Pfarrer Dr. Johannes Holdt, Schömberg – Predigt zum Muttertag – “Nicht zu ersetzen: Die Mutter”

Predigten im Jahreskreis

Nicht zu ersetzen: die Mutter

Predigt zum Muttertag

Pfarrer Dr. Johannes Holdt, Schömberg

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Es ist gut, wenn sich wenigstens am Muttertag alle einmal wieder daran erinnern, was sie ihrer Mutter zu verdanken haben und wenn sich die ganze Gesellschaft daran erinnert, welchen Dienst die Mütter leisten.

Leider hat es sich noch nicht in genügendem Maße herumgesprochen, was uns die Psychologen sagen – was uns aber auch unsere eigene Lebenserfahrung und unser gesunder Menschenverstand sagen könnte: dass es das A und O ist für die Entwicklung, für das Gedeihen eines Menschen, dass er von Anfang an, von Geburt an hineinwachsen darf in eine Welt der Liebe und der Geborgenheit.
Der Mensch ist – biologisch gesehen – ein Nesthocker – und zwar ein extrem pflegebedürftiger Nesthocker. – Das Menschenkind braucht nichts so sehr wie das sichere Nest und die Nestwärme; es braucht viel Pflege, viel Zuwendung  und Zeit in einer festen familiären Umgebung, damit es sich in Ruhe entwickeln kann, Urvertrauen fassen kann zur Welt und zu einer Persönlichkeit heranwächst, die ihrerseits auch wieder Positives weitergibt, etwas tut für die Menschen und die Welt.
Und in wessen Händen liegt es, dass immer wieder neu solche Menschen heranwachsen und unsere Gesellschaft erhalten? – In den Händen der Familien und darin  ganz besonders der Mütter.

Wenn man sich das einmal vor Augen führt: Kann es eine wichtigere Aufgabe geben als Mutter zu sein und sich mit ganzem Einsatz dieser Aufgabe zu widmen? Und ist es nicht unverständlich und unverzeihlich, wie man in vergangenen Jahren den Frauen, die „nur“ Hausfrau und Mutter sind, geradezu einen Minderwertigkeitskomplex eingeimpft hat ?
Die Folgen dessen wird einmal die ganze Gesellschaft zu spüren bekommen: Wenn bis in ein paar Jahren Deutschland überaltert ist – wir sind mit der niedrigsten Geburtenrate der Welt geradezu ein sterbendes Volk –  – und wenn es außerdem  mehr und mehr junge Leute gibt, die nicht mehr die notwendige familiäre Basis mitbekommen haben und darum haltlos und emotional entwurzelt sind und sich destruktiv verhalten.
Die Familie ist durch nichts zu ersetzen!  Deshalb bitte jetzt nicht die alte DDR kopieren und mit flächendeckenden Kinderkrippen und Horten auf „Sozialismus light“ machen! Dafür müssen uns die Kinder und auch die Mütter zu schade sein. Man wird auf diese Weise auch nicht dem Geburtenrückgang wehren. Denn welche Frau will ein Kind für die Kinderkrippe bekommen ?

Zu dem Unvergleichlichen und Unersetzlichen, was Mütter für ihre Kinder und damit für die gesamte Gesellschaft tun, gehört auch die Weitergabe des Glaubens.
Die Eltern – und besonders die Mütter sind die ersten und wichtigsten Glaubensboten für die Kinder.
Wir alle haben den Glauben nicht gelernt vom Pfarrer oder von der Religionslehrerin; wir haben ihn gelernt bei der Mutter, die abends am Bett mit uns gebetet und uns das erste Mal von Gott erzählt hat.  Auch für die Religion gilt: die Basis wird am Anfang gelegt. – Das religiöse Fundament des Lebenshauses wird in der Kindheit gelegt, und was hier unterlassen wird, ist später nur schwer zu ersetzen.
Darum appelliere ich immer wieder an junge Eltern, diese Aufgabe ernst zu nehmen. Nicht nur für das materielle Wohl der Kinder zu sorgen, sondern vor allem für das seelische. Auch für die Kinder gilt der Satz: Der Mensch lebt nicht vom Brot allein…
Wir dürfen den Kindern nicht das Wichtigste, die Beziehung zu Gott vorenthalten! Gerade in unserer chaotischen Zeit. Möchten das doch die jungen Eltern verstehen, dass es wichtig ist, dem Glauben Platz im Familienleben zu geben, und das heißt vor allem: dem täglichen Gebet. Und wer das versucht, wird auch bald merken, welcher Segen das ist und welche Bereicherung, wenn Gott in der Familie gegenwärtig ist; wie man dadurch auch entlastet und getragen ist in der Sorge um die Kinder und die Familie insgesamt gestützt wird.

Jesus sagt uns im heutigen Evangelium: >Ich bin der Weinstock – ihr seid die Reben. Ohne mich könnt ihr nichts tun. Aber in der Verbundenheit mit mir seid ihr stark und werdet Frucht bringen< (Joh 15,5).
Das gilt für jeden Einzelnen. Das gilt auch für die Familie. Und wenn heute so viele Familien kaputt gehen: Liegt es nicht auch daran, dass das Fundament des Glaubens fehlt? Umgekehrt gilt: Die christliche Familie ist nicht auf Sand gebaut. Sie hat Zukunft!

Die große Mutter Teresa sagt es so: „Eine Familie, die zusammen betet, hält auch zusammen“.
Und das ist mein Wunsch für unsere Familien am heutigen Muttertag.

Amen

Wer ist Pfarrer Dr. Johannes Holdt

Pfarrer Dr. Johannes Holdt aus Schömberg
Einladung bei Papst Benedikt XVI. am 29. Mai 2015 in Rom

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Pfarrer Dr. Johannes Holdt ist seit 1997 Pfarrer in Schömberg (Zollernalbkreis) und Leitender Pfarrer der Seelsorgeeinheit “Oberes Schlichemtal” mit neun Kirchengemeinden und dem Wallfahrtsort Palmbühl. Daneben publizistische Tätigkeit, besonders über die katholische Internet-Initiative “AlphaOmega”.

Geboren und aufgewachsen ist Pfarrer Johannes Holdt in Tübingen. Studium der Theologie und Philosophie in Tübingen und München, Priesterweihe 1990 in Weingarten. Vikar in Oberndorf am Neckar und Repetent am Wilhelmsstift in Tübingen. Promotion zum Dr. theol. im Jahre 1996 an der Katholisch-Theologischen Fakultät der Universität Augsburg mit einer Dissertation zum Thema “Hugo Rahner: sein geschichts- und symboltheologisches Denken” (Paderborn: Schöningh, 1997).

 

Stadtpfarrer Dr. Johannes Holdt aus Schömberg hat Verbindungen zu Papst Benedikt XVIStadtpfarrer Dr. Johannes Holdt aus Schömberg hat Verbindungen zu Papst Benedikt XVI

Die Wahl von Kardinal Joseph Ratzinger zu Papst Benedikt XVI hat weltweit für Aufsehen gesorgt. Besonders gefreut hat sich Stadtpfarrer Dr. Johannes Holdt aus Schömberg/Baden-Württemberg.

Pfarrer Holdt kennt den neuen Papst seit zwölf Jahren persönlich.

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Dr. Johannes Holdt hat sich über die Wahl von Kardinal Ratzinger zum ersten deutschen Papst seit fast 500 Jahren ganz besonders gefreut. Der Schömberger Pfarrer pflegt seit zwölf Jahren engen brieflichen Kontakt zu dem früheren Kurienkardinal. Damals sandte Dr. Holdt dem brillanten Theologen seine Dissertation über das geschichts- und symboltheologische Denken Hugo Rahners zu – und Kardinal Ratzinger hat sie ganz genau durchgelesen. Zwischenzeitlich hat der frühere Kardinal mehrmals den Stadtpfarrer Dr. Holdt zitiert, unter anderem in seinem Buch “Auf dem Weg zu Jesus Christus”.

Wenn der Schömberger Pfarrer in Rom weilte, wurde er öfter von Kardinal Ratzinger empfangen, obwohl sein Terminkalender sehr wenig Raum für Treffen gab. Vor einigen Jahren war Pfarrer Johannes Holdt mit einer Reisegruppe in Rom, und Joseph Ratzinger begrüßte die Pilger.

“Er ist ein sehr bescheidener, sehr liebenswürdiger und äußerst intelligenter Mensch”, charakterisiert Dr. Holdt den neuen Papst. Als “Gelehrter auf dem Stuhle Petri” traut er ihm zu, besondere Akzente zu setzen. Papst Benedikt XVI sei eine “große Gelehrtenpersönlichkeit, ein unglaublich gescheiter Mensch, der unter anderem die Fähigkeit hat, druckreif zu reden”. Stadtpfarrer Dr. Holdt sieht den neuen Papst als “einen großen Gewinn für die Weltkirche”.

Im Juni 2005 wollte Kardinal Joseph Ratzinger eigentlich zum Kongress “Freude am Glauben” nach Regensburg kommen. Dort hätte ihn Dr. Johannes Holdt, der bei dieser Veranstaltung einen Vortrag hält, wieder treffen sollen. Daraus wurde allerdings nichts. Dafür bekam der Schömberger Stadtpfarrer eine Postkarte zum Weihnachtsfest.

Die Wahl Kardinals Ratzingers zum Papst ist bei Pfarrer Dr. Johannes Holdt etwas getrübt. “Die Miesmacherei ist übel”, sagt er und weist auf die gespaltene öffentliche Meinung im Heimatland von Papst Benedikt XVI hin.

Das sehen viele andere Gläubige auch so. Der Pfarrer aus der Nachbargemeinde Ratshausen, Hausen und Weilen, Adam Ferenc, meint; er sei nicht überrascht gewesen von dieser Wahl: “Gott hat mit Ratzinger etwas vor. Ich habe Vertrauen in den Heiligen Geist”. Eines allerdings kann der polnische Pfarrer, der die Trauer seiner Landsleute um Johannes Paul II in seiner Heimat erlebt hat, nach der Wahl des neuen Papstes nicht nachvollziehen: “Die Italiener jubeln, in Krakau wird groß gefeiert, andere Nationen freuen sich – aber viele Deutsche trauern. Das ist mir ein Rätsel.”

Die Predigten und Vorträge von Herrn Pfarrer Dr. Johannes Holdt können sie in “Aktuelles” lesen oder allesamt in seiner Homepage:

www.catholic-church.org/ao/ser/autor.html

 

Pfarrer Dr. Holdt schreibt:
Wenn Sie inhaltliche Fragen zu meinen Predigten haben, Ihre Meinung dazu sagen möchten
oder einen seelsorgerlichen Kontakt wünschen, freue ich mich über Ihre Zuschrift:

johannes.holdt@online.de ”

Anschrift:
Pfarrer Dr. Johannes Holdt
Caspar-Oeschle-Platz 1
72355 Schömberg

Best of Benedikt XVI
Aus den Ansprachen in Deutschland 2011
Update: Aus der letzten Generalaudienz in Rom am 27. Feburar 2013

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Foto von Pfarrer Dr. Johannes Holdt

Warum Kirche?

Glaube ist immer auch wesentlich Mitglauben. Dass ich glauben kann, verdanke ich zunächst Gott, der sich mir zuwendet und meinen Glauben sozusagen „entzündet”. Aber ganz praktisch verdanke ich meinen Glauben auch meinen Mitmenschen, die vor mir geglaubt haben und mit mir glauben. Dieses „mit”, ohne das es keinen persönlichen Glauben geben kann, ist die Kirche.
(Erfurter Domplatz 24. 9. 11)

Immer habe ich gewusst, dass der Herr mit im Boot ist, und immer habe ich gewusst, dass das Schiff der Kirche nicht mir gehört, auch nicht uns gehört, sondern dem Herrn, der es nie sinken lassen wird. Er ist es, der dieses Schiff lenkt, natürlich auch mittels der Menschen, die er dazu auserwählt, denn so hat er es gewollt…

Wir erfahren, was die Kirche ist: keine Organisation, kein Verein, der religiöse oder humanitäre Ziele verfolgt, sondern ein lebendiger Leib, eine Gemeinschaft von Brüdern und Schwestern, die im Leib Christi vereint sind. Die Kirche so zu erleben, ihre Wahrheit und Liebe fast mit Händen fassen zu können, ist ein Grund zu großer Freude, besonders in Zeiten, wo alle von ihrem Niedergang sprechen. Heute sehen wir, wie lebendig die Kirche ist!

(Rom 27. Februar 2013)

Reform der Kirche?

Seit Jahrzehnten erleben wir einen Rückgang der religiösen Praxis, stellen wir eine zunehmende Distanzierung beträchtlicher Teile der Getauften vom kirchlichen Leben fest. Es kommt die Frage auf: Muss die Kirche sich nicht ändern? Muss sie sich nicht in ihren Ämtern und Strukturen der Gegenwart anpassen, um die suchenden und zweifelnden Menschen von heute zu erreichen?
Die selige Mutter Teresa wurde einmal gefragt, was sich ihrer Meinung nach als erstes in der Kirche ändern müsse. Ihre Antwort war: Sie und ich!
An dieser kleinen Episode wird uns zweierlei deutlich. Einmal will die Ordensfrau dem Gesprächspartner sagen: Kirche sind nicht nur die anderen, nicht nur die Hierarchie, der Papst und die Bischöfe; Kirche sind wir alle, wir, die Getauften. Zum anderen geht sie tatsächlich davon aus: ja, es gibt Anlass, sich zu ändern. Es ist Änderungsbedarf vorhanden. Jeder Christ und die Gemeinschaft der Gläubigen sind zur stetigen Änderung aufgerufen.
(Rede vor engagierten Katholiken 25.9.11)

Ich ermutige die Kirche in Deutschland, mit Kraft und Zuversicht den Weg des Glaubens weiterzugehen, der Menschen dazu führt, zu den Wurzeln, zum wesentlichen Kern der Frohbotschaft Christi zurückzukehren. „Es gibt nichts Schöneres, als Christus zu kennen und den anderen die Freundschaft mit ihm zu schenken“ (Predigt zur Amtseinführung, 24. April 2005). Aus dieser Erfahrung wächst schließlich die Gewissheit: „Wo Gott ist, da ist Zukunft!“ Wo Gott zugegen ist, da ist Hoffnung und da eröffnen sich neue, oft ungeahnte Perspektiven, die über den Tag und das nur Kurzlebige hinausreichen. In diesem Sinne begleite ich in Gedanken und im Gebet den Weg der Kirche in Deutschland.
(Abschiedsrede auf dem Flughafen Lahr 25.9.11)

Die eigentliche Krise der Kirche in der westlichen Welt ist eine Krise des Glaubens. Wenn wir nicht zu einer wirklichen Erneuerung des Glaubens finden, wird alle strukturelle Reform wirkungslos bleiben.
(Ansprache vor dem ZDK 24.9.11)

Was ist Glaube?

Braucht der Mensch Gott, oder geht es auch ohne ihn ganz gut? Wenn in einer ersten Phase der Abwesenheit Gottes sein Licht noch nachleuchtet und die Ordnungen des menschlichen Daseins zusammenhält, scheint es, dass es auch ohne Gott geht. Aber je weiter die Welt sich von Gott entfernt, desto klarer wird, daß der Mensch in der Hybris der Macht, in der Leere des Herzens und im Verlangen nach Erfüllung und Glück immer mehr das Leben verliert. Der Durst nach dem Unendlichen ist im Menschen unausrottbar da. Der Mensch ist auf Gott hin erschaffen und braucht ihn. Ein selbstgemachter Glaube ist wertlos. Der Glaube ist nicht etwas, was wir ausdenken oder aushandeln. Er ist die Grundlage, auf der wir leben. Nicht durch Abwägung von Vor- und Nachteilen, sondern nur durch tieferes Hineindenken und Hineinleben in den Glauben wächst Einheit.
(Beim Ökumenischen Gottesdienst in Erfurt 23.9.11)

Fragen wir uns dann: Wie steht es mit meiner persönlichen Gottesbeziehung – im Gebet, in der sonntäglichen Messfeier, in der Vertiefung des Glaubens durch die Betrachtung der Heiligen Schrift und das Studium des Katechismus der Katholischen Kirche? Liebe Freunde! Die Erneuerung der Kirche kann letztlich nur durch die Bereitschaft zur Umkehr und durch einen erneuerten Glauben kommen.
(Messfeier Freiburg 25.9.11)

Er, der von sich sagt: „Ich bin das Licht der Welt“ (Joh 8,12), bringt unser Leben zum Leuchten, damit wahr wird, was wir soeben im Evangelium gehört haben: „Ihr seid das Licht der Welt“ (Mt 5,14). Es sind nicht unsere menschlichen Anstrengungen oder der technische Fortschritt unserer Zeit, die Licht in diese Welt bringen. Immer wieder müssen wir es ja erleben, dass unser Mühen um eine bessere und gerechtere Ordnung an seine Grenzen stößt. Das Leiden der Unschuldigen und letztlich der Tod eines jeden Menschen sind ein undurchdringliches Dunkel, das vielleicht von neuen Erfahrungen her für einen Moment, wie durch einen Blitz in der Nacht, erhellt werden mag. Am Ende bleibt aber doch eine beängstigende Finsternis.
Es mag um uns herum dunkel und finster sein, und doch schauen wir ein Licht: eine kleine, winzige Flamme, die stärker ist als die so mächtig und unüberwindbar scheinende Dunkelheit. Christus, der von den Toten auferstanden ist, leuchtet in dieser Welt und gerade dort am hellsten, wo nach menschlichem Ermessen alles düster und hoffnungslos ist. Er hat den Tod besiegt – Er lebt – und der Glaube an ihn durchbricht wie ein kleines Licht all das, was finster und bedrohlich ist. Wer an Jesus glaubt, hat sicherlich nicht immer Sonnenschein im Leben, so als ob ihm Leiden und Schwierigkeiten erspart bleiben könnten, aber stets gibt es da einen hellen Schein, der ihm einen Weg zeigt, der zum Leben in Fülle führt (vgl. Joh10,10). Wer an Christus glaubt, dessen Augen schauen auch in der dunkelsten Nacht ein Licht und sehen schon das Leuchten eines neuen Tages.
Liebe Freunde, Christus achtet nicht so sehr darauf, wie oft ihr im Leben strauchelt, sondern wie oft ihr wieder aufsteht. Er fordert keine Glanzleistungen, sondern möchte, dass Sein Licht in euch scheint. Er ruft euch nicht, weil ihr gut und vollkommen seid, sondern weil Er gut ist und euch zu seinen Freunden machen will. Ja, ihr seid das Licht der Welt, weil Jesus euer Licht ist. Ihr seid Christen – nicht weil ihr Besonderes und Herausragendes tut, sondern weil Er, Christus, euer Leben ist. Ihr seid heilig, weil seine Gnade in euch wirkt.
(Bei der Gebetsvigil mit Jugendlichen 24.9.11)

Wir befinden uns im Jahr des Glaubens, das ich eben deshalb gewollt habe, um unseren Glauben an Gott in einer Zeit, die ihn immer mehr scheint an den Rand drängen zu wollen, wieder zu stärken. Ich möchte uns alle auffordern, unser festes Vertrauen an Gott zu erneuern und uns wie Kinder den Armen Gottes anzuvertrauen in der Gewissheit, dass diese Arme uns immer stützen und es uns ermöglichen werden, jeden Tag unseren Weg zu gehen, auch dann, wenn er schwierig wird. Ich möchte, dass jeder sich von jenem Gott geliebt weiß, der seinen Sohn für uns hingab und uns seine grenzenlose Liebe gezeigt hat. Ich möchte, dass jeder die Freude spürt, Christ zu sein. Ein schönes Gebet, das man jeden Morgen beten sollte, lautet: „Mein Gott, ich bete dich an, und ich liebe dich aus ganzem Herzen. Ich danke dir, dass Du mich erschaffen hast, dass ich Christ sein darf…“. Ja, wir wollen dankbar sein, dass wir die Gabe des Glaubens empfangen haben; sie ist die größte aller Gaben, und niemand kann sie uns nehmen! Lasst uns dem Herrn täglich dafür danken, im Gebet und durch ein konsequent christliches Leben. Gott liebt uns; er erwartet aber auch, dass wir ihn lieben!

(Rom 27. Februar 2013)

Zeitkritik

Stellen wir uns vor, ein solches exposure-Programm fände hier in Deutschland statt. Experten aus einem fernen Land würden sich aufmachen, um eine Woche bei einer deutschen Durchschnittsfamilie zu leben. Sie würden vieles hier bewundern, z. B. den Wohlstand, die Ordnung und die Effizienz. Aber sie würden mit unvoreingenommenen Blick auch viel Armut feststellen: Armut, was die menschlichen Beziehungen betrifft, und Armut im religiösen Bereich.
Wir beobachten, wie dieser Relativismus immer mehr Einfluss auf die menschlichen Beziehungen und auf die Gesellschaft ausübt. Dies schlägt sich auch in der Unbeständigkeit und Sprunghaftigkeit vieler Menschen und einem übersteigerten Individualismus nieder. Mancher scheint überhaupt keinen Verzicht mehr leisten oder ein Opfer für andere auf sich nehmen zu können. Auch das selbstlose Engagement für das Gemeinwohl, im sozialen und kulturellen Bereich oder für Bedürftige nimmt ab. Andere sind überhaupt nicht mehr in der Lage, sich uneingeschränkt an einen Partner zu binden. Man findet kaum noch den Mut zu versprechen, ein Leben lang treu zu sein; sich das Herz zu nehmen und zu sagen, ich gehöre jetzt ganz dir, oder entschlossen für Treue und Wahrhaftigkeit einzustehen und aufrichtig die Lösung von Problemen zu suchen.
Die eigentliche Krise der Kirche in der westlichen Welt ist eine Krise des Glaubens. Wenn wir nicht zu einer wirklichen Erneuerung des Glaubens finden, wird alle strukturelle Reform wirkungslos bleiben.
(Ansprache vor dem ZDK 24.9.11)

Ökumene

Muss man dem Säkularisierungsdruck nachgeben, modern werden durch Verdünnung des Glaubens? Natürlich muss der Glaube heute neu gedacht und vor allem neu gelebt werden, damit er Gegenwart wird. Aber nicht Verdünnung des Glaubens hilft, sondern nur ihn ganz zu leben in unserem Heute. Dies ist eine zentrale ökumenische Aufgabe. Dazu sollten wir uns gegenseitig helfen: tiefer und lebendiger zu glauben. Nicht Taktiken retten uns, retten das Christentum, sondern neu gedachter und neu gelebter Glaube, durch den Christus und mit ihm der lebendige Gott in diese unsere Welt hereintritt.
(Ansprache vor Repräsentanten der EKD 23.9.11)

Unser erster ökumenischer Dienst in dieser Zeit muss es sein, gemeinsam die Gegenwart des lebendigen Gottes zu bezeugen und damit der Welt die Antwort zu geben, die sie braucht.
Aber der Glaube der Christen beruht nicht auf einer Abwägung unserer Vor- und Nachteile. Ein selbstgemachter Glaube ist wertlos. Der Glaube ist nicht etwas, was wir ausdenken oder aushandeln. Er ist die Grundlage, auf der wir leben. Nicht durch Abwägung von Vor- und Nachteilen, sondern nur durch tieferes Hineindenken und Hineinleben in den Glauben wächst Einheit.
(Beim Ökumenischen Gottesdienst in Erfurt 23.9.11)

Maria

Wenn sich Christen zu allen Zeiten und an allen Orten an Maria wenden, dann lassen sie sich dabei von der spontanen Gewissheit leiten, dass Jesus seiner Mutter ihre Bitten nicht abschlagen kann; und sie stützen sich auf das unerschütterliche Vertrauen, dass Maria zugleich auch unsere Mutter ist – eine Mutter, die das größte aller Leiden erfahren hat, alle unsere Nöte mitempfindet und mütterlich auf ihre Überwindung sinnt. Wie viele Menschen sind Jahrhunderte hindurch zu Maria gepilgert, um vor dem Bild der Schmerzensreichen – wie hier in Etzelsbach – Trost und Stärkung zu finden!
Unser Vertrauen auf die wirksame Fürsprache der Gottesmutter und unsere Dankbarkeit für die immer wieder erfahrene Hilfe tragen in sich selbst gleichsam den Impuls, über die Bedürfnisse des Augenblicks hinauszudenken. Was will Maria uns eigentlich sagen, wenn sie uns aus der Not errettet? Sie will uns helfen, die Weite und Tiefe unserer christlichen Berufung zu erfassen. Sie will uns in mütterlicher Behutsamkeit verstehen lassen, dass unser ganzes Leben Antwort sein soll auf die erbarmungsreiche Liebe unseres Gottes. Begreife – so scheint sie uns zu sagen –, dass Gott, der die Quelle alles Guten ist und der nie etwas anderes will als dein wahres Glück, das Recht hat, von dir ein Leben zu fordern, das sich rückhaltlos und freudig seinem Willen überantwortet und danach trachtet, dass auch die anderen ein Gleiches tun. „Wo Gott ist, da ist Zukunft”. In der Tat – wo wir Gottes Liebe ganz über unser Leben wirken lassen, dort ist der Himmel offen. Dort ist es möglich, die Gegenwart so zu gestalten, dass sie mehr und mehr der Frohbotschaft unseres Herrn Jesus Christus entspricht. Dort haben die kleinen Dinge des Alltags ihren Sinn, und dort finden die großen Probleme ihre Lösung.
(Marienvesper im Eichsfeld 23.9.11)

Papst

Erlaubt mir, in Gedanken noch einmal zu jenem 19. April 2005 zurückzukehren. Von jenem Augenblick an bin ich immer und für immer mit der Arbeit für den Herrn beschäftigt gewesen. Immer: Wer das Amt des Nachfolgers Petri annimmt, hat kein Privatleben mehr. Er gehört immer und ganz der Kirche, das heißt, allen. Seinem Leben wird sozusagen die Privatsphäre völlig entzogen. Ich habe dabei erfahren, und ich erfahre es auch jetzt wieder, dass man sein Leben genau dann empfängt, wenn man es seinen Brüdern schenkt. Ich sagte vorhin, dass viele Menschen, die den Herrn lieben, auch den Nachfolger Petri lieben. Der Papst hat wirklich unzählige Brüder und Schwestern, Söhne und Töchter in der ganzen Welt; er fühlt sich geborgen in dieser Umarmung der Gemeinschaft, eben weil er nicht mehr sich selbst gehört, sondern allen und weil alle ihm gehören.

(Rom 27. Februar 2013)

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