China: Neue Übersetzung soll Bibel ‚kommunistischer’ machen

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8 Januar 2019

China: Neue Übersetzung soll Bibel ‚kommunistischer’ machen

CHINA: VERFOLGUNG PROTESTANTISCHER HAUSKIRCHEN

CHINA: VERFOLGUNG PROTESTANTISCHER HAUSKIRCHEN

KIRCHENSCHLIESSUNGEN UND MASSENVERHAFTUNGEN 

Zion Church in Peking 

  • Anfang September 2018 wurde die Zion Church gesetzlich verboten und „illegales Werbematerial“ konfisziert.Die Zion Kirche ist eine der größten protestantischen Untergrundgemeinden in der Hauptstadt. Manche ihrer Gottesdienste wurden von bis zu 1500 Menschen besucht.  
  • Lt. Behörden hat die protestantische Kirche die Vorschriften gebrochen, indem sie nicht genehmigte Massenveranstaltungen organisierte. Als Folge davon wurde ihr einige Tage zuvor die Nutzung der Halle untersagt, die ihr als wichtigster Versammlungsort diente.
  • Die Zion Kirche selbst wurde trotz wiederholter Versuche ihrer Leiter formal nie anerkannt. Die Regierung bestand vielmehr darauf, dass sich die Zion Church  der regimehörigen Drei-Selbst-Bewegung anschließt.  
  • Trotzdem genoss sie bis vor kurzem eine gewisse Freiheit. Nachdem die Gemeinde es ablehnte, eine TV Überwachungskamera zu installieren, drehte ihr die Regierung im April 2018 kurzfristig Wasser und Strom ab. Und Anfang September wurde die Nutzung der Halle, die ihr als Versammlungssaal diente, untersagt. „Ich fürchte, es gibt für uns keine Möglichkeit diese Angelegenheit mit den Behörden zu lösen“, sagte Jin Mingrin, Pastor der Zion Kirche. „In diesem Land ist Gott der Einzige, dem wir vertrauen können.“ 

Rongguili Church in Guangzhou (Guangdong) 

  • Am 16. Dezember 2018 wurde die Rongguili Church in der Stadt Guangzhou (Provinz Guangdong, S) geschlossen und versiegelt, nachdem 60 Polizisten und Beamte für religiöse Angelegenheiten eine Razzia durchführten. Die Polizei drang während der Bibelstunde für Kinder in das Kirchengebäude ein, löste die Bibelstunde auf, beschlagnahme Listen und Bücher, notierte die Personalien der Anwesenden und beschlagnahmte deren Mobiltelefone. 
  • Die Rongguili Church wurde in den späten 70er Jahren von Pastor Samuel Lamb gegründet, einem der prominentesten Befürworter der Religionsfreiheit für Christen in der Untergrundbewegung. Zuletzt haben jede Woche etwa 5000 Personen ihre Gottesdienste besucht. 

Early Rain Convenant Church in Chengdu (Sichuan)  

Massenverhaftung 

  • Am 9. und 10. Dezember 2018 wurden etwa 100 Mitglieder und Seminaristen der Early Rain Covenant Church (kurz: Early Rain) in Chengdu (Provinz Sichuan, SW) verhaftet, darunter Pastor Wang Yi und seine Frau Jiang Rong. Am 11. Dezember  wurde dann auch Li Yingquang verhaftet, dem es zunächst gelungen war, sich der Verhaftung zu  entziehen und die Medien zu benachrichtigen. 
  • Die meisten wurden nach ein paar Tagen wieder freigelassen, nicht aber Pastor Wang Yi und seine Frau Jiang Rong. Die Behörden werfen ihnen vor, den Staat unterwandern zu wollen. Ihnen drohen bis zu 5 Jahren Haft. 

Kirchenschließung 

  • Die Kirche, die angeschlossene Schule sowie das Seminar  wurden behördlich geschlossen und Bibeln beschlagnahmt. Am Heiligen Abend brachten die Behörden ein Schild am Hauptquartier der Early Rain im 23. Stock eines Hochhauses an, das besagt, dass die Räumlichkeiten von nun an ein Büro lokaler Behörden sind. 
  • Li Shuangde, ein Lehrer in Chengu, der seit 2011 der Early Rain angehört, sagte, dass der Early Rain keine andere Wahl bliebe, als unterzutauchen: „Wir sind in den Untergrund gegangen.“ Mitglieder halten weiterhin Sonntagsgottesdienste ab, manchmal am Ufer des Flusses in der Nähe des früheren Hauptquartiers. 

Viele weitere Kirchenschließungen 

  • Bob Fu, Gründer von CAA (China  Aid Association) stellte fest,  dass im  Jahre  2018, während der härtesten religiöser Unterdrückung seit Jahrzehnten, viele Kirchen geschlossen wurden. Fu glaubt, dass der Angriff auf die Early Rain Covenant Church eine große Eskalation der religiösen Verfolgung in China darstellt. 
  • Seit Xi Jinping  2012 an die  Macht kam, betreiben die Behörden eine anhaltende Kampagne gegen nichtregistrierte Kirchen. Allein in der Provinz Zenjiang wurden von 2014 bis 2016 über 1500 Kreuze von den Kirchen entfernt und zahlreiche Kirchen geschlossen, wenn nicht gar niedergerissen. 

PROTESTANTISCHE  HAUSKIRCHEN 

Charakter und Zahlen 

  • Bei den protestantischen Hauskirchen handelt es sich um offiziell nicht anerkannte Kirchen. 
  • Zur Mitgliederzahl gibt es recht unterschiedliche Angaben. Offiziellen Angaben ist nicht zu trauen, aber auch die Expertenschätzungen gehen weit auseinander. Die angegebenen Zahlen der Christen insgesamt reichen bis zu 130 Millionen, wovon  mindestens die Hälfte den Untergrundkirchen zugerechnet werden. Das Christentum gilt als die am schnellsten wachsende Religion in China. 
  • Im Vergleich dazu hat die Kommunistische Partei  83 Millionen Mitglieder 

Große Attraktivität von Hauskirchen 

  • Unabhängige Kirchen haben in den letzten Jahren eine große Anhängerschaft insbes. unter den Angestellten gewonnen, die versuchen dem überbordenden Materialismus zu entkommen, der das moderne chinesischen Leben beherrscht. 
  • Während Predigten in offiziellen Kirchen sich engen Vorgaben beugen müssen, boomen unabhängige Kirchen mit ihren feurigen Anklagen gegen Korruption und aufrüttelnden Aufrufen,  das Recht der Armen zu schützen. 
  • Herr Gu, ein Reishändler, begann vor 2 Jahren die Gottesdienste der Early Rain zu besuchen, nachdem er im Internet auf Videos mit Predigten von Pastor Wang gestoßen war. Er fand, dass Pastor Wangs Sorge um die Armen mit seinen eigenen Ansichten übereinstimmen, wonach die Regierung die Arbeiter grausam behandelt, die Menschenrechte verletzt indem sie Häuser zerstört, um für kostspielige Entwicklungsvorhaben Platz zu schaffen. Herr Gu wurde letztes Jahr getauft. „Ich sah, die Ungerechtigkeiten in der Gesellschaft. Ich sah, dass die Behauptung der Regierung, wonach China ein gerechtes Land sei, dass die Gesetze auf zivilisierte Art und Weise umsetzt, eine einzige Lüge ist.“  

„Gefahr“  für Partei und Regierung 

  • Präsident Xi Jinping fürchtet offenbar, dass unabhängige Gottesdienste eine Gefahr für die Dominanz der Kommunistischen Partei über das tägliche Leben in China darstellen und versucht das Christentum stärker unter Parteikontrolle zu bringen. 
  • Renee Xia (internationale Direktorin von China Human Rights Defenders) zufolge zielen diese Versuche auf „das Herz des christlichen Widerstands im Untergrund“. Die Regierung fokussiert ihre Kampagne auf inoffizielle christliche Kirchen, die Ideen wie soziale Gerechtigkeit verbreiten oder Kritik üben am diktatorischen Zugriff der Partei auf die Gesellschaft. 

EARLY RAIN  UND  PASTOR WANG YI

Untergrundkirche mit offener Mission 

  • Die Early Rain hat etwa 500 Mitglieder, aber ihre wöchentlichen Treffen verteilen sich auf 12 Treffpunkte rund um Chengdu und ziehen wöchentlich mehr als 800 Kirchenbesucher an. 
  • Die Early Rain ist aus Prinzip nicht registriert und einem offenen Dienst verpflichtet, unabhängig von den Umständen. 

Unbeeindruckt von der eskalierenden Verfolgung und den neuen Vorschriften für religiöse Angelegenheiten (seit 1.2.2018 in Kraft) hat Early Rain weiterhin offen gearbeitet. Sie führte nicht registrierte Gottesdienste, Gebetstreffen und Bibelstunden durch und betrieb die nicht registrierte Covenant Reformed School (etwa 40 Grundschüler) und das Covenant Seminary (etwa 100 Studenten). Sie hat auch weiterhin offen auf der Straße evangelisiert und Predigten online gestellt. 

  • Ihre Politik lässt sich am besten in ihrem „Leitfaden für Kirchen“ (Mai 2018) zusammenfassen: „Das höchste Gesetz des Christen ist die Bibel. Jedes Gesetz, das der Bibel widerspricht, werden wir mit gewaltfreien Methoden nicht befolgen.“ 

Ernstes Problem für die KPCh 

Mai 2018: erste Massenverhaftung 

Etwa 200 Early Rain Mitglieder wurden im Mai 2018 bei einer Razzia verhaftet. Während alle innerhalb von 24 Stunden wieder freigelassen wurden, wurde die Kirche gewarnt, dass sie, wenn sie sich weigert, die Vorschriften der KPCh einzuhalten, bis Ende des Jahres geschlossen würde. 

Sommer 2018: Petition 

Alarmiert durch die eskalierende Verfolgung organisierte der Leiter der Early Rain, Pastor Wang Yi, im Juli 2018 eine Petition unter dem Titel „Eine gemeinsame Erklärung der Pastoren – eine Erklärung um des christlichen Glaubens willen“. Am 30. August 2018 wurde die Petition mit 198 Unterschriften online veröffentlicht: ganz oben auf der Liste stand Early Rains Pastor Wang Yi. Bis zum 5. September war die Liste auf 439 Unterschriften angewachsen. 

8.12.2018: Manifest  

Am 8. Dezember veröffentliche Pastor Wang Yi  in den sozialen Medien ein 7.300 Worte umfassendes Manifest: „Meditation über den Glaubenskrieg“, in dem er die KPCh verurteilt, Präsident Xi  Jinping mit Cäsar und Pharao gleichsetzt und die Christen auffordert, zivilen Ungehorsam zu praktizieren. Dies nachdem die Christen oft von der regimehörigen Kirchenleitung gezwungen wurden, auf den Altären das Foto von  Präsident Xi Jinping anzubringen. 

9.12.2018: Razzien und Massenverhaftung 

Am 9. Dezember führte dann die chinesische Polizei Razzien im gesamten Stadtgebiet von Chengdu durch. Gegen 18 Uhr schnappten sie sich den Kameramann der Kirche von der Straße vor der Kirche. In koordinierten Schlägen brachen sie während der Nacht in die Häuser und Arbeitsplätze  von  Early Rain Mitgliedern ein. Um 21 Uhr war die Telefonleitung der Kirche gekappt und die Social-Media-Kanäle der Mitglieder gesperrt. 

Die Polizei drängte die Mitglieder, ein Dokument zu unterschreiben, in welchen sie sich verpflichten, die Early Rain Covenant Church (als „böser Kult“ bezeichnet), nie wieder zu besuchen. Mehr als 100 Mitglieder wurden verhaftet, darunter Pastor Wang Yi und seine Frau Jiang Rong. 

Pastor Wang Yi 

Mutigster religiöser Führer Chinas 

  • Pastor Wang Yi (45) ist nicht nur Leiter und Gründer von Early Rain, sondern auch einer der prominentesten Pastoren Chinas. Er ist ausgebildeter Jurist und ehemaliger Dozent. Er war ein weithin bekannter Blogger und Filmkritiker und galt Anfang des Jahrhunderts in Medienkreisen als einer der prominentesten Intellektuellen. 
  • Im Jahre 2005 wurde er Christ und 2008 gründete er die  Early Rain Covenant Church. Im Ausland wurde er vor allem dadurch bekannt, dass er im Jahre 2006 zusammen mit 2 anderen chinesischen Pastoren vom damaligen Präsidenten George W. Bush im Weißen Haus empfangen wurde. 
  • Pastor Wang Yi gilt auch als der mutigste religiöser Führer Chinas: Jedes Jahr  veranstaltet die Early Rain einen Gottesdienst im Gedenken an die  Opfer des Massakers am Tian’anmen Platz (4. Juni 1989). Letzten Juni wurde deswegen ihr Hauptquartier vorübergehend geschlossen.  Er hat auch die neuen Vorschriften für religiösen Angelegenheiten als Instrument der Unterdrückung der Religionsfreiheit angeprangert. 

Dokument in Vorahnung auf Verhaftung 

  • Nach seiner Verhaftung wurde ein umfangreiches Dokument veröffentlicht, dass er in Vorahnung  auf seine baldige Verhaftung verfasst hatte und das veröffentlich werden sollte, falls er für mehr als 2 Tage inhaftiert wird. 
  • Darin erklärt er, wie sein politischer und ziviler Ungehorsam allein auf dem Wort der Bibel gegründet ist. Er respektiere die Autoritäten, die Gott in China etabliert habe, doch er empöre sich über die Verfolgung von Christen durch das kommunistische Regime. Ausführlich bekennt er sich in diesem Dokument zu seinem Glauben an Jesus Christus, der für alle Menschen die einzige Rettung ist und der durch seinen Tod am Kreuz für alle zum Heil geworden sei. Pastor Wang appelliert mit Nachdruck an alle, die ihn in der Gefangenschaft verhören und bewachen werden, echte Buße für ihre Sünden zu tun und sich nicht am Werk des Bösen zu beteiligen. Er werde seinen Glauben unter keinen Umständen aufgeben. 

BEREDTES SCHWEIGEN DES VATIKAN

USA – Protest 

Offizielle Stellen in den USA verurteilten die Bestrebungen der Regierung, die Verbreitung des Christentums zu behindern. „Die Christen Chinas und andere Glaubensgemeinschaften werden belagert und als Feinde des Staates betrachtet wenn sie es wagen,  Gottesdienste abzuhalten und friedlich ihren Glauben zu leben, sagten Marco Rubio (Senator von Florida) und Chris Smith (Abgeordneter zum Repräsentantenhaus von New Jersey)  in einer gemeinsamen Erklärung zu den jüngsten Verhaftungen. 

Vatikan – Schweigen 

Eine prominente Stimme aber schweigt: Der Vatikan, der im September ein provisorisches Abkommen mit der chinesischen Regierung abschloss, um einen jahrzehntelangen Machtkampf über das Recht, Bischöfe in China zu ernennen, zu beenden.  

Der Vatikan sagte, er habe im Dezember eine Delegation nach China entsandt, um Details des Abkommens auszuhandeln, lehnte es aber ab, die Razzien auf die christlichen Kirchen zu kommentieren. 

Wien, Mittwoch 30.1.2019 

 

CHINA: VERFOLGUNG DER KATHOLISCHEN KIRCHE GEHT WEITER – TROTZ ABKOMMEN

CHINA:  VERFOLGUNG DER  KATHOLISCHEN  KIRCHE   GEHT  WEITER    TROTZ ABKOMMEN 

DIE NEUE „SINISIERTE“ KULTURREVOLUTION 

Bildersturm 

Provinz Xinjiang 

  • „Es ist eine neue Kulturrevolution“, das war der häufigste Online-Kommentar in Reaktion auf ein Foto der Kirche von Yining (Xinjiang, NW), die ihrer Kreuze auf dem Gebäude beraubt worden war,  ebenso der Statuten  auf ihrem Tympanon und der Dekorationen und Bilder auf der Fassade. Aber nicht nur die 2 Kreuze am Kirchengebäude wurden abgerissen, sondern auch die Kreuze innerhalb der Kirche sind verschwunden, einschließlich Kreuzweg und Dekorationen in Kreuzform an den Kirchenbänken. Alles wurde auf Anordnung der Regierung am 27. und 28. Februar 2018 zerstört. Yining, 700 km westlich von Urumqi (Hauptstadt von Xinjiang), hat eine katholische Gemeinde mit ein paar Hundert Gläubigen. 
  • Der Bildersturm hat auch andere Städte in Xinjiang erfasst. Schon vor Weihnachten 2017 wurden alle Kreuze der Kirche in Manas zerstört, und es gab Gerüchte, dass dies auch in der Kirche von Hutubi der Fall war.

Weitere Provinzen 

  • Der Bildersturm und die Unterdrückung der Christen begannen 2014 in der Provinz Zhejiang, bevor sie auf andere Provinzen übergriffen; dabei wurden Tausende Kreuze entfernt und viele Kirchen abgerissen. 
  • Am stärksten betroffen sind die Provinzen Henan und Zhejiang, weil diese Provinzen den höchsten Anteil an Christen (Katholiken und Protestanten) aufweisen. 
  • Mitte April 2018 erreichte der Bildersturm einen neuen Höhepunkt  als ein Bulldozer das Grab des verehrten Untergrundbischofs Peter Li Hongye  in Luoyang (Provinz Henan) zerstörte. 

Bischof Li hatte nach Gefängnis, Arbeitslager und Hausarrest bis zum letzten Atemzug gedient. Er war 2011 mit 91 Jahren während der Feier der Osterliturgie verstorben, nachdem er über dem Taufwasser die Worte der Weihe gesprochen hatte: „… damit alle, die durch die Taufe mit Christus begraben sind in seinem Tod, mit ihm zum Leben auferstehen“. 

Parallelen mit der Kulturrevolution 

  • Der  Bezug zur Kulturrevolution drängt sich auf: In der Zeit von 1966 bis 1976 implementierten die Roten Garden unter Führung Mao Zedongs und der Viererbande die extremste Form des Kommunismus. Um alle Religionen auszurotten, wurden Kirchen, Tempel, Pagoden, Gebetsbücher, Statuen und Bilder zerstört und die Gläubigen verfolgt. 
  • Aber die „Kulturrevolution“ dieser Tage wird mit einem anderen Slogan gerechtfertigt: „Sinisierung“. Das bedeutet – wie Xi Jinping 3 Jahre zuvor erklärte und am Parteikongress im Oktober 2017 bestätigte – „das Anhängen an und Entwickeln von religiösen Theorien mit chinesischen Merkmalen,  weiters  das Prinzip der ‚Unabhängigkeit‘, Anpassung der Religion an die sozialistische Gesellschaft und Widerstand gegen religiöse Infiltrierung aus dem Ausland“. 

Privates Beten – verboten 

  • Aber damit sind die Parallelen mit der Kulturrevolution noch nicht erschöpft. Genau wie damals ist es den Gläubigen sogar verboten privat in ihren Häusern zu beten. Die Polizei droht bei Entdeckung von auch nur 2 Personen,  die in ihren Wohnungen gemeinsam beten, diese zu verhaften und umzuerziehen. 
  • Unter den neuen Vorschriften für religiöse Angelegenheiten (seit 1. Februar 2018 in Kraft)  dürfen Gottesdienste und Gebete nur in Kirchen abgehalten werden und zwar nur zu den von der Regierung festgelegten Zeiten. Jeder andere Ort gilt als „illegal“, wer dies nicht beachtet, kann mit Haft u/o Bußgeld bestraft werden sowie mit Enteignung des Gebäudes, in dem illegale religiöse Aktivitäten abgehalten werden. 
  • Sogar Wohnungen werden nun als „illegale Orte des Gottesdienstes“ erachtet. Religiöse Gespräche sind in allen Privathäusern unter Strafandrohung verboten. Die Gläubigen dürfen nur in der Kirche während des Sonntagsgottesdienstes beten. 

Jugendliche: religiöse Unterweisung und Kirchbesuch verboten 

  • Jugendliche unter 18 Jahren dürfen Kirchen nicht betreten und nicht in Religion unterwiesen werden – auch nicht von den Eltern. Schilder mit der Direktive „Kein Zutritt für  Minderjährige“ müssen am Kircheneingang aufgestellt werden. Bei den erwähnten Kirchen handelt es sich nicht um illegale Gebäude, sondern um offiziell registrierte Kirchen. 
  • In Zenghzhou (Hauptstadt von Henan) wurde die Feier des Ostergottesdienstes durch eine Polizeirazzia unterbrochen und alle Minderjährigen gezwungen, die Kirche zu verlassen. 

Zensur 

Der Katechismus unterliegt der Zensur. Der Online-Verkauf von Bibeln wurde im April verboten. Gemäß den am 10.9.2018 veröffentlichten neuen „Maßnahmen zur Verwaltung religiöser Informationen im Internet“ dürfen religiöse Websites nur mit Lizenz der Regierung betrieben werden; Gebetsmomente oder Predigten dürfen nicht in sozialen Medien oder Internet verbreitet werden. 

Verehrung des „Gottes“ Xi Jinping

  • Freunde aus China haben AsiaNews ein sehr bezeichnendes Foto geschickt. Es zeigt das Innere eines christlichen Hauses. Was ins Auge sticht ist, dass im Zentrum dessen was ein Ahnenaltar sein könnte, ein Bild von Präsident Xi Jinping steht, umrahmt von Grüßen zum Chinesischen Neujahr. Das Foto des lächelnden Vorsitzenden hat das Jesusbild aus dem Zentrum in die Ecke verdrängt. Das ist nicht nur Unterwerfung unter die Partei, sondern Verehrung von Xi Jinping als ob er ein Gott wäre.
  • In der Provinz Jiangxi wurden Katholiken informiert, sie hätten in ihren Wohnungen alle Bilder von Jesus durch das Portrait von Präsident Xi Jinping zu ersetzen oder sie würden keine Sozialhilfe mehr erhalten. Es gibt sogar die Vorschrift, das Foto Xi Jinpins innerhalb der Kirchen anzubringen. Die Sinisierung verpflichtet viele Pfarreien die chinesische Flagge aufzuhängen, Kreuze zu zerstören, zur Partei zu beten – und nicht zu Gott – um in diesem Leben Vorteile zu erlangen.  
  • All das ähnelt sehr der Zeit unter Mao Zedong, in der die Leute zum Großen Führer beteten, damit ihr Kohl auf den Feldern wächst und sie eine gute Ernte hätten. So gesehen ist die Sinisierung nicht nur eine politische Unterwerfung des Glaubens, sondern ein richtiger Krieg gegen die Religion, um die Götter der anderen Religionen zu vertreiben und sie durch den Gott Xi Jinping zu ersetzten. 
  • Dieser Krieg ist besonders heftig gegen protestantische und katholische Christen, deren Zahl jedes Jahre wächst. Lt. Prof. Yang Fenggang, Religionssoziologe, wird China um 2030 etwa 250 Millionen Christen haben und damit der Staat mit der höchsten Anzahl an Christen weltweit sein.  

UNVERMINDERTE VERFOLGUNG TROTZ ABKOMMEN  

Bildersturm 

3.10.2018 – Zhumadian (Henan) 

  • Am 3. Oktober 2018 wurde das erste Kreuz nach dem chinesisch-vatikanischen Abkommen zerstört. Ein Team der United Front unter Leitung ihres Provinz-Vize riss das Kreuz von der Kirche von Zhumadian (Henan) herunter, weil „es zu sichtbar war“; man konnte es sogar vom Hochgeschwindigkeitsbahnhof aus sehen.  Er sagte: „Es muss zerstört werden.“ Die United Front ist jene Behörde, die die religiösen Aktivitäten überwacht. 
  • Die Diözese Zhumadian hat über 60.000 Gläubige, ist gegenwärtig ohne Bischof und wird von P. Cosmas Ji Chengyi administriert. Die Gewalt gegen Henan erklärt sich aus dem Faktum, dass die Provinz einen hohen Anteil an Christen hat. Katholiken und Protestanten machen 10-15% der Bevölkerung aus. Damit hat Henan zusammen mit Zheijiang einen der höchsten Anteile in China.  

12.10.2018 – Luoyang (Henan) 

Am 12.10.2018 um 2.00 Uhr in der Nacht entfernten die Behörden von Luoyang (Henan) mit Hilfe eines Krans das Kreuz von der Spitze der Kirche in der Zili Straße. In einem Video kann man die betrübten Stimmen einiger Gläubigen hören, die die Demolierung beobachteten. 

10.11.2018 – Lingkun (Zhejiang) 

In Lingkun wurde das Kreuz vom Glockenturm der katholischen Kirche heruntergerissen und die Mauer vor dem Gotteshaus niedergerissen. Die Kirche ist Teil der Pfarre Yongqiang in der Diözese Whenzou (Provinz Zhejiang). 

Die Katholische Kirche  in der Diözese Wenzhou hat etwa 130.000 Gläubige und wird von Msgr. Peter Shao Zhumin geleitet, anerkannt vom Hl. Stuhl, aber nicht von der Regierung. Er wurde wiederholt verhaftet, das letzte Mal im vorigen November.

Abriss von Kirchen 

2 Marienkirchen – Ende September 

Der Abriss erfolgte nur wenige Tage nach Abschluss des Abkommens mit dem Vatikan. Beide Kirchen wurden von der offiziellen und der Untergrundkirche genutzt. 

Unsere Liebe Frau von den 7 Schmerzen in Dongergou (Shanxi) wurde abgerissen, weil sie „zu viele Kreuze und Gemälde“ hatte. 

Unsere Liebe Frau von der Glückseligkeit (Unsere Liebe Frau vom Berge) in Anlong (Guizhou) wurde niedergerissen, weil ihr angeblich die notwendige Genehmigung fehlte. 

3 offizielle Kirchen in Shangdong –Juli  bis November 2018 

17.7.2018 – Liangwang 

Mindestens 70 Polizisten und Arbeiter rissen die Kirche in Liangwang am Stadtrand von Jinan (Hauptstadt von Shangdong) nieder. Offenbar aus Gründen der Stadtplanung, denn der neue Stadtplan sieht die Entwicklung eines neuen Stadtviertels mit einer Bahnstation vor.  Die Zerstörung erfolgte ohne Vorwarnung. 

Etwa 40 Leute drangen um etwa 11.30 in die Kirche ein und vertrieben die 3 Kirchenaufseherinnen, nachdem sie ihnen ihre Handys weggenommen und zerstört hatten. Weitere 30 Personen kamen später mit Bulldozern und Spitzhacken, um das Gebäude niederzureißen. 

12.8.2018 – Qianwang 

Diese offiziell registrierte Kirche wurde demoliert, weil sie angeblich ein Stadtprojekt behindert. Um die Mittagszeit drangen rd. 100 Schlägertypen in die Kirche ein und begannen Altar, Statuen und Bänke zu zertrümmern. 

Am nächsten Tag demonstrierten etwa 70 Gemeindemitglieder, darunter 2 Priester und eine Nonne, vor dem Hauptgebäude der Stadtregierung. Unter strömenden Regen trugen sie Banner und Schilder mit Aufschriften wie: „Gebt mir meine Kirche zurück; gebt mir mein Herz zurück“, und: „Wir verurteilen die Zerstörung der Kirche und verlangen von den Behörden eine Begründung“. 

Die Kirche stammt aus dem Jahre 1750. 1958, unter Mao Zedong, wurde sie beschlagnahmt und zweckentfremdet. 1987 wurde sie nach den unter Deng Xiaoping erlassenen Gesetzen der Diözese Jinan zurückgegeben. 

11.11.2018 – Liaocheng 

Mehrere Gebäude aus den 1930er Jahren wurden demoliert, weil ihnen angeblich die notwendigen Dokumente fehlten. Die Gebäude gehörten der katholischen Pfarrei von Chaocheng. Die Demolierung erfolgte ohne Vorankündigung. 

Die Katholiken protestierten beim Regierungsamt, bekamen aber keine Antwort. Die Gläubigen hängten auf die Demolierungs-Geräte Banner, auf denen zu lesen war: „Gerät der illegalen Demolierung. Kommt und nehmt es fest. Niemals nachgeben“. Ein weibliches Kirchenmitglied errichtete ein Kreuz an der Stelle. Sie und mehrere andere Kirchenmitglieder sangen Hymnen. Weitere Banner wurden aufgehängt: „Sichert die legitimen Rechte und Interessen der Kirche. Leistet der Demolierung entschlossenen Widerstand.“ Ein anderes zitierte aus den Seligpreisungen: „Selig sind, die Verfolgung leiden“. 

Demolierung eines Nonnenklosters – Dezember 2018 

  • Am 18./19. Dezember wurde ein Kloster in der Stadt Qiqihar (Provinz Heilongjiang) von den Behörden halbzerstört. Der Bischof der Diözese Msgr. Wei Jingyi sagte, den Nonnen sei es gelungen, die Behörden zu überzeugen, jenen Teil des Gebäudes, der als Kapelle und Wohnung genutzt wurde, zu verschonen. Die anderen Teile wurden zerstört. 
  • Die Demolierung begann um etwa 11 Uhr nachts, als die Polizei in den Konvent eindrang und den Schwestern befahl, das Gebäude innerhalb einer Stunde zu verlassen. In Qiqihar fallen die Temperaturen am Abend unter den Gefrierpunkt. Einige der Polizisten und Arbeiter begannen mit der Zerstörung der Fensterrahmen und Türen. Die Demolierungsarbeiten setzten sich den ganzen nächsten Tag fort. 
  • Lt. Regierung ist das Gebäude illegal und beherbergt eine illegale Gemeinschaft. Die Nonnen gehören wie Bischof Wei Jingyi.   der Untergrundkirche an. 

„Krieg“ gegen Weihnachten 

  • Seit einigen Jahren gibt es Versuche, die Wirkung und  die „spirituelle Verschmutzung“ durch Weihnachten unter der chinesischen Bevölkerung, bes. auf den Universitäten, zu reduzieren. Letzte Weihnachten wurde der Austausch von Weihnachtsgrüßen verboten, ebenso Schaufensterdekorationen in Shoppingcenter, Weihnachtslieder und -verkäufe. 
  • In den letzten Tagen vor Weihnachten nahm der „Krieg gegen Weihnachten“ sogar noch nationalistischere Töne an. 
  • Am Heiligen Abend versammelte im Distrikt Xixian (Anhui) der Direktor einer Grundschule die Schüler und hielt eine Rede, in der er Weihnachten als eine Schade für das chinesische Volk bezeichnete, wegen der Demütigungen,  die es von den westlichen Mächten, allesamt Christen, erlitten  hat. Nach ihm hielt ein Schüler eine Rede, in der er daran erinnerte, dass der Tag nach dem Christtag der Geburtstag Mao Zedongs ist: „Für die Chinesen sollte dies der Tag zum Feiern sein.“ 
  • Am Weihnachtstag organisierten die Lehrer an der Taohuawu Mittelschule in Gushi (Henan) eine spezielle Zeremonie, in der die Schüler schworen, den chinesischen Feiertagen zu folgen. 
  • In einigen Städten der Inneren Mongolei gab es Demonstrationen vor den Geschäften mit Slogans wie „Wir lehnen ‚Stille Nacht‘ und Weihnachten ab. Wir gedenken dem Vorsitzenden Mao Zedong.“ 
  • An anderen Orten wurden Diskussionsveranstaltungen über Weihnachten abgehalten und seine Verbindung mit den Westmächten; die Ablehnung von Weihnachtsfeiern am 25. Dezember und die Erinnerung an Mao-Zedong thematisiert. 
  • All diese Veranstaltungen wurden vom Propagandabüro der  Kommunistischen Partei organisiert,  um den jungen Leuten zu helfen, „ihre Vision von Leben und ihre Werte zu korrigieren.“
  • VERHAFTUNG  UND  UMERZIEHUNG DES KLERUS 

Umerziehung des Klerus 

  • Die United Front hat gemeinsam mit der  Patriotischen Vereinigung in Hubei ein Treffen zur „Umerziehung der Priester“ einberufen. Hubei (genauer Hankow) ist der Ort, an dem 1958 der erste „unabhängige“ Bischof ohne Mandat des Hl. Stuhls geweiht wurde. Die Veranstaltung zeigt die Linie auf, die die Behörden verfolgen wollen:  Unabhängigkeit der Kirche, Behinderung des Abkommens und ideologische Unterwerfung unter die Kommunistische Partei. 
  • Der Text: „Hubei, erste Provinz mit einer unabhängigen Katholischen Kirche. Bei der Ausbildung des Klerus ist folgendes herauszustreichen:  

Erstens, auch wenn China und der Vatikan ein provisorisches Abkommen unterzeichnet haben, hat sich der Versuch des Vatikans sich in die internen Angelegenheiten der chinesischen Katholischen Kirche einzumischen nicht geändert; er stellt das hierarchische System in Frage und verbreitet negative Informationen. Dieses System wird in Zukunft sogar noch ausgefeilter und vielfältiger werden. 

Zweitens, einige Katholiken haben ihren Kopf verloren: sie sind verwirrt darüber, welcher Flagge sie folgen und welche Richtung sie einschlagen sollen … sie haben kein klares Verständnis, die Prinzipen der Unabhängigkeit und Selbstregierung scheinen vergessen zu sein! 

Drittens, nach der Teilung der Diözesen und dem Streit um kirchliches Eigentum sind in einigen Provinzen Argumente und Widersprüche infolge von Interessenskonflikten aufgetaucht.  

Mit diesen Punkt versuchen die United Front und die patriotischen Bischöfe durch die United Front die Rückgabe von Kircheneigentum zu verhindern, das in der Vergangenheit von der Partei konfisziert wurde. Nach chinesischem Gesetz müsste es den legitimen Eigentümern (d.h. den Diözesen) zurückgegeben werden. Aber Mitglieder der United Front und der Patriotischen Vereinigung haben schon lange dieses Eigentum gesetzwidrig im eigenen Namen registriert. 

4 Untergrundpriester in Hebei 

Am 11. Oktober 2018 wurden 4 Priester der Untergrundkirche in Hebei (P. Zhang Guilin, P. Wang Zhong; P. Zhang He und P. Su Guipeng) festgenommen. Sie werden an einem geheimen Ort festgehalten und einer Gehirnwäsche unterzogen, um der KPV, der Katholisch Patriotischen Vereinigung beizutreten. Die KPV ist die der Regierung (Partei) unterstellte, von Rom unabhängige Kirche. 

Untergrundbischof Shao Zhumin von Wenzhou 

  • Am 9. November wurde  Bischof Zhumin (55) erneut verhaftet und unter Druck gesetzt, der KPV beizutreten. Peter Shao Zhumin wurde 2016 zum Bischof ernannt und seither fünfmal verhaftet. Die längste Haftstrafe verhielt er nach einer Pilgerfahrt nach Europa. Damals wurde er wegen „illegaler Ausreise“ zu 11 Monaten Haft verurteilt. 
  • Dazu die Internationale Gesellschaft für Menschenrechte (IGFM): „Dieses Vorkommnis ist ein weiteres Zeichen für die Lächerlichkeit der fragwürdigen Entscheidung des Vatikans mit der Pekinger Regierung ein vorläufiges Abkommen über Bischofsernennungen abzuschließen.“ 
  1. 12.Bischöfe und Priester inhaftiert oder vermisst 

12 weitere katholische Bischöfe und Priester bleiben weiterhin in Haft oder werden vermisst. China lehnt es ab, Auskünfte über sie zu geben. Darunter der Bischof von Baoding, James Su Zhimin,  der seit 20 Jahren inhaftiert ist.  Weiters P. Liu Honggeng, der vor 3 Jahren verhaftet wurde. Kürzlich ist sein Gefängnisbuch aufgetaucht; es offenbart seine Bereitschaft für seinen Glauben zu sterben. 

P. Liu Jiandong – Priester der KPV 

Auch wer von der Religion zu begeistert ist, riskiert Bestrafung, wie P. Liu Jinangdong von der offiziellen Herz-Jesu Kirche in Zenghzou (Henan) am 23. September feststellen musste. Der Priester wurde eine Woche lang festgehalten und dann von der KPV aus dem Priesteramt entlassen, weil er zu viele Jugend- und Altengruppen hatte. 

VATIKAN-CHINA ABKOMMEN – WEITERES INSTRUMENT DER UNTERDRÜCKUNG 

  • Das Provisorische Abkommen zw. China und dem Hl. Stuhl, unterzeichnet am 22. September 2018, scheint die Verfolgung und die Gewalt gegen Katholiken  (Mitglieder der offiziellen wie der  Untergrundkirche) nicht gestoppt zu haben. Vielmehr  erweist es sich als ein weiteres Instrument für Peking, die chinesischen Gläubigen zu unterdrücken. Das Abkommen bietet dem chinesischen Regime moralische Rückendeckung und neue Möglichkeiten sich in religiöse Angelegenheiten zu Hause und in Rom einzumischen.
  • Der Sinologe Anthony Clare gesteht, dass er nach 20 Jahren der Beobachtung der Verhältnisse zwischen Rom und Peking jetzt zum ersten Mal die Strategie des Vatikans nicht nachvollziehen könne und ihm nur die Frage bleibe, „Quo vadis?“ 

Wien, Mittwoch 24.1.2019

Abkommen CHINA-VATIKAN: Besorgte Stimmen aus China

ABKOMMEN  CHINA-VATIKAN: BESORGTE STIMMEN AUS CHINA

PROVISORISCHES  ABKOMMEN CHINA-VATIKAN 

Geheimabkommen 

  • Am 22. September 2018 hat der Vatikan ein Provisorisches Abkommen mit der Volksrepublik China geschlossen. 

„Es behandelt die Ernennung der Bischöfe, eine Frage von großer Bedeutung für das Leben der Kirche, und schafft die Bedingungen für eine umfassendere Zusammenarbeit auf bilateraler Ebene“, heißt es in der Vatikanischen Erklärung. Außerdem  wurden  alle ohne päpstliche Erlaubnis geweihten Bischöfe in volle Gemeinschaft mit der Kirche aufgenommen: „Zum ersten Mal befinden sich heute alle Bischöfe in China in der Einheit mit dem Heiligen Vater, mit dem Papst, mit dem Nachfolger des Petrus“ frohlockt Kardinalstaatsekretär Parolin, Hauptverhandlungsführer. 

  • Da der Inhalt des Abkommens nicht veröffentlicht wurde, und laut Übereinkunft von Rom und Peking nicht veröffentlicht werden soll, bleiben gewichtige Fragen und erhebliche Zweifel. 

Was ist bekannt?   

  • Berichten zufolge gibt das Abkommen der atheistischen chinesischen Regierung das Recht, Bischöfe zu  nominieren und dem  Papst das Recht, gegen die Nominierung eines jeden Bischofs, der ihm unwürdig erscheint, das Veto einzulegen „Aber wie oft kann er das wirklich tun“? Ein päpstliches Veto könnte zu noch mehr vakanten Diözesen als den jetzigen 40 führen. Und wenn der September ein Präzedenzfall ist, dann  hat der Papst überhaupt nur das Recht abzusegnen: 
  • Der Papst nahm alle 7 (8, einer posthum) noch illegitimen offiziellen Bischöfe in die volle Gemeinschaft mit der Kirche auf und bestimmte 2 von ihnen sogar dazu, Untergrundbischöfe als Oberhaupt von Diözesen zu ersetzen. Auf die etwa 30 Untergrundbischöfe nimmt das Abkommen keinerlei Bezug, keiner von ihnen wurde von Peking anerkannt. Um von Peking anerkannt zu werden, müssten sie der sogen. Bischofskonferenz der offiziellen Kirche beitreten. 

2 Untergrundbischöfe müssen offiziellen Bischöfen weichen 

Msgr. Vincent Guo Xijin  

  • Ist Untergrundbischof von Mindong (Anhui, Binnenprovinz im SO, am Jangste) und war bis jetzt der ordentliche Bischof der Diözese Mindong. Nun muss er zugunsten von Msgr. Vincenzo Zhan Silu zurücktreten, der von der Regierung anerkannt und einer der  formell exkommunizierten Bischöfe ist, die Papst Franziskus wieder in die Gemeinschaft der Kirche aufgenommen hat. 

Msgr. Guo wird nun Weihbischof. Dies teilte er seinen Priestern nach einer Reise nach Peking mit, wo er Msgr. Zhan und Msgr. Claudio Maria Celli getroffen hat, den Leiter der  vatikanischen Verhandlungsdelegation. 

  • Viele Priester und Laien sind schwer enttäuscht 

Versöhnte sich in der Vergangenheit ein offizieller Bischof mit dem Vatikan und gab es in der gleichen Diözese einen Untergrundbischof, dann blieb der Untergrundbischof der ordentliche Bischof und der andere, gerade erst ausgesöhnte, wurde Weihbischof;  hier ist genau umgekehrt. 

Zudem herrscht im Falle Mindongs ein großes Ungleichgewicht: von den mehr als 90.000 Mitgliedern der Diözese, gehören mindestens 80.000 der Untergrundkirche an, betreut von 45 Priestern, 200 Nonnen und 300 konsekrierten weiblichen Laien und  Hunderten  Laienkatecheten. Dem offiziellen Bischof Zhan unterstehen hingegen nur  12 Priester. 

  • Ein Punkt bleibt noch. Um sein Bischofsamt offen ausüben zu können, benötigt Msgr. Guo die Zustimmung der Regierung und der Bischofskonferenz der offiziellen Kirche. 

Msgr. Pietro Zhuang Jinajian 

  • Ist Untergrundbischof von Shantou (Guandong, SO). Er musste dem offiziellen Bischof Josef Huang Bingzhang, der sich kürzlich mit dem Vatikan ausgesöhnt hat, weichen. 
  • Der 88 Jahre alte, romtreue Diözesanbischof von Shantou, Zhuang Jianjian, bestätigte seinen Rückzug gegenüber Global Times. Er wird sich altersbedingt ganz zurückziehen. Huang Bingzhang ist stellvertretender Vorsitzender der Patriotischen Vereinigung.

Rücktritte – Vorbedingung für das Abkommen 

  • Die Entscheidung des Rücktritts der beiden Untergrundbischöfe zugunsten von 2 offiziellen Bischöfen wurde bereits vor einem Jahr getroffen, auf einer anderen Pekingreise Cellis. Bei dieser Gelegenheit erklärte Msgr. Celli Bischof Guo, dass der Papst diesen Rücktritt verlangt, weil das chinesisch-vatikanische  Abkommen andernfalls nicht unterzeichnet werden kann. Der Papst fürchtet, dass ohne das Abkommen die chinesische Kirche von Dutzenden illegitimen Bischöfen überschwemmt wird, mit ernsten Konsequenzen für die Kircheneinheit. 
  • Die Enttäuschung in der Untergrundkirche ist enorm. Dem ausdrücklichen Befehl des Papstes könne sich aber kein Bischof verweigern, hatte Kardinal Joseph Zen erklärt. Das bischöfliche Mandat erfolgte durch Ernennung des Papstes, er könne also auch den Rücktritt verlangen. Kardinal Zen, der in den vergangenen fünf Jahren mit dem größten persönlichen Einsatz den Vatikan vor einer neuen Ostpolitik warnte, sieht sich damit gescheitert und kündigte an, künftig zu schweigen. 

Vatikan erkennt Neueinteilung der Bistümer durch das Regime an

  • Ein weiterer, bisher schismatischer Bischof, Guo Jincai, wurde vom Vatikan als rechtmäßiger Diözesanbischof des Bistums Chengde anerkannt. Damit erkannte Rom zugleich die Neueinteilung der Diözesangrenzen an. In China existierten bisher für den Heiligen Stuhl 137 Bistümer. Das kommunistische Regime zog die Grenzen jedoch neu und reduzierte die Diözesen auf 96. 
  • Die Anerkennung von Jincai als Bischof von Chengde zeigt, dass das Geheimabkommen nicht nur Bischofsernennungen, sondern die gesamte Organisation der Kirche in der Volksrepublik betrifft.

KARDINAL ZENS  KRITIK AM  ABKOMMEN  

Kardinal Zen  - vehementer Kritiker 

Kardinal Zen, emeritierter Erzbischof von Hongkong, gilt als einer der vehementesten Kritiker des Abkommens. In einem Gastbeitrag am 24. Oktober in der New York  Times bezeichnet er dieses Abkommen als „großen Schritt zur Vernichtung der wahren Kirche in China“.  

Abkommen führt zur Auflösung der wahren Kirche 

  • Das Abkommen zwischen China und dem Vatikan, das dem kommunistischen Regime in Peking eine nicht näher bekannte Mitsprache bei der Ernennung von Bischöfen gibt, sei eine Frucht der Naivität von Papst Franziskus. 

Papst Franziskus habe eine „natürliche Sympathie“ für die Kommunisten, weil er diese als die Verfolgten wahrnehme. „Er kennt sie nicht als die Verfolger, zu denen sie werden, sobald sie an der Macht sind“, analysiert er. Papst Franziskus verstehe die Kommunisten nicht, fügt Zen hinzu. Aus seiner Erfahrung in Südamerika sehe er sie als Verteidiger der Armen gegen Unterdrückung. Mit einem totalitären Regime sei es jedoch unmöglich, ein gutes Abkommen zu schließen, betont der Kardinal. 

  • Papst Franziskus’ optimistische Einstellung zu den Kommunisten Chinas werde durch Zyniker in seinem Umkreis verstärkt, die es besser wissen müssten. Angesichts der Erfahrungen der letzten Zeit habe er seine Haltung zu einigen Beratern des Papstes geändert. Er habe Kardinal Parolin als Vatikanischen Staatssekretär zunächst begrüßt. Jetzt sei er davon überzeugt, dass Parolin weniger an der Kirche als vielmehr an einem diplomatischen Erfolg interessiert sei.
  • Das nun abgeschlossene Abkommen werde zur Unterdrückung der Bischöfe der Untergrundkirche führen. Es sei abgeschlossen worden, um die Einheit der Kirche in China herzustellen, werde jedoch zur Auflösung der wahren Kirche in China führen.

Not der Untergrundpriester wegen des Abkommens

  • Kardinal Zen ist Ende Oktober nach Rom gereist, um einen siebenseitigen Brief an Papst Franziskus zu übergeben. Damit will er den Papst auf die Not der Untergrundkirche aufmerksam machen.
  • Die chinesischen Behörden hätten die Priester der Untergrundkirche gezwungen sich zu deklarieren, der Katholischen Patriotischen Vereinigung (KPV) beizutreten  und eine amtliche Bestätigung zu erwerben. Die Behörden hätten dies mit dem vorläufigen Abkommen zw. China und dem Vatikan begründet. Da das Abkommen nicht öffentlich ist, wüssten die Priester der Untergrundkirche nicht, was der Papst von ihnen erwarte. Manche Priester seien geflohen oder untergetaucht, weil ihnen nicht klar ist, ob die Behörden die Wahrheit sagten. In seinem Brief berichtet Zen, dass die Behörden das Geld der Priester beschlagnahmt, deren Verwandte belästigt und Priester verhaftet hätten.
  • Der Heilige Stuhl unterstütze die Untergrundkirche nicht, sondern werfe ihr vor, gegen die Einheit zu sein und Probleme zu machen. Kardinal Zen sieht die Hauptschuld bei Staatsekretär Kardinal Parolin: Dieser sei sehr erfahren und kenne „das hässliche Gesicht Chinas“. Er vertraue dem Regime nicht einmal, benutze es aber, um diplomatische Beziehungen aufnehmen zu können. 

KPV  -  UNVEREINBAR MIT KATHOLISCHER DOKTRIN 

Brief von Papst Benedikt XVI 

  • Die Mitgliedschaft in der KPV (Katholisch Patriotischen Vereinigung) bedeutet die Zustimmung zu einer vom Papst  „unabhängigen Kirche“. In seinem Brief an die chinesischen Katholiken vom 27. Mai 2007 hat Papst Benedikt XVI. daher den Status der KPV als „unvereinbar mit der katholischen Doktrin“ bezeichnet. 
  • In der chinesischen Übersetzung jedoch entstand der Eindruck, eine Mitgliedschaft bei der KPV sei nicht nur möglich, sondern auch ein Zeichen wahren pastoralen Eifers, während das Original das Gegenteil sagte. Es war Kardinal Zen, der diesen Schwindel aufdeckte. Aber zu diesem Zeitpunkt haben ihn einige Bischöfe schon als Ermutigung aufgefasst, sich der staatlich kontrollierten Kirche anzuschließen.  

Loyalitätserklärung der KPV an die Kommunistische Partei   

Am 23. September, nur einen Tag nach dem umstrittenen Abkommen, hat die „katholische Staatskirche“ in China eine Loyalitätserklärung gegenüber der kommunistischen Partei abgegeben. In einer Presseaussendung heißt es, dass man weiterhin einen „gemeinsamen Weg“ zu einer „sozialistischen Gesellschaft“ unter Führung der kommunistischen Partei gehe. Man liebe das Mutterland und unterstützte das Abkommen zw. Regierung und Vatikan. 

Festakt:  60 Jahre  „Unabhängige Kirche“ 

  • Am 17.12.2018 wurde mit einem Festakt in Nanjing  an die erste Bischofsweihe ohne päpstliche Zustimmung vor 60 Jahren erinnert. An diesem Festakt nahmen  48 Bischöfe und über 100 Priester sowie mehr als  200 Nonnen teil. Mit dieser ersten Bischofsweihe ohne päpstliche Zustimmung vor 60 Jahren wurde eine unabhängige und selbstverwaltende Kirche errichtet, und die katholische Kirche Chinas in eine „patriotische“ (regimetreue) Kirche und eine (papsttreue)  „Untergrundkirche“ gespalten. 
  • Lt. Wang Zuoan, Vizechef der Vereinigten Front, wird das Prinzip der Unabhängigkeit und der Selbstverwaltung „zu keiner Zeit und unter keinen Umständen“ aufgehoben. Angesichts dessen, dass mehr als die Hälfte der Diözesen Chinas ohne Bischöfe und in anderen die Bischöfe sehr alt sind, forderte der regimetreue Bischof Ma Yinglin „politisch zuverlässige“ Bischöfe.  
  • Das chinesisch-vatikanische Abkommen, das in der Theorie den Papst als Oberhaupt der Chinesischen Kirche ansieht,  insofern er das „letzte  Wort bei Bischofsernennungen“ haben wird, scheint der Forderung der Regierung nach einer unabhängigen Kirche keinerlei Abbruch getan zu haben
  • Ein Insider sagte gegenüber Global Times, dass „religiöse Fragen nicht mehr länger ein Hindernis  für die beiden Seiten darstellten, diplomatische Beziehungen aufzunehmen.“ 

BRIEF EINES UNTERGRUNDPRIESTERS

Savio (Pseudonym), ein Priester der Untergrundkirche, schreibt von seinen Gewissenskonflikten, einen Bischof der Patriotischen Vereinigung zu akzeptieren, weil diese eine „unabhängige Kirche“ unterstützt, die inkompatibel ist mit der katholischen Doktrin. Für den Priester besteht im Verhalten des Vatikans eine ungelöste Zweideutigkeit. Und er bittet um Hilfe und Kohärenz. Der Brief wurde von Asia News veröffentlicht:  

Wohin mit den  7  offiziellen Bischöfen 

  • Nach der vor kurzem erfolgten Unterzeichnung des chinesisch-vatikanischen Abkommens bleibt das schwierige Problem, wohin mit den 7 Bischöfen, die kürzlich legitimiert wurden: sie müssen ordentliche Bischöfe ihrer Diözesen werden, und so müssen die ursprünglichen Bischöfe zurücktreten, in Pension gehen oder ihren Platz für sie freimachen. 
  • In der Vergangenheit wurde es immer so gesehen, dass die Legitimität der unrechtmäßigen Bischöfe kein Problem darstellt, da sie mit der bischöflichen Weihe Bischöfe wurden, wenn auch illegitim: die Weihe war gültig, auch wenn sie ihren Bischofsdienst nicht ausüben konnten. Das Problem ist, wohin mit ihnen nach der Legitimierung, da die Diözese bereits einen Bischof hat … nach den offiziellen Dokumenten, scheint es, als ob der Hl. Stuhl dieses Problem bereits auf dem Papier gelöst hat.

Gewissen und Gehorsam sind nun in Widerspruch 

  • Aber sie sehen sich neuen und ernsthafteren Problemen gegenüber, denen sie vielleicht nicht ins Gesicht sehen wollen oder weil sie Diskussionen vermeiden  wollen, und stellen uns vor ernste und schmerzhafte Entscheidungen: die Patriotische Vereinigung zu akzeptieren oder nicht.  
  • Einerseits ist der Brief von Papst Benedikt XVI. an die Chinesische Kirche nach wie vor gültig, und sagt ganz klar, dass die Prinzipien der Patriotischen Vereinigung nicht vereinbar sind mit der Doktrin der Katholischen Kirche (…). Andererseits können Bischöfe,  die zur Nationalen Patriotischen Vereinigung gehören, Bischöfe ersetzen, die verfolgt wurden, weil sie sich nicht der Patriotischen Vereinigung in Sachen des Glaubens und der Wahrheit angeschlossen haben: dies bringt den Klerus und die Gläubigen in ein Dilemma  des Widerspruchs, dieselben Leute, die von Anfang an der  Doktrin der Kirche treu waren. 

Vatikan, bitte sag uns, was wir tun sollen

  • Wollen wir gehorsam sein, müssen wir bewusst unsere Augen verschließen und den Brief von Papst Benedikt XVI ignorieren und unser Gewissen missachten, indem wir den Präsidenten der Patriotischen Vereinigung als unseren Bischof akzeptieren. Oder dem Prinzip vom Vorrang des Gewissens und den Grundsatz unseres Glaubens treubleiben und die Patriotische Vereinigung und ihre Bischöfe nicht akzeptieren. 
  • Man muss über den Gehorsam sprechen, weil die offiziellen Dokumente des Vatikans klar bestimmen, dass ein patriotischer Bischof den ordentlichen Bischof Msgr. Guo Xijin  der Diözese von Mindong ersetzt, und alle Priester im Gehorsam ohne Schuld sind, unbedingter Gehorsam, wenn sie einen  von der Patriotischen Vereinigung nominierten Bischof akzeptieren: Die „Loyalität der Diözese von Mindong“ ist wie einen Schluck Tee trinken. 
  • Der Begriff „Treue“ bedeutet Loyalität gegenüber einer übergeordneten Autorität, treu sein gegenüber der Tradition der Kirche, treu gegenüber dem Vertreter Christi auf Erden. Als wir uns für die Linie der „Geheimhaltung“ entschieden, dann weil der Heilige Stuhl die offiziellen Bischöfe nicht anerkannte, weshalb er die Gemeinschaft in der Verwaltung der Sakramente abgelehnt hat. Nun akzeptieren wir die offiziellen Bischöfe als unsere Bischöfe, aus demselben Befehl des Hl. Stuhls heraus, somit sind die Ablehnung von damals und die Akzeptanz von heute von der gleichen Art.
  • Was dabei aber übersehen wird, ist die Gleichzeitigkeit des Verbots der Patriotischen Vereinigung durch den Hl. Stuhl  und der  Entscheidung in den Untergrund zu gehen wegen der Nichtvereinbarkeit mit der Doktrin der Kirche: Bedeutet dies, dass das Problem der Patriotischen Vereinigung gelöst ist? Wenn es nicht gelöst ist, ist das nicht ein Widerspruch? Sollten wir den Brief von Papst Benedikt als eine Instruktion des Hl. Stuhls betrachten? Sollte unser Gehorsam blind sein?
  • Das Gewissen sagt uns, dass der Brief von Papst Benedikt noch gültig ist und Papst Franziskus hat seine Gültigkeit bestätigt. Deshalb gibt es das Dilemma: da die Patriotische Vereinigung und die kirchliche Doktrin nicht vereinbar sind, wie können wir den Präsidenten der Vereinigung als unseren Bischof akzeptieren? In Übereinstimmung mit dem Brief des früheren Papstes kann ich nicht einen patriotischen Bischof als meinem Bischof akzeptieren, wenn er nicht die Vereinigung verlässt. Wenn man von mir verlangt, einen patriotischen Bischof als meinen Bischof zu akzeptieren, kann ich nur den Brief des Papstes, der noch gültig ist,  negieren und vergessen,  außer es wird klar gesagt, dass er nicht mehr länger gilt. In diesem Dilemma gebt mir Entscheidungsfreiheit: Ich kann nicht ein Auge öffnen und das andere schließen, ich will nicht ungehorsam sein, aber auch nicht mein Gewissen verraten: Ich kann immer nach Hause gehen und die Felder bestellen. 
  • Ich bin ein gewöhnlicher Priester, ich habe nicht den Intellekt dieser großen Leute, die so viel denken; ich habe einen einfachen Glauben, der auf ja ist ja und nein ist nein basiert; ich habe weder Machtambitionen, noch bin ich ehrgeizig: im Widerspruch zwischen Glaube und Gehorsam, zwischen Gewissen und Gehorsam, bitte, lieber Vatikan sag uns: was sollen wir  tun?

CHINESISCHER  HISTORIKER  SIEHT PARALLELEN 

Neues Abkommen von München 

  • Dieses Abkommen ähnelt stark dem Abkommen von München von 1938, mit dem die Sudentenkrise auf Kosten der Tschechoslowakei beendet wurde, und das den Höhepunkt der britisch-französischen Appeasement-Politik gegenüber Hitler darstellt. 
  • Jedes Abkommen, dass Gerechtigkeit vermissten lässt, geht zu Lasten anderer. Selbst wenn die anfängliche Intention gut zu sein scheint, müssen die Folgen auf objektiver Ebene korrekt und klar eingeschätzt werden. Auch wenn es stimmt, dass die Kirche Barmherzigkeit verkündet, bedeutet das nicht, dass man das Leiden und das Herumtrampeln auf dem Blut der Märtyrer im Namen des diplomatischen Erfolges ignorieren kann! Die Geschichte ist ein Spiegel, der klar Aufstieg und Fall von Ländern in der Welt zeigt! Die Geschichte der Menschheit muss ein Lehrer sein für die Kirche, ein Ort zu lernen, nicht die gleichen Fehler zu wiederholen. 

Abkommen zwischen Napoleon und Pius VII.

  • Obwohl das Konkordat mit Frankreich den Papst explizit als höchste Autorität der Kirche anerkannte, machte der frz. Staat was er wollte. … Das gegenwärtige Abkommen sagt überhaupt nichts über die Autorität des Papstes. Es ist daher notwendig mit unverstellten Blick auf die Deklaration der Patriotischen Vereinigung und des Bischofskollegiums der offiziellen Kirche sowie die Botschaft von Nanjing zu schauen: 
  • „Die chinesische Katholische Kirche akzeptiert keinerlei Kontrolle oder Unterstützung durch ausländische religiöse Organisationen; sie erlaubt keinen fremden Kräften sich in kirchliche Angelegenheiten in China einzumischen. Es ist notwendig die Prinzipien der Autonomie („Unabhängigkeit“) und der Selbstverwaltung aufrechtzuerhalten. Lasst diese Prinzipien zum unerschütterlichen Konsens aller Kleriker und Laien werden. Dass er zu keiner Zeit und unter keinen Umständen wanke. In der Förderung der Synchronisierung von Religion, Autonomie und Selbstverwaltung liegt die Grundlage für Frieden und Stabilität der chinesisch-katholischen Kirche.“ 

Wien, Mittwoch  9.1.2019