regierung sollte sofort entmachtet und diese 3 Richter aus der Richterschaft ausgestoßen und ein Verfahren gegen sie eingeleitet werden, weil sie den Hl. Koran, die Traditionen Mohammeds und die Ehre des Propheten beleidigt haben.“
  • Afzahl Qadri  war keineswegs der einzige, der in aller Öffentlichkeit religiös-legitimierte Mordaufrufe erließ.  3 Tage lang stellten sich TLP-Führer vor das Provinzparlament in Lahore (Punjab Assembly) und riefen wiederholt zur Ermordung der Richter, der Anwälte, des Premierministers und natürlich Asia Bibis auf sowie  zur Meuterei in der Armee. 

TLP-Führer Rizvi in einer Videobotschaft an seine Anhänger

„Sie (die Richter) haben die Gotteslästerin Asia freigesprochen.  Was ist unser Leben wert, wenn wir nicht in der Lage sind, die Ehre unseres geliebten Propheten zu verteidigen? Unterlasst es nicht all jene zu bestrafen, die verantwortlich sind für den Schutz von Asia, und macht was immer ihr könnt, um zu verhindern, dass sie aus Pakistan flieht.“ 

Land 3 Tage lahmgelegt 

  • Tausende zornige Muslime blockierten Straßen und Autobahnen im ganzen Land und schnitten die wichtigsten Städte Pakistans ab und verhinderten den freien Personen- und Güterverkehr in diesen Gebieten. Millionen waren betroffen. Allein im Raum Islamabad, Lahore und Karachi  leben rd. 40 Millionen. 
  • TLP-Aktivisten verübten Akte krimineller Gewalt, setzten Autos in Brand, attackierten Passanten mit Stöcken und anderen Waffen, beschädigten öffentliches und privates Eigentum und plünderten. 

REAKTION DER REGIERUNG  

Ausnahmezustand 

  • In mehreren Provinzen (Punjab, Sindh, Belutschistan) wurde der Ausnahmezustand ausgerufen und unter Berufung auf Artikel 144 des Strafgesetzbuches ein Demonstrationsverbot verhängt – vergeblich. 
  • Große Kontingente an Polizei und paramilitärischen Einheiten wurden zur Aufrechterhaltung  von Ruhe und Ordnung sowie zum Schutze des  SC und der großen christlichen Enklaven entsandt. 
  • Alle Privatschulen wurden geschlossen; und auch die Regierung ordnete in manchen Regionen die Schließung staatlicher Schulen und Universitäten an. Krankenhäuser wurden in Alarmbereitschaft versetzt. 

TV-Ansprache des Premierministers 

  • Mittwoch abends (31. 10.) wandte sich Premierminister (PM)  Imran Khan einzig aus diesem Anlass in einer TV-Ansprache an die Nation: er mahnte zur Ruhe und rief die Nation auf, sich nicht wegen des SC-Urteils von einer Fraktion von Leuten anstiften zu lassen, das Gesetz selbst in die Hände zu nehmen. 

„Lasst Euch von ihnen (den Extremisten) nicht in irgendeiner Weise anstiften. Das ist kein Dienst am Islam,  sondern Feindseligkeit gegenüber dem Land.  Nur Feinde des Landes sprechen so, dass die Richter getötet und in der Armee gemeutert werden sollte. Diese Armee hat große Opfer im Kampf gegen den Terror gebracht. Es ist eine Lüge, dass der Oberbefehlshaber der Armee kein Moslem ist. Ich appelliere an die ganze Bevölkerung, schließt euch diesen Leuten nicht an, die euch nur aus politischen Gründen anstiften. Ich appelliere an diese Elemente sich nicht mit dem Staat anzulegen. Wir sind dabei die finanzielle Krise zu  überwinden,  schadet daher dem Land nicht, nur um eure Stimmenzahl zu vergrößern. Wenn ihr fortfahrt, dann lasst mich klar und deutlich sagen, dass der Staat seine Pflicht wahrnehmen und das Eigentum und das Leben der Menschen schützen wird. Wir werden keinen Vandalismus und keine Verkehrsblockaden zulassen. Ich appelliere an euch, den Staat nicht soweit herauszufordern, dass wir gezwungen sind zu handeln.

  • Von vielen mit Erleichterung aufgenommen, landete diese Rede bereits nach 2 Tagen auf den Misthaufen der Geschichte. 

Kapitulation der Regierung 

  • Nach 3 Tagen des Protestes, die das Land lahmlegten, kapitulierte die Regierung und schloss mit der TLP ein 5-Punkte Abkommen. 

Unterzeichnet wurde dieses Abkommen vom Justizminister des Punjab, dem Bundesminister für Religiöse Angelegenheiten sowie TLP-Führer Pir Muhammad Afzal Qadri, jenem der Todesfatwas gegen die Richter erließ. 

  • Darin stimmt die Regierung zu  (1) sich nicht einem  Revisionsverfahren  des SC-Urteils entgegenzustellen; (2) ein gerichtliches Verfahren einzuleiten, um Asia Bibi auf die s (Exit control list, Ausreiseverbotsliste)  zu setzen; (3)  alle verhafteten Demonstranten freizulassen und jede gegen sie angewandte Gewalt zu untersuchen.  
  • Die TLP (1) ruft im Gegenzug ihre Anhänger auf, die Proteste zu beenden und sich friedlich zu zerstreuen; (2) bittet um Entschuldigung „wenn sie Gefühle verletzt oder irgendjemanden grundlos behindert oder belästigt hat“.
  • In einem Revisionsverfahren muss ein völlig neues Richterkollegium entscheiden – ohne die 3 Richter des bisherigen Verfahrens. „Ich glaube nicht, dass die Richter sich bald mit der Petition beschäftigen  werden … Die Richter haben gesehen, was das Urteil ausgelöst hat, sie werden sich nicht so schnell äußern“, so die Einschätzung von Prof. Waheed Yousuf, Experte für Minderheitenrechte. 
  • TLP-Führer Qadri warnte am 7.11. die Regierung in einer Videobotschaft:  „Sollte die Regierung versuchen uns in irgendeiner Weise zu hintergehen,  dann soll sie wissen, dass wir mit voller Härte reagieren werden, ohne Rücksicht auf unser Leben und das  Leben derer, die gegen die Ehre des Propheten sind.“ 

Bestürzung 

Anwalt von Asia Bibi, Saif-ul-Mulook: 

  • Die gewaltsame Reaktion der Islamisten auf das Urteil sei „traurig, aber nicht unerwartet. „Schmerzhaft“ sei allerdings die Antwort der Regierung: „Sie können nicht einmal ein Urteil des Höchstgerichts des Landes umsetzen.“
  • Für Asia Bibi bedeutet diese Einigung, dass sich an ihrer Lage nichts ändern wird:  „Ihr Leben wird mehr oder weniger dasselbe sein, ob nun in einem Gefängnis oder außerhalb an einem isolierten Ort wegen der Sicherheitsbedenken.“ 

Ehemann:  

„Mir ist ein Schauer über den Rücken gelaufen. Meine Familie, meine Verwandten, sogar meine Freunde haben Angst. Diese Vereinbarung hätte nie getroffen werden dürfen.“ 

Pakistanische Medien kritisieren die Vereinbarung: 

  • Dawn: „Eine weitere Regierung hat vor den gewalttätigen religiösen Extremisten kapituliert, die weder an die Demokratie noch an die Verfassung glauben.“
  • The Nation: „Das  Problem liegt wie immer vielmehr beim  politischen Willen.  Die TLP kann machen was sie will, weil die Mächtigen damit einverstanden sind. Wenn die TLP zig Millionen in Geiselhaft hält, dann kann sie das, weil sie weiß, dass letztendlich das Ergebnis einer jeden Verhandlung mit dem Staat die feige Kapitulation des letzteren sein wird.“ 

TODESMUTIGE/R  RICHTER UND ANWALT 

Richter und  Anwalt bewiesen großen Mut. Schließlich mussten 2011 bereits 2 Politiker ihr Leben lassen, weil sie sich für Asia Bibi eingesetzt hatten: der Moslem Salman Taseer (Gouverneur des Punjabs) und der Katholik Shahbaz Bhatti (Bundesminister für Minderheiten). Und nach der Hinrichtung Qadris, des Mörders von Taseer,   kam es zu einem Aufruhr im ganzen Land. 

Richter 

  • Die SC-Richter hätten also allen Grund gehabt, dem Druck des Mobs nachzugeben oder zumindest die Berufung liegen zu lassen bzw. das Urteil nicht zu verkünden. Sie taten nichts dergleichen. 
  • Der Höchstrichter des Landes, Mian Saqib Nasir, geht im Jänner in Pension. Er hätte das Urteil nur um wenige Wochen hinauszögern müssen, um aus dem Schneider zu sein. Stattdessen entschied er sich selbst den Vorsitz zu übernehmen. Im April sagte er: „Sei bereit Saif-ul-Malook. Ich bin dabei den Fall bald zu fixieren und werde selbst den Vorsitz führen“ berichtete der Anwalt. 

Einen Tag nach Ausbruch der Proteste wandte sich der Oberste Richter an die Öffentlichkeit: „Wir sind bereit, uns für die Ehre des Propheten zu opfern. Aber wir sind nicht nur Richter für die Muslime. Wenn es keinen Beweis gegen jemanden gibt,  wie können wir ihn bestrafen? Es ist ein wohlbegründeter Rechtsgrundsatz, dass jemand, der eine Behauptung aufstellt, diese zu beweisen hat.“ 

Am Sonntag  (4. November) musste er wegen Herzbeschwerden ins Krankenhaus gebracht werden. Nisar war schockiert über die unverhohlene Art und Weise mit der  Fatwas gegen ihn verhängt wurden.

  • Sein Stellvertreter Asif Khosa saß schon der Kammer vor, die das Todesurteil gegen den von den Hardlinern zum Helden hochgejubelten Mörder Taseers bestätigt hatte. Er hätte sich wegen  Befangenheit entschlagen können, wie es sein Kollege im Oktober 2016 tat:  Damals hätte bereits das SC-Urteil gegen Asia Bibi gefällt werden sollen, doch einer der 3 Richter, Iqbal Hamed ur-Rehman,  erklärte sich am Beginn der Verhandlung für befangen. Als Grund nannte er, dass er Teil des Richterkollegiums gewesen ist, das über den Mörder von Salman Taseer entschieden hatte. Und die beiden Prozesse wären miteinander verbunden. 

Anwalt Saif-ul-Mulook 

  • Saif-ul-Mulook, der Anwalt Asia Bibis, war ebenfalls in den Rechtsfall Taseer involviert. Er hatte als Vertreter der Anklage fungiert.  Wegen Todesdrohungen war kein Anwalt bereit gewesen die Vertretung der Anklage gegen Qadri zu übernehmen. Nach Monaten ohne Vertretung, übernahm Malook schließlich den Fall. 
  • Er hat Pakistan am 3. November  verlassen: „Ich muss am Leben bleiben, da ich noch den juristischen Kampf für Asia Bibi kämpfen muss.“ Er würde „definitiv zurückkehrten“ um Asia Bibi zu verteidigen, sollte das Revisionsverfahren zugelassen werden, aber er sagte: „Ich erwarte, dass die Revisionspetition nicht zugelassen wird, weil sie für unnötig erklärt wird.“ 
  • In einem Interview mit dem Spiegel: „Nach dem Fall Qadri habe ich die Verteidigung von Asia Bibi übernommen, was dazu geführt hat, dass ich erst recht ins Visier der Extremisten geraten bin. Seit Jahren lebe ich schon mit Polizeischutz und in einem hoch gesicherten Gebäude. Aber nach dem am 31. Oktober vom Obersten Gerichtshof verkündeten Freispruch für Asia Bibi haben die Drohungen eine neue Dimension angenommen. Freunde und mehrere europäischen Diplomaten haben  mir eindringlich geraten zu meiner Sicherheit Pakistan für eine Zeit zu verlassen. … Im Westen sehen mich viele als Vorkämpfer für die Freiheit einer unschuldig in der Todeszelle sitzenden Christin. In der Tat habe ich mich selbst und meine Familie in Gefahr gebracht und mein Privatleben geopfert. Jetzt erwarte ich, dass andere sich für mich einsetzen und mir Schutz bieten. Wenn mich niemand einlädt, als Gast zu bleiben, werde ich zurückkehren nach Pakistan. Ich hoffe nicht, dass ich dort von irgendeinem Extremisten umgebracht werde.“ 

Immenser Druck 

Wie groß die Macht der Radikalen ist, zeigt sich an der Reaktion von Armeechef Qamar Bjawa auf die Vorwürfe, er hätte das Gericht gedrängt, Asia Bibi freizulassen: „Nun sehen plötzlich alle, dass der Armeechef sehr darauf bedacht ist, öffentlich seinen Glauben zu zeigen. Vor der Hochzeit seines Sohnes lud er zu einer großen religiösen Feier ein, mit Lobliedern für den Propheten. Wenn selbst so ein mächtiger Mann wie der Armeechef auf diese Weise reagiert, dann zeigt dies, wie stark die Bewegung gegen Bibi und die obersten Richter ist – so Prof. Waheed Yousuf, Experte für Minderheitenrechte. 

BLASPHEMIEBESTIMMUNGEN – ENTFACHTER FANATISMUS 

Bestimmungen 

§ 295 des Strafgesetzes sieht im Absatz B  für Schmähung des Islam bzw. Entweihung des  Korans bis zu lebenslanger Haft vor; und im Absatz C für Beleidigung des Propheten zwingend die Todesstrafe. 

Aktuelle Opferzahlen 

  • Nach Angaben von Shaan Taseer, Sohn des 2011 getöteten Gouverneurs, befinden sich derzeit rd. 200 Menschen wegen des Vorwurfs der Gotteslästerung in pakistanischen Gefängnissen, 
  • Lt. Statistik des Center for Social Justice (CSJ) wurden zw. 1987 und 2015 mindestens 1472 Personen unter dem Blasphemie-Gesetz angeklagt. Von diesen waren 730 Muslime, 501 Ahmadis, 205 Christen und 26 Hindus. CSJ sagte, dass die religiöse Zugehörigkeit der letzten 10 unbekannt sein,  weil sie von Fanatikern getötet wurden, bevor sie vor Gericht kamen.
  • 50% der Angeklagten gehören also religiösen Minderheiten an, die insgesamt nur rd. 5% der Bevölkerung stellen: Christen bzw. Hindus je 2% und Ahmadis offiziell 0,22%; tatsächlich aber dürfte ihr Anteil 1% bis 3% betragen. Dass die Ahmadis am meisten betroffen sind, hängt damit zusammen, dass sie es wagen, nach Mohammed (dem Siegel der Propheten!) noch einen weiteren Propheten anzuerkennen. Unter Strafe ist es ihnen untersagt, sich Muslime zu nennen.  
  • Mindestens 60 Personen wurden wegen dieser Bestimmungen bereits hingerichtet, und zwar nicht vom Staat, sondern von Extremisten – entweder im Gefängnis oder nach Freilassung; Verantwortung dafür trägt dennoch der Staat, weil er sie mit diesem Gesetz  den  Extremisten ausgeliefert hat. 32 der Ermordeten waren Mitglieder religiöser Minderheiten. 20 der insgesamt 60 Opfer wurden von Polizeibeamten ermordet, während sie sich in Untersuchungshaft befanden, 19 Personen wurden Opfer aufgebrachter Menschenmassen. 
  • Asia Bibi befand sich seit 2010 in Isolationshaft, in einer 2,44 mal 3,05 m großen Zelle. Sie musste ihr Essen selbst zubereiten und durfte nichts aus der Gefängnisküche bekommen und auch keinen Kontakt mit anderen Häftlingen haben. Damit sollte verhindert werden, dass Bibi vergiftet und ermordet wird. Im letzten Monat verhafteten die Gefängnisbehörden  2 Insassen wegen angeblicher Konspiration, sie zu erdrosseln. Ihre Sicherheit wurde daraufhin weiter erhöht. Eine Kopfprämie von 50 Millionen Rupien (US-$ 375.000) ist auf sie ausgesetzt.  

Ganze Gemeinde in Geiselhaft 

  • Romana Bashir, eine christliche Rechtsaktivistin in Islamabad,  erklärte gegenüber CNN: Wird ein Muslim wegen Blasphemie angeklagt, so ist es eine Anklage gegen eine Person; wird hingegen  ein Nichtmoslem angeklagt,  dann wird die gesamte Gemeinde gebrandmarkt und für das „Verbrechen“ verantwortlich gemacht. 
  • Prof. Waheed Yousuf, Experte für Minderheitenrechte an der Quaid-i-Azam University in Islamabad: „In Pakistan weiß jeder, dass man als Angehöriger einer Minderheit nicht frei sprechen darf. Für Christen ist es eine besonders schreckliche Situation. Christen, besonders in den ärmeren Viertel, haben jetzt Todesdrohungen bekommen, deswegen bleiben alle still und äußern sich nicht in den sozialen Medien. Kein Wort ist zu hören von ihnen über die Entscheidung des Verfassungsgerichtes im Fall Bibi. Sie spüren alle gemeinsam die Bedrohung.“ 
  • Peter Jacob, Exekutivdirektor des Center for Social Justice in Lahore berichtet CNN, dass seine Organisation Fälle registrierte, in denen die Demonstranten Fahrer aufforderten, ihre Religion bekanntzugeben, und wenn sie sagten,   sie wären Christen, „wurden sie aus ihren Autos gezerrt und zusammengeschlagen“. 

Forderung nach Abschaffung – lebensgefährlich 

  • Wer sich für seine Abschaffung oder Reform einsetzt, riskiert sein Leben: Am 4. Jänner 2011 wurde Salman Taseer (Moslem und Gouverneur des Punjab) vom eigenen Leibwächter ermordet. Seine  Ermordung wurde von mehreren Hundert Geistlichen der in Pakistan einflussreichen islamischen Organisation Jamaat Ahle Sunnat, die der orthodox-sunnitischen Barelwī-Bewegung angehört, begrüßt und sein Mörder Mumtaz Qadri  als Held gefeiert. Auch bei seiner Ankunft vor Gericht wurde der Mörder von zahlreichen Personen bejubelt. Und seine Hinrichtung am 29. Februar 2016 löste Aufruhr im ganzen Land aus.
  • Nur 2 Monate später, am 2. März 2011 wurde auch der einzige christliche Minister, Shahbaz Bhatti, ermordet. Die Täter sind Mitglieder der pakistanischen Taliban, die ihre Tat auch gestanden. Als Kläger muss aber der Bruder des Opfers auftreten, nachdem die Regierung die Verfolgung des Mordes eines ihrer Mitglieder (!) aufgegeben hat. 

Missbrauch der Bestimmungen 

  • Zum Faktum, dass ein derartig drakonisches Blasphemiegesetz an sich schon eine eklatante  Menschenrechtsverletzung darstellt, kommt noch hinzu, dass es zum Missbrauch geradezu einlädt: Eine bloße Anschuldigung genügt, eines Beweises bedarf es nicht – schon gar nicht, wenn der Angeklagte Nichtmoslem ist, zählt doch seine Aussage nichts oder zumindest weniger als die eines Moslems – und schon sitzt man für Jahre im Gefängnis. Nach Angaben eines muslimischen Anwalts sind 95% aller Anzeigen völlig aus der Luft gegriffen. Falschankläger werden strafrechtlich nicht belangt.  
  • Das Gesetz ist aber nicht nur eine tödliche Waffe in der Hand der Fanatiker insbesondere gegen religiöse Minderheiten, sondern eignet sich auch „bestens“ zur Begleichung persönlicher Rechnungen und führte zu einer Fanatisierung der gesamten Gesellschaft. 

Mit Straflosigkeit bei falschen Beschuldigungen muss Schluss sein  

  • Falschanzeigen, Mordaufrufe und Todesfatwas – alles  ohne strafrechtliche Konsequenzen, aber wehe man stellt eine Frage, auf die der Islam keine Antwort hat, und schon findet man sich für Jahre in einer Todeszelle. 
  • „Das Parlament muss nun dringend erwägen, wie der Missbrauch des Blasphemiegesetzes zu verhindern ist und die Straflosigkeit jener beenden, die falsche Anschuldigungen erheben. Säen von Fanatismus in der Gesellschaft um des politischen Gewinnes willen bedeutete den Ruin tausender Unschuldiger in diesem Land. … Wenn wir den Kurs nicht korrigieren, wird es mehr Asia Bibis geben – und nicht alle werden das Glück haben, mit ihren Leben davon zukommen“,  so der Dawn in seinem Leitartikel am 1. November.  

ASYL  GESUCHT  

  • Asia Bibis Ehemann hat um Asyl gebeten in den USA, England, Kanada, Deutschland, Niederlande und Italien. Und auch der Anwalt von Asia Bibi: „Ich würde mich freuen, wenn Angela Merkel Asia Bibi Schutz anbietet. Bei der Gelegenheit könnte sie mir das auch gleich anbieten.“ 
  • Nicht nur Asia Bibi ist bedroht, sondern die ganze Familie: in den letzten 5 Jahren musste die Familie 15mal den Wohnort wechseln.
  • Italien hat positiv reagiert:  Der italienische Innenminister und viel geschmähte Rechtspopulist Matteo Salvini sagte am 6.11., dass er alles menschlich möglich tun werde, um die Sicherheit Bibis in Italien oder einem anderen europäischen Land sicherzustellen. Es ist nicht zulässig, dass im Jahre 2018 jemand wegen einer hypothetischen Blasphemie riskiert sein Leben zu verlieren. 
  • Allerdings ist zu befürchten, dass sie auch im Westen nicht in Freiheit wird leben können. Zu bekannt ist ihr Gesicht und zu sehr ist sie zu einem Symbol geworden. 
  • Hoffen wir und beten wir, dass die Kirche und die Christen in Europa dem Anwalt den schuldigen Dank erweisen und sich dafür einsetzen, dass auch er Asyl  bekommt!!!!

Wien, Mittwoch 14.11.2018