Muslimische Studenten dürfen in Uniräumen nicht mehr beten

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15 November 2016

Muslimische Studenten dürfen in Uniräumen nicht mehr beten
Stuttgart: Hausordnung wurde nach Zwischenfällen verschärft – Eines der anfallenden Probleme ist offenbar,
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EPHESUS – … “und der Jünger nahm sie zu sich” – Maria wohnt in Ephesus

EPHESUS – Maria

Maria

Die schriftlichen Urkunden des Neuen Testamentes, die wir besitzen, sind lauter Gelegenheitsschriften, die keineswegs eine genaue, ausführliche und vollständige Darstellung der christlichen Religion und ihres Werdegangs beabsichtigen. So fehlen uns auch nähere Nachrichten über das Leben und den Heimgang Marias, der Mutter Jesu. Aber gleichwohl ist ihr Bild scharf umrissen und gezeichnet wenigstens von zweien der vier Evangelisten, von Lukas und von Johannes. Jeder ist in seiner Art ein Biograph.

Lukas, der Arzt, entwirft von ihr ein fraulich-menschlich mütterliches Bild. Er hat sich vor der Niederschrift seines Evangeliums genau nach allem erkundigt. Maria ist für ihn die mit Christus menschlich verbundene Mutter. Auch an der Jüngergemeinde und ihren Geschicken nimmt sie offenkundigen Anteil. In den Tagen der Geisteserwartung ist sie dabei, betet sie mit. Sie erlebt den Pfingsttag. Lukas ist der große Optimist. Ziel seines Buches „Apostelgeschichte“ ist für ihn, darzustellen, wie das Wort des Herrn:
„Ihr werdet meine Zeugen sein in Jerusalem, in ganz Judäa und Samaria, ja bis an die Grenzen der Erde“, sich durchsetzt und trotz aller Widerstände sich erfüllt. Die Apostel legen Zeugnis ab, insbesondere Paulus. Das Wort Gottes, das Reich Gottes wächst und gedeiht. Irgendwie ohne dass Lukas es präzisiert, liegt auch das, was Lukas über Maria sagt, in dieser lukanischen Perspektive. Die Dinge stehen gut auch für Maria. Vielleicht lebte sie noch in dem Zeitpunkt, da Lukas in Rom sein Buch niederschrieb und abschloss.

Johannes schreibt anders über Maria. Man könnte ihn als ihren „Theologischen Biographen“ bezeichnen. Oberflächliche Leser des johanneischen Schrifttums werden sich nie oder nur unzulänglich zurechtfinden. Eine sorgfältige Überprüfung aber wird ergeben, dass alle Nachrichten, die Johannes über Maria gibt, sinnvoll und zielbewusst in das ganze Lehrgebäude seines Schrifttums eingebaut sind. Die Persönlichkeit Marias ist bei Johannes ein nicht unwesentliches Stück der Heilsordnung Gottes.

Johannes ist nicht Arzt wie Lukas. Das Menschliche als solches interessiert ihn nicht, wohl aber das Göttliche; wie es zur Erde niedersteigt, den Menschen erfasst und ihn erfüllt und zur Entfaltung in der überirdischen Herrlichkeit gelangen lässt: Der Sohn Gottes wird Mensch, auf dass die anderen Menschen neu erschaffen, aus Gott, aus dem Wasser und dem Heiligen Geist geboren werden, und genährt durch den eucharistischen Leib und das Blut Christi, mit diesem geheimnisvoll auferstehen dürfen zum ewigen Leben. Der Prolog zum vierten Evangelium, das Nikodemusgespräch, die Hochzeit von Kanaa, das Gespräch Jesu am Jakobsbrunnen, die wunderbare Brotvermehrung und die eucharistische Rede Jesu in der Synagoge von Kapharnaum und vor allem die Schilderung des Kreuzestodes Jesu, wo Wasser und Blut aus der Seitenwunde Jesu fließen, liegen in ein und derselben Perspektive von 1 Joh. 5, 6. „Er, Jesus Christus, ist es, der durch das Wasser, das Blut und den Geist gekommen ist“. Aus der Seitenwunde Jesu wird jene neue Menschheit geboren, die zum neuen Paradies berufen ist. Die Todesstunde Jesu ist die große Geburtsstunde, von welcher Jesus bei der Hochzeit zu Kanaa zu Maria sagt, dass sie noch nicht gekommen sei. Aber sie wurde damals eingeleitet mit Wasser und Wein und vollendet am Kreuz. Und wiederum dabei ist die große Frau Maria, seine Mutter. Beide Male gibt Jesus seiner Mutter diesen Namen. Sie ist die große Frau der messianischen Erwartung, die Mutter desjenigen, welcher den Kampf mit dem Widersacher von Anbeginn aufnimmt, den der Drache vernichten will und dies gerade dann, wenn aus der Seite des neuen Adam eine neue Menschheit geboren wird. Und Maria als Mutter steht dabei und erlebt die Geburtsschmerzen. So und nicht anders kann und muss man jene johanneische Vision in der Geheimen Offenbarung 12, 1 ff. auffassen.

„Am Himmel erschien ein großes Zeichen: Ein Weib, von der Sonne bekleidet, den Mond zu ihren Füßen und eine Krone von zwölf Sternen auf ihrem Haupte. Sie war schwanger und schrie in Wehen und Geburtsschmerzen…“

Der Drache stand dem Weibe gegenüber, das gebären sollte, um sein Kind gleich nach der Geburt zu verschlingen. Sie gebar ein männliches Kind, das mit ehernem Szepter über alle Völker herrschen soll. Ihr Kind aber wurde zu Gott und seinem Throne entrückt. Das Weib aber floh in die Einsamkeit, wo sie eine Stätte hat, von Gott bereitet, sich dort ernähren zu lassen 1260 Tage lang“.

Eine gewaltige Schau in überdimensionaler Perspektive. Schon lange wartete Satan auf „die Geburt des Kindes aus dem Weibe“. Sie traf ein, aber Satan blieb es verborgen. Nach urchristlicher Auffassung wussten weder Satan noch die bösen Geister, dass der Sohn Gottes in Bethlehem geboren worden war. Damals griff Satan nicht zu, sondern erst in Jerusalem, als es auf seine Veranlassung hin zur Kreuzigung kam. Aus dieser chronologischen Erwägung heraus ist die ganze von Johannes geschaute Szene zu deuten: Die unter dem Kreuze stehende Maria erscheint als eine am Werk der Erlösung zutiefst mitbeteiligte Persönlichkeit. Sie muss an der Seite ihres Sohnes den harten Angriff Satans miterleben. Mütterlich Schmerzen leidend tritt sie zur neuen Menschheit, die aus der Seite des zweiten Adam genommen wird, gleichzeitig in ein mütterliches Verhältnis. Die Abschiedsworte Jesu an Maria und an Johannes haben wohl auch diesen Sinn. Fürderhin ist Maria nicht nur die Mutter ihres eingeborenen Sohnes Jesus, sondern es sind ihr, wie Johannes Offbg. 12,17 es ausspricht, auch noch andere Kinder anvertraut.

Es ist wichtig, im Rahmen einer Darstellung über Ephesus auch auf diese Dinge hinzuweisen. Es ist der ephesische Johannes, welcher dieses Bild von Maria, der Mutter Jesu, entworfen hat. So denkt das ephesische Milieu über Maria. Der sterbende Herr hatte am Kreuz Seine Mutter dem jüngsten und liebsten Jünger anvertraut als teuerste Erbschaft. Johannes nahm sie zu sich. Er sagt es selber von sich in seinem Evangelium. So waren die Geschicke des Apostels auch diejenigen von Maria. Der Name des Johannes ist aber aufs innigste mit dem Namen der Stadt Ephesus verbunden. Wir stehen nicht an, jenen fernen, einsamen Ort, nach welchem das vom Drachen verfolgte Weib in Offbg.. 12, 6 fliehen musste, in das fernab liegende Ephesus zu verlegen. Jerusalem erscheint für einen bleibenden Wohnaufenthalt der Gottesmutter als ungeeignet. Diese Stadt hatte immer eine fanatisch jüdische Bevölkerung, welche die Christen nie in Ruhe ließ. Ganz anders sympathisch und den Umständen wie angemessen erscheint uns da das stille, abgelegene, liebliche Waldtal von „Panaya Kapulu“ auf der Höhe des „Bülbül-Nachtigallenberges“, den sie heute in „Meryem Dag“, „Marienberg“, umbenannt haben, drei Wegstunden südlich von Ephesus. Dass sich dort oben eine kleine, jüdische Siedlung befand, ist nachgewiesen aus beschriebenen Steinfunden. Hier im ländlichen Frieden einer gastlichen Wohnung war die fliehende Theotokos geborgen. Nur einmal im Jahre, zur Frühlingszeit, stürmte die Jugend von Ephesus friedlich am Hause vorüber weiter hinauf, um auf der Höhe des Berges Solmissos den Geburtstag der Göttin Artemis zu feiern, nicht ahnend, dass die wirklich Große, die Jungfräuliche, die Mutter der Lebendigen verborgen hier weilte.

Um den Aufenthalt Mariens in Ephesus zeitlich gut unterzubringen, ist es angemessen, an ein frühes Kommen des Apostels nach Ephesus zu denken, wie es z.B. Tertullian annimmt. Hiefür spricht auch der Umstand, dass der Kirchen-geschichtsschreiber Eusebius berichtet, die Apostel hätten sich nach ihrem Konzil in Jerusalem zerstreut, und dem Apostel Johannes sei als Missionsgebiet Kleinasien zugewiesen worden. Es ist auch nicht unwahrscheinlich, dass selbst Paulus den Aufenthalt Mariens in Ephesus gekannt hat. Jene Stelle im Römerbrief 16, 6 „Grüßet Maria, die sich um euch bemüht hat“, dürfte eher einem Brief angehören, der nicht an die Gemeinde in Rom gerichtet, sondern für Ephesus bestimmt war. Es ist aber auch möglich, dass der Apostel einen Gruß an Maria Magdalene hat ausrichten lassen.

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Die Marienkirche von Ephesus

Die ersten Jahrhunderte sind ein langes Schweigen über den Verbleib und das Lebensende Mariens. Es lag dies wohl in den Absichten Gottes. Ihre Stunde kam erst, als das christliche Denken Oberhand gewonnen hatte und die Gefahr heidnischer Anpassung vorüber war. Und da war es ausgesprochen die Stadt Ephesus, welche die heilige Jungfrau auf den Schild erhob. Ihr zu Ehren erstand innerhalb eines gewaltigen klassischen Baukomplexes die erstaunlich große, Säulengeschmückte erste christliche Stadtkirche von Ephesus. Sie erhielt den Namen Marias. Es war in einer Zeit, wo auch anderswo große Basiliken erbaut wurden, und zwar so, dass ein lokales Motiv den Anlass zur Erbauung bildete. So entstanden in Rom der Petersdom, die Basilika von St. Paul, in Bethlehem die Geburtskirche, in Jerusalem auf dem Kalvarienberg das Martyrion, die Gethsemane-Kirche am Ölberg. Es liegt also nahe anzunehmen, dass die Stadt Ephesus beim Bau ihrer Marienkirche ebenfalls lokale Beweggründe hatte, dieses Gotteshaus zu bauen und ihm den Namen Marias zu geben. Offenbar gab es eine bodenständige Erinnerung an einen Aufenthalt Marias in Ephesus. Diese lokale Beziehung der Stadt Ephesus zu Maria mag auch der Grund gewesen sein, weshalb man im Jahre 431 das Konzil dorthin verlegte, als es galt, über eine wichtige Frage, die Maria betraf, die Entscheidung zu treffen. Übrigens hatte schon im vorhergehenden Jahrhundert der Kirchenschriftsteller Epiphanias auf jene Lokaltradition hingewiesen.

Kein Besucher von Ephesus wird es unterlassen die Ruinen jener Marienkirche zu besichtigen. Sie sind nicht nur kirchen-, sondern auch baugeschichtlich von höchstem Interesse. Der Name Doppelkirche, wie er in den alten Führern steht, ist nicht zutreffend. Der ursprünglich antike Baukomplex erfuhr drei aufeinander folgende basilikale Überbauungen, die offenbar mit den schweren Schicksalen der Stadt zusammenhingen. Das Museion, wie die Archäologen die 260 Meter lange ursprüngliche klassische Bauanlage benennen, wurde zuerst in eine prachtvolle Säulenbasilika verwandelt. In ihr tagte das Konzil und später die Synode von 449. Nach ihrer Zerstörung wurde der westliche Teil zu einer Kuppelbasilika umgebaut. Als auch diese zerfiel, gestaltete man den östlichen Teil der alten Basilika zu einem gottesdienstlichen Raum; aber diesmal wurden die Säulen durch gemauerte Pfeiler ersetzt.

Beachtenswert ist auch die zu dieser Marienkirche gehörende Taufkirche.. Die Anlage ist eine der besterhaltenen Kleinasiens. Man betritt den .großen achteckigen Raum vom Atrium der alten Säulenbasilika aus. Die altchristliche Zeit liebte eine monumentale, künstlerisch schöne Gestaltung der Taufkirchen. Ein Beispiel hiefür ist dieses ephesische, eindrucksvolle Oktogon mit seinem dreistufigen Taufbecken.

 

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Der literargeschichtliche Befund

Der schriftlichen Quellen über den Aufenthalt Mariens in Ephesus sind spärlich. Ephesus besaß eine ansehnliche Bibliothek, eine Stiftung des Julius Aquila. Sie erlitt das Schicksal jener von Alexandria, Antiochien und Caesarea maritima. Die Bücherbestände sind gänzlich verloren gegangen. Dazu kommt, dass Ephesus in den nachchristlichen Jahrhunderten keine hervorragenden Geistesmänner besaß und Buchproduktion und Buchhandel nicht sonderlich gediehen. So besitzen wir wenig Nachrichten über Ephesus.
Ein weiterer Grund ist das gewaltige Ausmaß jahrhunderte lang andauernder Zerstörung der gesamten Stadt. Unter den kirchlichen Schriftstellern ist Epipanius (315 – 403), Bischof von Zypern, der erste, welcher ausdrücklich erwähnt, es gebe solche, die es als eine Tatsache ansehen, Maria sei mit Johannes nach Asia gegangen.

 

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Das Maria-Himmelfahrtskirchlein Panaya Kapulu 1948

Am 22. Juni 431 fand in der .großen Stadtkirche von Ephesus, die den Namen „Maria, die Gottesgebärerin“ trug, die erste Sitzung des ökumenischen Konzils statt. Nestorius, der Bischof von Konstantinopel, wurde verurteilt, weil er Maria nur den Namen Christusgebärerin zubilligen wollte und nicht denjenigen der Theotokos, der Gottesgebärerin. Am folgenden Tag entsandte die Synode ein Schreiben an die Stadt Konstantinopel, um ihr das Urteil mitzuteilen. Der Wortlaut dieses Aktenstückes lautete: “Die heilige Synode entbietet dem treukirchlichen Klerus und dem Volke von Konstantinopel ihren Gruß! Niemals entging einer, der sich seinem Schöpfer zu widersetzen wagte, der Strafe Gottes. Aus diesem Grunde ist Nestorius als Urheber einer gottwidrigen Häresie in der Stadt der Epheser, wo der Theologe Johannes und die jungfräuliche Gottesmutter, die heilige Maria, lebten durch das göttliche Urteil der Väter verurteilt und aller priesterlichen Würden entkleidet worden“. Diese beiden erwähnten Namen sollten offenbar den Beschluss der Konzilsväter begründen und bestärken. Das johanneische Schrifttum gipfelt in der Tat in zahlreichen Hinweisen auf die göttliche Gottessohnschaft Jesu, und Maria ist Mutter dieses Sohnes Gottes. (Vgl. Joh. 1, 14 und Offbg. 12, 5.) Die Stadt Ephesus, ihre Beziehungen zu Johannes und Maria, ihre Tradition und die hier herrschende theologische Auffassung sind eine Bestätigung des Urteils. Selbst wenn man unter den beiden Namen die Namen der beiden großen Kirchen in Ephesus verstehen wollte, würden gleichwohl die in diesen Bauwerken lokalgeschichtlich verankerten Persönlichkeiten der Maria und des Johannes als eine Begründung der über Nestorius verfügten Maßnahme zu gelten haben. Ja noch mehr: Der in diesem Konzilsbrief als Johannes der Stadt Ephesus genannte Johannes ist derjenige, der in Ephesus gelebt hat, gestorben ist und dort sein Grab hat. Analog und adäquat darf man auch bei Maria an einen ephesischen Aufenthalt, an ihr Entschlafen und an ihr Grab denken.

Eine allerdings etwas späte Nachricht über den Aufenthalt Marias in Ephesus ist niedergelegt im Evangelienkommentar des Bischofs Jakob Bar-Salibi (+ 1171). Sie ist aber insofern wertvoll, als sie uns die Tradition der jakobitischen Kirche wiedergibt. Sie lautet:

„Maria starb zu Ephesus im Alter von 51 Jahren. Johannes, der Evangelist, und seine Jünger haben sie begraben.“

 

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Panaya Kapulu nach der Restauration 1951
Es sei auch erwähnt, dass die Armenier von Tokat in der nördlichen Türkei am 15. August ein Fest feiern zur Erinnerung daran, dass Maria auf ihrer Reise nach Ephesus durch ihr Gebiet gekommen sei. Auch die erstmalige Erwähnung Mariens tangiert örtlich und inhaltlich den kleinasiatischen Aufenthalt Marias. Im Jahre 240, so berichtet die Biografie des Heiligen, trat Gregor, der Wundertäter, in Neocäsarea sein Amt als Bischof an. Als er „nächtlicherweise  über das Wort des Glaubens nachdachte“, erschien ihm die allerseligste Jungfrau Maria in Begleitung des Johannes, und Johannes habe ihm auf ihr Geheiß ein Glaubensbekenntnis mitgeteilt, das er dann sofort niedergeschrieben habe.

 

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Die Wohnung des Johannes auf dem Berge Panaya Kapulu?

In diesen Zusammenhang dürfen wir auch jene Stelle einbeziehen. die uns das christliche Altertum über das Wohnen des Apostels Johannes hinterlassen hat. Hieronymus schreibt in seinen zeitgeschichtlichen Aufzeichnungen, Johannes habe in Ephesus eine kleine Wohnung und sehr liebe Freunde gehabt (hospitiolum et amicos amantissimos). Gregor von Tours fügt hinzu, dort habe Johannes sein Evangelium geschrieben. Aus den Reiseberichten des heiligen Willibald erfahren wir, dass das Häuschen des Apostels nicht in Ephesus selber lag, sondern in der bergigen Umgebung. Willibald und seine Begleiter „wanderten nach dem Orte, wo die Sieben Schläfer ruhen. Von dort wanderten sie zum hl. Johannes Evangelista, an einen auffallend schönen Ort (in loco specioso) neben Ephesus“. Ganz ähnlich ist der Bericht der Vita anonymi: „Nachdem sie sich den Sieben Schläfern und der hl. Maria Magdalena, die dort ruhen, empfohlen hatten, begaben sie sich an einen auf benachbarter Bergeshöhe gelegenen Ort, wo der heilige Evangelist zu beten pflegte, der vor Regen und Wetter sicher und geschützt ist, was alles sie nicht genug bewundern konnten.“

Der Weg von der Siebenschläfergrotte bis hinauf in das liebliche Tal zwischen dem Bülbüldag und dem 600 Meter hohen Aladag, beträgt etwa zwei Stunden. Sicher befand sich hier im Mittelalter eine klösterliche Siedlung. Mauerreste und der frühere Name Monastir weisen darauf hin. Leider sind noch keine genügenden archäologischen Grabungen gemacht worden. Am Abschluss der kleinen Hochebene, wo das kleine Tal sich südöstlich absenkt, liegt an den ansteigenden Fels angelehnt, von nördlichen Winden geschützt, das Marienkirchlein Panaya Kapulu. Die Bezeichnung Panaya, die Ganzheilige, ist der in der griechischen Kirche gebräuchliche Name für Maria; Kapulu ist türkisch und bedeutet Tor, Haus, also „Haus der hl. Jungfrau Maria“. In der Literatur war dieses Kirchlein unbekannt; auch kennt man keinen Reisenden, der es besucht hätte. Lage und Grabungen unter dem Fußboden weisen darauf hin, dass es ursprünglich ein Wohnbau war.

Wenn wir für die Identität des „Wohnhauses der Maria“ mit der Wohnung des Johannes nur eine gewisse Wahrscheinlichkeit beanspruchen können, so darf anderseits Panaya Kapulu Anspruch darauf erheben, tatsächliche Beziehungen zum Aufenthalt Marias in Ephesus zu besitzen.

 

Eine ephesische Lokaltradition

Bei einer Suchaktion in den Bergen von Ephesus, unternommen von den Professoren der theologischen Lehranstalt der Lazaristen in Izmir, wurde am 29. Juli 1891 das sog. Panaya Kapulu gefunden, eine Quelle und eine in Ruinen liegende Kapelle, die als Wohn-und Sterbehaus der Mutter Jesu angenommen wird. Den Namen Panaya Kapulu könnten wir nach unserem Sprachgebrauch etwa mit „Pforte unserer Lieben Frau“ wiedergeben. Die Entdecker bemühten sich, den geschichtlichen Spuren dieses Baues nachzugehen.

Man untersuchte die Baubestandteile, die z.T. neueren oder byzantinischen Jahrhunderten angehörten, vor allem aber den Baukern, dessen Gemäuer nach dem Urteil der Archäologen ins erste Jahrhundert zurück reichen dürfte. Grabungen unter dem Fußboden ergaben die Anwesenheit eines Feuerherdes, woraus mit Sicherheit geschlossen werden kann, dass der Bau einmal Wohnzwecken gedient hat.

In der Nähe stieß man bei Grabungen auf die Reste einer klösterlichen Siedelung: Arkaden, Wasserbassin mit Leitung, altchristliche Gräber, Grablämpchen, Skelette mit Medaillen der Kaiser Konstantius (337 – 361), Anastasius (491 – 518) und Justinian. Selbst eine Broncemedaille von Kaiser Konstantin d. Großen. fand sich, Wasserkrüge etc., Steine mit hebräischen Buchstaben. Man darf für die christliche Siedlung in Panaya Kapulu auf eine sehr frühe Zeit zurückgehen, sogar in eine Zeit, wo es noch judenchristliche Bewohner gab. Es liegt also sehr nahe, an das Wohnhaus Marias zu denken.

Auch die Befragung der umliegenden Christen, es kam das Griechendorf Kirkindsche in Betracht, ergab ein positives Resultat. Dieses Dorf liegt östlich von Ephesus etwa 16 km in der Luftlinie entfernt und hat seinen Ursprung in sieben ephesischen Familien, welche nach der Eroberung der Stadt im Jahre 1207 entfliehen und sich in der bergigen Landschaft verborgen halten konnten. Bei ihnen bewahrte sich die Überlieferung, dass die Hl. Jungfrau auf dem Bülbül-Dag gelebt habe, dass sie dort gestorben sei und sich dort ihr noch unbekanntes Grab befinde. Jedes Jahr pflegten diese weit abseits abwohnenden Christen mit ihrem Geistlichen am 15. August nach Panaya Kapulu zu wallfahren und dort das Fest Maria Himmelfahrt zu feiern, ein Brauch, den sie aus der Vorzeit beibehalten hatten. Die Befragung fand statt durch eine Untersuchungskommission, die sich nach Kirkindsche begab und mit den dortigen Behörden und Dorfleuten sprach. Die Leute bestätigten, dass es im Umkreis von Ephesus noch 33 andere Kirchen gebe. In der näheren Umgebung von Panaya Kapulu sind noch drei andere Marienkirchlein und Kapellen bekannt.

Die Entdeckung von Panaya Kapulu, die vor allem dem Lazaristenpater Poulin von Izmir zu verdanken ist, schloss sich eine leidenschaftlich geführte Kontroverse an. Der Streit dreht sich dabei um die Frage, ob Ephesus oder Jerusalem als Sterbeort der Mutter Jesu zu gelten habe. Auf Mitte des 5. Jahrhunderts ist im Kidrontal am Fuße des Ölbergs eine Marienkirche nachweisbar, die man Ende des 6. Jahrhunderts den Pilgern als das Grab Mariens zeigte. Auch die Berichte über das Lebensende Marias gehören einer noch späteren Zeit an und haben eher einen fiktiven Charakter. Das jerusalemische Milieu weiß bis zum 6. Jahrhundert nichts vom Tode und von einem Grab der Gottesmutter. Es kennt keine Lokaltradition. Was später kam, scheint irgendwie erfunden und örtlich eingefügt worden zu sein.

EPHESUS – Die selige Anna Katharina Emmerick

Geburtshaus von Anna Katharina Emmerick in Coesfeld-Flamschen
Geburtshaus von Anna Katharina Emmerick in Coesfeld-Flamschen

Anna Katharina Emmerich (+ 1824) und Ephesus
Ein Problem besonderer Art für Ephesus bildet die Seherin Anna Katharina Emmerich von Dülmen in Westfalen. Wir leben im Zeitalter der zur Wissenschaft werdenden Parapsychologie. Angesichts vieler nicht ableugbarer Phänomene ist es ein überholter Standpunkt, den parapsychischen Belangen schlechthin die Berechtigung abzusprechen. Der objektive Beobachter muss sich eingestehen, dass die Beschreibung, welche Anna Katharina Emmerich über die Örtlichkeit von Panaya Kapulu vor 130 Jahren visionär gab und darüber aussagte, der Wirklichkeit entspricht.Weiterlesen …