Zum Bibelsonntag – Predigt von Pfarrer Dr. Johannes Holdt, Schömberg

Predigt – Zum Bibelsonntag (Lk 4,16-21)

PfarrerHoldt

 

In manchen Diözesen im deutschsprachigen Raum wird im Januar der ökumenische Bibelsonntag begangen. Der Bibelsonntag möchte an die Bedeutung der Bibel für das Leben der Christen erinnern; daran, dass die Bibel die Grundlage unseres Glaubens ist und – bei allen Unterschieden der Konfessionen – das Gemeinsame und Verbindende aller Christen.

Nun kann man fragen: Warum eigentlich ist diese Bibel so wichtig für uns Christen? Warum ist von uns verlangt, ein Buch zu lesen, das – in seinen frühesten Teilen – über 3000 Jahre alt ist? Was soll uns heutigen Menschen so ein altes Buch zu sagen haben? – Andere Werke aus der Antike lesen wir ja auch nicht.

Warum also dieses Buch ?
Antwort: Weil die Bibel anders ist als alle andern Bücher. (Und man möchte beinahe sagen: Gott sei Dank nicht!) Der Schöpfungsbericht ist ein theologisch tiefgründiger Hymnus auf Gott, den Ursprung und das Ziel aller Dinge. Und ob die sieben Schöpfungstage vielleicht Millionen Jahre umfassen, das darf man getrost offen lassen. – Sind doch vor Gott “tausend Jahre wie ein Tag” (2 Petr 3,8). Das Entscheidende ist, dass wir hinter allen Geschöpfen den Schöpfer sehen!

Am Beispiel des Schöpfungsberichts zeigt sich, dass man zum Lesen der Bibel ein gewisses Vorverständnis braucht. Tatsächlich ist das Bibelstudium gar keine so leichte Sache. Manch einer hat sich zum Beispiel schon vorgenommen, die ganze Bibel von vorn bis hinten durchzulesen. Irgendwann aber, vielleicht schon bei den fünf Büchern Mose mit ihren langen Geschlechterlisten und den Anordnungen für den Tempelgottesdienst  gab man zermürbt auf…

Man muß sich klarmachen: Die Bibel ist nicht nur ein sehr dickes Buch; sie ist eine Sammlung von vielen verschiedenen Büchern und Schriften. Wenn wir das Inhaltsverzeichnis aufschlagen, dann sind da fast 80 Bücher aufgeführt: 52 im Alten und 27 im Neuen Testament. – Eine ganze Bibliothek.

Nun wird niemand hingehen, wenn er ein Regal mit 80 Büchern vor sich hat, und von links nach rechts alle Bücher hintereinander lesen, sondern er wird jeweils ein Buch auswählen. Und so müssen wir es auch mit der Bibel machen. Ausgewählte Bücher lesen.

Es wird sich nahelegen, zunächst einmal mit den Evangelien anzufangen. – Die Frohbotschaft von Jesus Christus ist die Mitte der ganzen Schrift – und der Schlüssel zum Verständnis aller ihrer Teile, auch des Alten Testaments.

Vom Kirchenvater Hieronymus, der im vierten Jahrhundert die Bibel aus dem hebräischen und griechischen Urtext in die damalige Weltsprache Latein übertrug, stammt das Wort: “Die Schrift nicht kennen, heißt Christus nicht kennen”. Wenn wir unsern Herrn kennen wollen, müssen wir schon ein bisschen mit den Evangelien vertraut sein!

Wenn wir dann auf den Geschmack gekommen sind, werden wir uns auch ans Alte Testament wagen.

Schlagen Sie die Bibel ungefähr in der Mitte auf und Sie stoßen auf die Psalmen, die 150 Hymnen und Gebete des Gottesvolkes, die in ihrem Kern auf König David zurückgehen. Martin Luther bemerkt richtig: “Ein jeder Mensch findet in den Psalmen Stellen, als wären sie allein für ihn geschrieben”.

Im Umkreis der Psalmen stoßen wir auf die alttestamentliche Weisheitsliteratur: Dass Buch der Weisheit, die Sprüche Salomos, Jesus Sirach, Kohelet… – All das besser als alles, was uns heute an Lebenshilfe – Ratgebern verkauft wird!

Zur biblischen Standardlektüre wird man auch die ersten beiden Bücher der Schrift, Genesis und Exodus, rechnen müssen, welche die Frühgeschichte der Menschheit und des Volkes Israel zum Inhalt haben. – Spannend geschriebene Erzählungen, die zugleich zum Grundbestand der Allgemeinbildung gehören.

Nicht nur zum privaten Studium ist uns die Bibel gegeben; in erster Linie und ursprünglich ist die Bibel das Buch der Gemeinde, das im Gottesdienst vorgelesen wird. So sehen wir im heutigen Evangelium Jesus selbst im Synagogengottesdienst  seiner Heimatgemeinde in Nazareth, wo er, wie es seine Gewohnheit war, jeden Sabbat hinging, um das Wort der Schrift zu hören, die Psalmen zu beten und auch selbst vorzulesen (Lk 4,16).

Wenn gefragt wird: Was bringt mir der Gottesdienst ? So lautet eine Antwort: Zum Beispiel das Wort Gottes, das hier verkündet und ausgelegt wird – gemäß dem Glauben der Kirche.

Darum dürfen die biblischen Lesungen im Gottesdienst auch nicht – wie es leider mancherorts geschieht – durch andere Texte ersetzt werden. – Auch nicht durch den “Kleinen Prinzen” und auch nicht etwa bei Erstkommunionfeiern durch die nette Geschichte von “Swimmy dem Fisch” oder ähnliches. Nein, auch die Kinder darf man nicht um Gottes Wort betrügen !

Wir brauchen den Zuspruch des Wortes Gottes, durch das wir getröstet und ermutigt, ermahnt und herausgefordert und in die göttlichen Geheimnisse eingeweiht werden (vgl. Mt 13,11).

Wir brauchen geistige Nahrung, gute geistige Kost.

Nichts gegen das “Goldene Blatt” und ähnliche Illustrierte; nichts gegen “Marienhof” und “Traumschiff”. – Aber wenn das das einzige ist, was der Mensch aufnimmt Tag für Tag ? – Kann das gesund sein ? Nein, der Mensch braucht anderes. Die Seele lebt “vom Wort, das aus Gottes Mund kommt ” (Mt 4,5).

Ich habe einmal einen Ort kennengelernt, wo die Bibel gelesen wurde, mit Feuereifer gelesen wurde, von jungen Menschen verschiedener Nationen, denen ich gar nicht genug Bibeln herbeischaffen konnte. Dieser Ort war: ein Gefängnis (für junge Männer). Die haben – nicht alle, aber ein Teil – in ihrer schwierigen Lebenssituation die Bibel für sich entdeckt, gespürt, dass dieses Buch gut für sie ist, heilsam, wirklich frohe Botschaft.

Dazu passt gut die Stelle aus dem Propheten Jesaja, die Jesus in der Synagoge in Nazareth aufschlug und vorlas:

“Der Geist des Herrn ruht auf mir; denn der Herr hat mich gesalbt. Er hat mich gesandt, damit ich den Armen eine gute Nachricht bringe; damit ich den Gefangenen die Entlassung verkünde und den Blinden das Augenlicht; damit ich die Zerschlagenen in Freiheit setze und ein Gnadenjahr des Herrn ausrufe” (Lk 4,18).

Und dann sagt er:” Heute hat sich das Schriftwort, das ihr eben gehört habt, erfüllt!”

Amen.

“Weide meine Lämmer” – ein Bericht von Pfarrer Dr. Johannes Holdt aus Schömberg Kreis Balingen

“Weide meine Lämmer”
Ein Bericht von Pfarrer Dr. Johannes Holdt aus Schömberg Kreis Balingen

Die katholische Kirche hat ein neues Oberhaupt: Papst Franziskus I.

Am Ostersonntag wird er zum ersten Mal den Segen „Urbi et Orbi“ („der Stadt und dem Erdkreis“) von der Loggia des Petersdoms aus spenden.
Mit fester Hand hat der Argentinier das Steuerruder des Schiffleins Petri ergriffen. Schon die ersten Amtshandlungen zeigen, dass er die Herzen der Menschen berühren kann. Der Papst wird den Kurs der Kirche nicht ändern, der zu allen Zeiten heißt: auf Christus zu. Aber er wird eigene Akzente setzen und sein persönliches Charisma einbringen. Er wird, um ein Bild des Evangeliums zu gebrauchen, das Netz auch an anderen Stellen auswerfen.
„Die globalen sozialen Probleme werden in den Focus rücken“, meint der Wiener Kardinal Schönborn, „und nicht mehr so sehr die europäischen Luxusprobleme“.

Bei seiner feierlichen Amtseinführung am 19. März erinnerte der Papst an die Aufgabe, die Jesus dem Petrus anvertraut hat:

„Weide meine Lämmer, weide meine Schafe“ (Joh 21, 15 – 17).

An Christi statt den Dienst des guten Hirten ausüben, das ist die Aufgabe des Nachfolgers Petri (darum auch die Bezeichnung „Stellvertreter Christi“, des guten Hirten).

Um dieser Verantwortung gerecht zu werden, müsse der Papst , so führte er aus, „die Arme ausbreiten, um das ganze Volk Gottes zu hüten und die gesamte Menschheit, vor allem die Armen, die Schwächeren und die Kleinsten mit Zuneigung und Herzlichkeit anzunehmen“.
„Wir dürfen uns nicht fürchten vor Güte, vor Zärtlichkeit“ rief er den Gläubigen aus aller Welt zu und schloss seine Predigt mit der Bitte:

„Pregate per me“ – „betet für mich“.

Papst Franziskus weiß, wie schwer die Last ist, die er zu schultern hat. Er sagt uns mit der Bitte um das Gebet: Auch ihr habt Verantwortung für die Sache Jesu und die Zukunft des Glaubens. So wollen wir den Papst mit unserem Gebet unterstützen, auf dass er mit glücklicher Hand die Weltkirche in schwierigen Zeiten führen kann. Wir wollen uns aber auch ein Beispiel an ihm nehmen, unser Herz weit machen und dem Glauben, der Hoffnung und der Liebe Raum in unserem Leben geben. Das Fest der Auferstehung, das wir an Ostern feiern, mache uns dazu Mut.

Pfarrer Dr. Johannes Holdt, Seelsorgeeinheit Oberes Schlichemtal

Best of Benedikt XVI – von Pfarrer Dr. Johannes Holdt

Best of Benedikt XVI

Aus den Ansprachen in Deutschland 2011
von Pfarrer Dr. Johannes Holdt, Schömberg

Warum Kirche?
Glaube ist immer auch wesentlich Mitglauben. Dass ich glauben kann, verdanke ich zunächst Gott, der sich mir zuwendet und meinen Glauben sozusagen „entzündet”. Aber ganz praktisch verdanke ich meinen Glauben auch meinen Mitmenschen, die vor mir geglaubt haben und mit mir glauben. Dieses „mit”, ohne das es keinen persönlichen Glauben geben kann, ist die Kirche.
(Erfurter Domplatz 24. 9. 11)

Reform der Kirche?
Seit Jahrzehnten erleben wir einen Rückgang der religiösen Praxis, stellen wir eine zunehmende Distanzierung beträchtlicher Teile der Getauften vom kirchlichen Leben fest. Es kommt die Frage auf: Muss die Kirche sich nicht ändern? Muss sie sich nicht in ihren Ämtern und Strukturen der Gegenwart anpassen, um die suchenden und zweifelnden Menschen von heute zu erreichen?

Die selige Mutter Teresa wurde einmal gefragt, was sich ihrer Meinung nach als erstes in der Kirche ändern müsse. Ihre Antwort war: Sie und ich!

An dieser kleinen Episode wird uns zweierlei deutlich. Einmal will die Ordensfrau dem Gesprächspartner sagen: Kirche sind nicht nur die anderen, nicht nur die Hierarchie, der Papst und die Bischöfe; Kirche sind wir alle, wir, die Getauften. Zum anderen geht sie tatsächlich davon aus: ja, es gibt Anlass, sich zu ändern. Es ist Änderungsbedarf vorhanden. Jeder Christ und die Gemeinschaft der Gläubigen sind zur stetigen Änderung aufgerufen.
(Rede vor engagierten Katholiken 25.9.11)

Ich ermutige die Kirche in Deutschland, mit Kraft und Zuversicht den Weg des Glaubens weiterzugehen, der Menschen dazu führt, zu den Wurzeln, zum wesentlichen Kern der Frohbotschaft Christi zurückzukehren. „Es gibt nichts Schöneres, als Christus zu kennen und den anderen die Freundschaft mit ihm zu schenken“ (Predigt zur Amtseinführung, 24. April 2005). Aus dieser Erfahrung wächst schließlich die Gewissheit: „Wo Gott ist, da ist Zukunft!“ Wo Gott zugegen ist, da ist Hoffnung und da eröffnen sich neue, oft ungeahnte Perspektiven, die über den Tag und das nur Kurzlebige hinausreichen. In diesem Sinne begleite ich in Gedanken und im Gebet den Weg der Kirche in Deutschland.
(Abschiedsrede auf dem Flughafen Lahr 25.9.11)

Die eigentliche Krise der Kirche in der westlichen Welt ist eine Krise des Glaubens. Wenn wir nicht zu einer wirklichen Erneuerung des Glaubens finden, wird alle strukturelle Reform wirkungslos bleiben.
(Ansprache vor dem ZDK 24.9.11)

Was ist Glaube?
Braucht der Mensch Gott, oder geht es auch ohne ihn ganz gut? Wenn in einer ersten Phase der Abwesenheit Gottes sein Licht noch nachleuchtet und die Ordnungen des menschlichen Daseins zusammenhält, scheint es, dass es auch ohne Gott geht. Aber je weiter die Welt sich von Gott entfernt, desto klarer wird, daß der Mensch in der Hybris der Macht, in der Leere des Herzens und im Verlangen nach Erfüllung und Glück immer mehr das Leben verliert. Der Durst nach dem Unendlichen ist im Menschen unausrottbar da. Der Mensch ist auf Gott hin erschaffen und braucht ihn. Ein selbstgemachter Glaube ist wertlos. Der Glaube ist nicht etwas, was wir ausdenken oder aushandeln. Er ist die Grundlage, auf der wir leben. Nicht durch Abwägung von Vor- und Nachteilen, sondern nur durch tieferes Hineindenken und Hineinleben in den Glauben wächst Einheit.
(Beim Ökumenischen Gottesdienst in Erfurt 23.9.11)

Fragen wir uns dann: Wie steht es mit meiner persönlichen Gottesbeziehung – im Gebet, in der sonntäglichen Messfeier, in der Vertiefung des Glaubens durch die Betrachtung der Heiligen Schrift und das Studium des Katechismus der Katholischen Kirche? Liebe Freunde! Die Erneuerung der Kirche kann letztlich nur durch die Bereitschaft zur Umkehr und durch einen erneuerten Glauben kommen.
(Messfeier Freiburg 25.9.11)

Er, der von sich sagt: „Ich bin das Licht der Welt“ (Joh 8,12), bringt unser Leben zum Leuchten, damit wahr wird, was wir soeben im Evangelium gehört haben: „Ihr seid das Licht der Welt“ (Mt 5,14). Es sind nicht unsere menschlichen Anstrengungen oder der technische Fortschritt unserer Zeit, die Licht in diese Welt bringen. Immer wieder müssen wir es ja erleben, dass unser Mühen um eine bessere und gerechtere Ordnung an seine Grenzen stößt. Das Leiden der Unschuldigen und letztlich der Tod eines jeden Menschen sind ein undurchdringliches Dunkel, das vielleicht von neuen Erfahrungen her für einen Moment, wie durch einen Blitz in der Nacht, erhellt werden mag. Am Ende bleibt aber doch eine beängstigende Finsternis.

Es mag um uns herum dunkel und finster sein, und doch schauen wir ein Licht: eine kleine, winzige Flamme, die stärker ist als die so mächtig und unüberwindbar scheinende Dunkelheit. Christus, der von den Toten auferstanden ist, leuchtet in dieser Welt und gerade dort am hellsten, wo nach menschlichem Ermessen alles düster und hoffnungslos ist. Er hat den Tod besiegt – Er lebt – und der Glaube an ihn durchbricht wie ein kleines Licht all das, was finster und bedrohlich ist. Wer an Jesus glaubt, hat sicherlich nicht immer Sonnenschein im Leben, so als ob ihm Leiden und Schwierigkeiten erspart bleiben könnten, aber stets gibt es da einen hellen Schein, der ihm einen Weg zeigt, der zum Leben in Fülle führt (vgl. Joh10,10). Wer an Christus glaubt, dessen Augen schauen auch in der dunkelsten Nacht ein Licht und sehen schon das Leuchten eines neuen Tages.

Liebe Freunde, Christus achtet nicht so sehr darauf, wie oft ihr im Leben strauchelt, sondern wie oft ihr wieder aufsteht. Er fordert keine Glanzleistungen, sondern möchte, dass Sein Licht in euch scheint. Er ruft euch nicht, weil ihr gut und vollkommen seid, sondern weil Er gut ist und euch zu seinen Freunden machen will. Ja, ihr seid das Licht der Welt, weil Jesus euer Licht ist. Ihr seid Christen – nicht weil ihr Besonderes und Herausragendes tut, sondern weil Er, Christus, euer Leben ist. Ihr seid heilig, weil seine Gnade in euch wirkt.
(Bei der Gebetsvigil mit Jugendlichen 24.9.11)

Zeitkritik
Stellen wir uns vor, ein solches exposure-Programm fände hier in Deutschland statt. Experten aus einem fernen Land würden sich aufmachen, um eine Woche bei einer deutschen Durchschnittsfamilie zu leben. Sie würden vieles hier bewundern, z. B. den Wohlstand, die Ordnung und die Effizienz. Aber sie würden mit unvoreingenommenen Blick auch viel Armut feststellen: Armut, was die menschlichen Beziehungen betrifft, und Armut im religiösen Bereich.

Wir beobachten, wie dieser Relativismus immer mehr Einfluss auf die menschlichen Beziehungen und auf die Gesellschaft ausübt. Dies schlägt sich auch in der Unbeständigkeit und Sprunghaftigkeit vieler Menschen und einem übersteigerten Individualismus nieder. Mancher scheint überhaupt keinen Verzicht mehr leisten oder ein Opfer für andere auf sich nehmen zu können. Auch das selbstlose Engagement für das Gemeinwohl, im sozialen und kulturellen Bereich oder für Bedürftige nimmt ab. Andere sind überhaupt nicht mehr in der Lage, sich uneingeschränkt an einen Partner zu binden. Man findet kaum noch den Mut zu versprechen, ein Leben lang treu zu sein; sich das Herz zu nehmen und zu sagen, ich gehöre jetzt ganz dir, oder entschlossen für Treue und Wahrhaftigkeit einzustehen und aufrichtig die Lösung von Problemen zu suchen.

Die eigentliche Krise der Kirche in der westlichen Welt ist eine Krise des Glaubens. Wenn wir nicht zu einer wirklichen Erneuerung des Glaubens finden, wird alle strukturelle Reform wirkungslos bleiben.
(Ansprache vor dem ZDK 24.9.11)

Ökumene
Muss man dem Säkularisierungsdruck nachgeben, modern werden durch Verdünnung des Glaubens? Natürlich muss der Glaube heute neu gedacht und vor allem neu gelebt werden, damit er Gegenwart wird. Aber nicht Verdünnung des Glaubens hilft, sondern nur ihn ganz zu leben in unserem Heute. Dies ist eine zentrale ökumenische Aufgabe. Dazu sollten wir uns gegenseitig helfen: tiefer und lebendiger zu glauben. Nicht Taktiken retten uns, retten das Christentum, sondern neu gedachter und neu gelebter Glaube, durch den Christus und mit ihm der lebendige Gott in diese unsere Welt hereintritt.
(Ansprache vor Repräsentanten der EKD 23.9.11)

Unser erster ökumenischer Dienst in dieser Zeit muss es sein, gemeinsam die Gegenwart des lebendigen Gottes zu bezeugen und damit der Welt die Antwort zu geben, die sie braucht.

Aber der Glaube der Christen beruht nicht auf einer Abwägung unserer Vor- und Nachteile. Ein selbstgemachter Glaube ist wertlos. Der Glaube ist nicht etwas, was wir ausdenken oder aushandeln. Er ist die Grundlage, auf der wir leben. Nicht durch Abwägung von Vor- und Nachteilen, sondern nur durch tieferes Hineindenken und Hineinleben in den Glauben wächst Einheit.
(Beim Ökumenischen Gottesdienst in Erfurt 23.9.11)

MARIA
Wenn sich Christen zu allen Zeiten und an allen Orten an Maria wenden, dann lassen sie sich dabei von der spontanen Gewissheit leiten, dass Jesus seiner Mutter ihre Bitten nicht abschlagen kann; und sie stützen sich auf das unerschütterliche Vertrauen, dass Maria zugleich auch unsere Mutter ist – eine Mutter, die das größte aller Leiden erfahren hat, alle unsere Nöte mitempfindet und mütterlich auf ihre Überwindung sinnt. Wie viele Menschen sind Jahrhunderte hindurch zu Maria gepilgert, um vor dem Bild der Schmerzensreichen – wie hier in Etzelsbach – Trost und Stärkung zu finden!

Unser Vertrauen auf die wirksame Fürsprache der Gottesmutter und unsere Dankbarkeit für die immer wieder erfahrene Hilfe tragen in sich selbst gleichsam den Impuls, über die Bedürfnisse des Augenblicks hinauszudenken. Was will Maria uns eigentlich sagen, wenn sie uns aus der Not errettet? Sie will uns helfen, die Weite und Tiefe unserer christlichen Berufung zu erfassen. Sie will uns in mütterlicher Behutsamkeit verstehen lassen, dass unser ganzes Leben Antwort sein soll auf die erbarmungsreiche Liebe unseres Gottes. Begreife – so scheint sie uns zu sagen –, dass Gott, der die Quelle alles Guten ist und der nie etwas anderes will als dein wahres Glück, das Recht hat, von dir ein Leben zu fordern, das sich rückhaltlos und freudig seinem Willen überantwortet und danach trachtet, dass auch die anderen ein Gleiches tun. „Wo Gott ist, da ist Zukunft”. In der Tat – wo wir Gottes Liebe ganz über unser Leben wirken lassen, dort ist der Himmel offen. Dort ist es möglich, die Gegenwart so zu gestalten, dass sie mehr und mehr der Frohbotschaft unseres Herrn Jesus Christus entspricht. Dort haben die kleinen Dinge des Alltags ihren Sinn, und dort finden die großen Probleme ihre Lösung.
(Marienvesper im Eichsfeld 23.9.11)

PREDIGT zum JAHRESWECHSEL – von Pfarrer Dr. Johannes Holdt – “Glück oder Pech?”

Glück oder Pech?

Ermutigung zu Neujahr
von Pfarrer Dr. Johannes Holdt, Schömberg

Ein herausragendes Ereignis dieses Jahres war der Besuch von Papst Benedikt im September. „Wo Gott ist, da ist Zukunft“, so lautete die Kernbotschaft des Papstes an seine Landsleute. Das heißt freilich auch: Ohne Gott gibt es keine Zukunft und keine Hoffnung, weder für den Einzelnen, noch für die Gesellschaft im Ganzen. Wer das begriffen hat und bewusst auf Gott setzt, braucht die Zukunft nicht zu fürchten, sondern kann ihr gelassen, ja erwartungsvoll entgegensehen. So wünschen wir uns in diesen Tagen ein glückliches neues Jahr. – Was aber ist eigentlich „Glück“?
Eine Geschichte aus China erzählt von einem Bauern, der ein altes Pferd für die Feldarbeit hatte. Eines Tages entfloh das Pferd in die Berge, und als alle Nachbarn das Pech des Bauern bedauerten, antwortete der Bauer: „Pech oder Glück? Wer weiß?“ Eine Woche später kehrte das Pferd mit einer Herde Wildpferde aus den Bergen zurück, und diesmal gratulierten die Nachbarn dem Bauern wegen seines Glücks. Seine Antwort hieß: „Glück oder Pech? Wer weiß?“

Als der Sohn des Bauern versuchte, eines der Wildpferde zu zähmen, fiel er vom Rücken des Pferdes und brach sich ein Bein. Jeder hielt das für ein großes Pech. Nicht jedoch der Bauer, der nur sagte: „Pech oder Glück? Wer weiß?“ Ein paar Wochen später marschierte die Armee ins Dorf und zog jeden tauglichen jungen Mann ein. Als sie den Bauernsohn mit seinem gebrochenen Bein sahen, ließen sie ihn zurück. Manchmal sind die Dinge nicht das, was sie nach außen hin zu sein scheinen. Spekulieren wir also nicht auf sogenanntes Glück und fürchten wir kein Unglück.
Sondern nehmen wir alles dankbar aus den Händen dessen entgegen, der „bei denen, die ihn lieben, alle Dinge zum Guten führt“ (Römer 8, 28).

Gottes Segen zum neuen Jahr!