PREDIGTEN IM JAHRESKREIS A/B/C, LESUNGEN, VORTRÄGE und vieles mehr …..

PfarrerHoldt

 

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“Medjugorje Bericht” von Pfarrer Dr. Johannes Holdt

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PREDIGT IM JAHRESKREIS – von Pfarrer Dr. Johannes Holdt – “Lourdes”

MuttergottesLourdes

PREDIGTEN IM JAHRESKREIS
Lourdes: Das fortdauernde Wirken Marias in der Zeit
von Pfarrer Dr. Johannes Holdt, Schömberg

Es war im Jahr 1858, als die vierzehnjährige Bernadette Soubirous, Tochter armer Taglöhner, gewürdigt wurde, an achtzehn Tagen in der Grotte von Massabielle (am Fuß der Pyrenäen) die Jungfrau Maria zu sehen und mit ihr zu sprechen. Bernadette schreibt in einem Brief über ihre erste Begegnung mit der wunderbaren Erscheinung: “Ich ging mit zwei Mädchen an den Gave-Fluß zum Holzsammeln. Da hörte ich ein Geräusch und schaute nach der Höhle hin. Dort sah ich eine Dame in weißen Gewändern. Sie trug ein weißes Kleid, das mit einer blauen Schärpe gegürtet war. Auf jedem Fuß hatte sie eine gelbe Rose von der gleichen Farbe wie ihr Rosenkranz”. Die “schöne Dame”, wie Bernadette sie nennt, lässt die Perlen des Rosenkranzes durch die Finger gleiten und Bernadette versteht dies als Zeichen, den Rosenkranz zu beten. Bei den späteren Begegnungen verspricht die Erscheinung dem Mädchen, es nicht in diesem Leben, wohl aber im nächsten glücklich zu machen. Sie bittet Bernadette, für die Bekehrung der Sünder zu beten und am Ort der Erscheinung durch den Pfarrer von Lourdes eine Kapelle erbauen zu lassen, wohin man in Prozessionen wallfahren soll. Schließlich weist sie das Mädchen an, mit den Händen ein Loch zu graben; dort tritt eine Quelle in der Grotte zutage, deren Wasser schon bald wunderbare Krankenheilungen bewirkt. Immer wieder fragt Bernadette die Dame nach ihrem Namen. Aber erst bei einer der letzten Begegnungen (am 25. März 1858) offenbart sich die Erscheinung. Sie breitet weit die Arme aus und ruft: “Que soy era Immaculada Counceptiou” – „Ich bin die Unbefleckte Empfängnis“.

Für Bernadette, das einfache Bauernmädchen, das zu diesem Zeitpunkt weder schreiben noch lesen kann, ist dieser Satz völlig unverständlich. Der Pfarrer von Lourdes aber, der bislang skeptisch war, schenkt Bernadette von nun an Glauben. Denn diese theologische Aussage über Maria, die erst vier Jahre zuvor von Papst Pius IX. als Dogma verkündet worden war, konnte Bernadette nicht bekannt gewesen sein. (Insofern kann man übrigens in dem Ereignis von Lourdes eine himmlische Bestätigung des Dogmas von 1854 sehen.)

Bernadette hat für die Gnade der Erscheinungen viel erleiden müssen, Verdächtigungen, Verleumdungen, Anfeindungen, nicht zuletzt von den Mitschwestern im Kloster von Nevers, in das sie eintrat. Außerdem war sie Zeit ihres Lebens eine Kranke, sie litt an schwerem Asthma, was ihr das Klosterleben noch schwerer machte. Dazu eine Begebenheit: Die Oberin des Klosters besucht Bernadette auf der Krankenstation.- „Na, was machen Sie denn da, kleine Faulenzerin?“ „Mein liebe Mutter, ich fröne meiner Beschäftigung“. „Und was für eine Beschäftigung ist das?“ „Kranksein“, antwortet Bernadette freundlich… Mit fünfunddreißig Jahren stirbt sie an Knochentuberkulose. Doch ist zu dieser Zeit – 1879 – ihr Heimatdorf Lourdes schon weltberühmt geworden, und die Pilger aus aller Welt strömen zur heilbringenden Quelle. Dreißig Jahre nach Bernadettes Tod, als man ihr Grab anlässlich des Seligsprechungsprozesses öffnete, fand man ihren Leichnam ohne die geringste Spur der Verwesung, während das Leichentuch vermodert und das Sterbekreuz verrostet waren. Und so, wie sie damals lag, kann man die hl. Bernadette noch heute in einem Sarg aus Gold und Kristall in der Klosterkapelle zu Nevers sehen.

Schon während der Erscheinungen ereignete sich das erste spektakuläre Heilungswunder. Am 1. März 1858 kommt eine neununddreißigjährige Frau nachts zur Quelle in der Grotte, um Wasser über ihre verkrüppelte Hand fließen zu lassen. Die Finger strecken sich, die Lähmung ist weg. Mit diesem Ereignis setzt der Zustrom der Kranken von überallher ein. Unter den Millionen Lourdes-Pilgern befinden sich jährlich etwa 50.000 Kranke und Behinderte, weshalb man Lourdes auch die Welthauptstadt der Kranken nennen kann. Eine internationale Ärztekommission prüft in mehreren Instanzen die außergewöhnlichen Heilungen. Das Verfahren ist so streng, dass von 7000 dokumentierten Fällen bislang nur 68 offiziell anerkannt wurden, das heißt mit dem Urteil versehen wurden: „Eine wissenschaftliche Erklärung der Heilung ist nicht möglich“. Zur Ärztekommission gehören ausgewiesene Kapazitäten der Medizin, die Religionszugehörigkeit spielt keine Rolle. Von einem Nobelpreisträger der Medizin, Dr. Alexis Carrell, der sich selbst als ungläubig bezeichnete, stammt folgendes Zeugnis: „Niemals werde ich das erschütternde Erlebnis vergessen, als ich sah, wie ein großes, krebsartiges Gewächs an der Hand eines Arbeiters vor meinen Augen bis auf eine kleine Narbe zusammenschrumpfte. Verstehen kann ich es nicht, aber ich kann nicht bezweifeln, was ich mit eigenen Augen gesehen habe“.

Lourdes zieht die Kranken an und ist doch kein Kurort oder eine Krankenheilanstalt, sondern ein Ort des Glaubens, der Religion. Die innere Heilung, das Gesundwerden der Seele ist das eigentliche Ziel einer Lourdes-Wallfahrt. Fürstin Gloria von Thurn und Taxis, die jedes Jahr Kranke nach Lourdes begleitet, hat folgende Erfahrung gemacht: „Man muss die verschiedenen Facetten der Heilung sehen. Aus dem Rollstuhl aufstehen und loslaufen ist nur eine davon. Wenn sich die innere Haltung eines Menschen verändert, ist das ja auch Heilung, Sehend-Werden. Da habe ich in Lourdes schon große Wunder erlebt bei Kranken, die nach der Pilgerreise mit einer ganz anderen Gesinnung als ihrer ursprünglichen nach Hause gefahren sind“.

Was lernen wir von Lourdes? Wunder – machtvolles, unmittelbares Eingreifen Gottes in den Lauf der Welt und das Schicksal der Menschen – gab es nicht nur vor zweitausend Jahren zur Zeit Jesu. Gott ist auch heute die alles bestimmende Macht, die Macht der Liebe. Und manchmal zeigt er das auf besonders eindrückliche Weise, damit wir es nicht vergessen. Denn die schlimmste Krankheit der Moderne ist die Gottvergessenheit. Von dieser Krankheit vor allem will Lourdes mit seinen Wundern heilen.

Dieses: Nicht nur einst – zu biblischer Zeit – sondern auch heute, das gilt auch für Maria. Auch Maria hat nicht nur damals vor zweitausend Jahren eine besondere Rolle im Heilswerk gespielt, als sie den Sohn Gottes zur Welt brachte. Sie spielt noch heute bei Gott eine einzigartige Rolle: Der Welt den Erlöser bringen – das ist Marias bleibende Aufgabe, ihr Personalcharakter. Maria bringt Christus nahe und vermittelt den Menschen seine Gnade und heilende Gegenwart. Und sie hat dazu vor allen anderen Heiligen besondere Möglichkeiten. Sie ist ja schon mit Seele und Leib verherrlicht, hat sozusagen die volle „Auferstehungspotenz“ und kann dadurch in besonderer Weise auf den irdischen Plan einwirken, wie es sich in den großen Marienerscheinungen manifestiert.

So gilt der Lobgesang Marias, das Magnificat, auch heute: Gott erbarmt sich von Geschlecht zu Geschlecht – in allen Generationen – über alle, die ihn fürchten. Er vollbringt mit seinem Arm machtvolle Taten. Die Hungernden – die Armen, die Leidenden – beschenkt er mit seinen Gaben und lässt die Reichen – die Satten, die Selbstzufriedenen – leer ausgehen (Lk 1,46-56).

Gott hat durch Maria an einem armen unwissenden Mädchen Großes für die Welt getan und Vielen Heilung an Seele und Leib geschenkt. Gehen auch wir mit Maria zu Jesus, entscheiden wir uns neu für ein Leben mit ihm, dann kann er auch mit uns etwas anfangen und uns zu Zeugen seiner Liebe in unserer Zeit machen.

Amen.

Pfarrer Dr. Johannes Holdt, 72355 Schömberg, Caspar-Oeschle-Platz 1

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PREDIGT ZUM ROSENKRANZFEST – LK 1, 326-38 – von Pfarrer Dr. Johannes Holdt

MedMutterg

Predigt zum Rosenkranzfest (Lk 1,26-38)
Pfarrer Dr. Johannes Holdt, Schömberg

Wie bete ich den Rosenkranz richtig? Predigt-Zentralseite über den Autor AlphaOmega Homepage

Das Rosenkranzfest (7. 10.) steht am Anfang des Rosenkranzmonats Oktober. Neben dem Marienmonat Mai ist auch der Oktober in besonderer Weise der Gottesmutter geweiht. Im Mai werden die marianischen Maiandachten gehalten, und der Oktober ist von Alters her geprägt durch das Rosenkranzgebet.

Was hat es mit dem Rosenkranz auf sich? Woher kommt dieses Gebet und was kann es uns heute bedeuten?

Es gibt eine Legende aus dem 13. Jahrhundert mit dem Titel “Der Mönch und die Rosenkränze”. Im Hochmittelalter war es üblich geworden, Bilder und Statuen Mariens mit Blumenkränzen zu schmücken, vor allem mit Kränzen aus Rosen. – Die Rose – ein uraltes Symbol der Völker – galt als das vornehmliche Sinnbild Marias. Die Königin im Blumenreich steht für die Königin aller Heiligen. Darum wird Maria in der Lauretanischen Litanei angerufen als “Rosa Mystica”, darum zeigen so viele Gemälde die Jungfrau mit dem Jesuskind ” im Rosenhag”, im lieblichen Rosengarten. Dies führt nun zur Legende hin. Sie erzählt, daß in einer Stadt ein Student lebte, der ein ausschweifendes, liederliches Leben führte und nur eine einzige gute Gewohnheit hatte: der Gottesmutter jeden Tag einen Kranz aus frischen Blumen – oder was es sonst jahreszeitlich gab – zu binden und ihr Bild damit zu schmücken. Eines Tages verleidete dem jungen Mann die Welt und er beschloß, in den Orden des hl.Bernhard, den Zisterzienserorden einzutreten. Nur eines bedrückte ihn dabei: Daß er in Zukunft nicht mehr die Möglichkeit haben würde, auf den Feldern Blumen zu sammeln und Maria damit zu ehren. Da riet ihm ein alter Mönch, den Kranz von Blumen zu ersetzen durch einen Kranz von Gebeten:

“Willst du der Königin Marien
täglich in edlen Sachen
ein Rosenkränzlein machen
und das mit Lobe zieren,
so sollst du ordinieren
dass du über deine Tage Zeit
immer spechest da
fünfzig Ave Maria.
Damit ist die Reihe ganz.
Und wisse, dass sie diesen Kranz
für Lilien und für Rosen nimmt”.

Jedes “Ave Maria” eine Rose für die Himmelskönigin.

So weit die Legende. Was sagt die Geschichte?

Das Rosenkranzgebet in seiner heutigen Form wurde seit dem 13. Jahrhundert vor allem von den Dominikanern verbreitet (man denke an das beliebte Bildmotiv: “Maria reicht dem hl. Dominikus den Rosenkranz”) und später von den Jesuiten. Beide Orden widmeten sich der Volksmission, der Verbreitung und Erneuerung des katholischen Glaubens im Volk, und der Rosenkranz war ihnen dabei ein Hauptmittel. Wo die Jesuiten seelsorgerisch tätig waren, gründeten sie “Rosenkranzbruderschaften” oder “Marianische Kongregationen”, deren Mitglieder sich zum regelmäßigen Rosenkranzgebet verpflichteten. Mancherorts bestehen diese Gemeinschaften noch heute. Diese historischen Fakten sind nicht uninteressant. Wenn wir uns heute fragen, wie wir den Glauben ins nächste Jahrtausend hinübertragen, wie wir den “Missionskontinent Europa” (Papst Johannes Paul II.) neuevangelisieren können, dann sollten wir von den Erfahrungen früherer Generationen lernen und uns auf die segensreiche Wirkung des Rosenkranzgebets aufmerksam machen lassen. – Heute schon ist bei der Neuevangelisierung Osteuropas die Verbreitung des Rosenkranzes eines der wirksamsten Mittel.

Natürlich gibt es Einwände gegen den Rosenkranz. Der Rosenkranz sei langweilig, lautet die verbreitete Klage. Er sei ein monotones Leiern, ein gedankenloser Sprechgesang. So schnell, wie da gebetet werde, könne man gar nicht mitdenken. – Das ist durchaus richtig beobachtet. Tatsächlich geht es beim Rosenkranz nicht in erster Linie ums Mitdenken. Dies ist aber kein Mangel, sondern vielmehr das Wesen dieses Gebets: Der Rosenkranz ist eine Form von Meditation; er ist ein meditatives Wiederholungsgebet, wie wir es in ähnlicher Form auch in anderen Religionen kennen (man denke zum Beispiel an die Mantra-Meditation im Hinduismus, welche auf der unablässigen Wiederholung des heiligen Worts – des mantras – beruht). Im gleichmäßigen Gebetsrhythmus des Ave Maria kreisen wir um die Geheimnisse des Glaubens, um die Menschwerdung Christi, sein Leiden, seine Auferstehung. Die Gedanken des Alltags werden dabei immer wieder kommen und gehen; sie bleiben aber an der Oberfläche des Bewusstseins. In der Tiefe sind wir im Raum der Anbetung.

Formen einer kontemplativen Spiritualität werden heute gesucht. Viele suchen im Zen-Buddhismus, im Yoga. Dabei gilt auch hier das Goethewort: “Sieh, das Gute liegt so nah!” Wir könnten in unserer eigenen Religion Schätze heben, die längst für uns bereitliegen. Vielleicht greift diese Erkenntnis einmal wieder unter den Christen um sich…

“Sei gegrüßt, du Begnadete, der Herr ist mit dir” (Lk 1,28). Diesen Gruß des Engels Gabriel beten wir in jedem “Gegrüßet seist du, Maria”. (Woran wir sehen, dass der Rosenkranz ein genuin biblisches Gebet ist.) Maria spielt eine tragende Rolle im Rosenkranzgebet. Sie ist nicht das Zentrum – das ist Christus. Sie ist aber in diesem Gebet der Weg, der uns zum Zentrum führt. Viele Menschen sind auf diesem Weg weit gekommen; haben mit Maria und dem Rosenkranz gute Erfahrungen gemacht, nicht zuletzt in schweren Zeiten. Versuchen wir es doch auch einmal mit Schritten auf diesem Weg. Klein anfangen. Hin und wieder ein oder zwei Gesetze. Vielleicht auf langen Autofahrten. Vielleicht an langen Abenden. Vielleicht in schlaflosen Nächten. Immer, wenn man Zeit hat, die man totschlagen könnte – diese mit Geist, mit Leben füllen.

Amen.

Anmerkung

Die Rosenkranzlegende habe ich dem lesenwerten Buch von Hermann Kirchhoff “Grundgebete der Christen” (Kösel-Verlag , München 1998) entnommen.

Pfarrer Dr. Johannes Holdt, 72355 Schömberg, Caspar-Oeschle-Platz 1:
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PREDIGT IM JAHRESKREIS – von Pfarrer Dr. Johannes Holdt – “Die Sieben Schmerzen Mariens”

Die "Schmerzhafte Muttergottes" in der Kapelle Palmbühl bei Schömberg
Die “Schmerzhafte Muttergottes”
in der Kapelle Palmbühl bei Schömberg

PREDIGT IM JAHRESKREIS zum Schmerzhaften Freitag auf dem Palmbühl (Schömberg)
“Die Sieben Schmerzen Mariens ”
von Pfarrer Dr. Johannes Holdt, Schömberg

Jesu Lebensweg führte zum Kreuz auf Golgotha.

Maria ist ihrem Sohn nachgefolgt, hat mit ihm gelitten und ist so zur Mutter der Schmerzen herangereift. Viele haben in Schmerz und Leid bei ihr Trost und Hilfe gefunden.

Gerade hier auf dem Palmbühl.

Seit dem Dreißigjährigen Krieg gibt es diesen Wallfahrtsort zur Schmerzhaften Muttergottes.

Das Gnadenbild selbst aber ist noch viel älter. – Es ist über 700 Jahre alt. – Als in Mitteleuropa die große Pest wütete, der 25 Millionen Menschen zum Opfer fielen – um das Jahr 1350 – da kam in der christlichen Kunst die Darstellung der Schmerzensmutter auf, als Zeichen der Hoffnung und des Trostes inmitten des namenlosen Leids.

Und so schauen auch wir heute auf die “Mater Dolorosa” und gedenken ihrer Schmerzen.

Von den “Sieben Schmerzen Mariens” spricht die Überlieferung der Kirche:

Es beginnt mit der Weissagung Simeons bei der Darstellung Jesu im Tempel. Eigentlich eine frohe Stunde, als Maria und Josef das göttliche Kind in den Tempel bringen, um es Gott zu weihen. Und doch fallen dunkle prophetische Worte: “Durch diesen werden viele in Israel zu Fall kommen. Er wird ein Zeichen sein, dem widersprochen wird. Dir selbst aber wird ein Schwert durch die Seele dringen” (Lk 2,34+35). – An Jesus Christus werden sich die Geister scheiden. Nur wenige werden an ihn glauben. Viele werden gleichgültig bleiben, manche aber werden ihn hassen. Maria ist die Mutter aller Glaubenden, aller, die gegen den Strom schwimmen und Christus die Treue halten. – Sie ist aber auch die Mutter der Märtyrer, jener, die um des Glaubens willen Verfolgung, Benachteiligung und Spott erleiden.

Die Flucht nach Ägypten ist das zweite Schmerzensgeheimnis. König Herodes trachtet dem Jesuskind nach dem Leben. Und die Heilige Familie wird zur heimatlosen Flüchtlingsfamilie.

Wie viele Menschen erleiden das schlimme Schicksal von Flucht und Vertreibung. Wie viele haben es auch in unserem Land im Zweiten Weltkrieg erlitten. Und doch: die Heimat im Glauben bleibt. – Gerade an marianischen Wallfahrtsorten fühlen sich viele zu Hause, die ihre Heimat verloren haben. Bei unserer himmlischen Mutter sind wir immer daheim.

Die Suche nach dem zwölfjährigen Jesus ist der dritte Schmerz Mariens. – Wie viele können sich auch damit identifizieren. Wie viele suchen nach verlorenen Söhnen und Töchtern! Gerade heute, wo so viele familiäre Bande abreißen.

Möge Maria helfen, dass Eltern und Kinder sich wiederfinden. – Möge sie auch helfen, dass die junge Generation Christus wiederfindet, und nicht in der Gottvergessenheit verloren geht.

Am Kreuzweg muss Maria den letzten, furchtbaren Gang ihres Sohnes mitanschauen. Das ist der vierte Schmerz. Und von ihm gilt das alttestamentliche Wort:

“Ihr alle, die ihr des Weges zieht, schaut doch und seht, ob ein Schmerz ist wie mein Schmerz” (Klagelieder 1,12).

Leid anderer, geliebter Menschen anschauen zu müssen, ohne helfen zu können, ist eine harte Prüfung. Wenn wir nichts aktiv tun können, meinen wir, es ist alles sinnlos. Aber manchmal kommt es nur aufs Aushalten, aufs Beim -anderen -Bleiben an. – “Liebe zeigt sich im Bleiben” (Joseph Kardinal Ratzinger).

Schließlich sieht Maria ihren Sohn am Kreuz sterben.

Maria war bei Jesus in seiner Todesstunde. Und da Jesus sie uns zur Mutter gegeben hat, hoffen wir, dass sie auch uns in unserer Todesstunde beisteht. So bitten wir sie ja in jedem Ave Maria: “Bitte für uns – jetzt und in der Stunde unseres Todes”.

Den sechsten Schmerz sehen wir dargestellt auf unserem Gnadenbild: der tote Jesus wird in den Schoß seiner Mutter gelegt.

“Pieta” wird diese Darstellung in der Kunst genannt. Unzählige Künstler haben sich an diesem Motiv versucht. Am berühmtesten Michelangelos Werk im Petersdom.

Pieta – ein italienisches Wort – heißt zu deutsch: “Kummer, Leid”, aber auch “Barmherzigkeit, Mitleid”.

Weil Maria das tiefste menschliche Leid selbst durchgemacht hat ist sie für alle Leidenden die mitleidsvolle “Mutter der Barmherzigkeit” geworden.

Der siebte und letzte Schmerz Mariens ist das Begräbnis Jesu. Bis zuletzt – bis zum Ort seiner letzten Ruhe bleibt Maria bei ihrem Sohn. Jesus ist den wirklichen, den vollen Tod gestorben, bis ins Grab hinein. Aber das Grab hat ihn nicht halten können.

Der Sohn Gottes war stärker als der Tod. Darum sind für uns Gräber nicht Orte der Verzweiflung, sondern der Hoffnung. Und Maria ist die Trösterin der Trauernden.

In den sieben Schmerzen Mariens können sich die Menschen in ihren Ängsten und Sorgen, in ihrem Schmerz und ihrem Kummer wiederfinden – wie auch in den 14 Kreuzwegstationen Christi.
Danken wir Gott, dass er uns Maria, die Mutter der Schmerzen, gegeben hat. Und bitten wir sie – so wie die vielen Generationen der Gläubigen vor uns – um ihren Beistand für uns und die ganze im Argen liegende Welt.

Amen.

Pfarrer Dr. Johannes Holdt, 72355 Schömberg, Caspar-Oeschle-Platz 1:

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