Hariri-Rücktritt: Patriarch fürchtet Destabilisierung des Libanon

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08 November 2017

Hariri-Rücktritt: Patriarch fürchtet Destabilisierung des Libanon

DER LIBANON UND DIE RELIGIONSFREIHEIT

DER  LIBANON  UND  DIE  RELIGIONSFREIHEIT

GEHEIMKONVERSIONEN  ZUM CHRISTENTUM  

Viele Konversionen  – Zahl  unbekannt 

  • Einem Ortsbischof zufolge gibt es im Libanon jedes Jahr zahllose Konversionen von Muslimen zum Christentum; die tatsächliche Anzahl aber ist wegen des Risikos gesellschaftlichen Stigmas und Verfolgung nicht bekannt. „Die meisten von ihnen versuchen den Libanon zu verlassen, nach Europa oder Amerika oder Kanada oder Australien, um dort zu leben, weil es nicht möglich ist, zu konvertieren und hier zu bleiben“, sagte ein katholischer Bischof aus dem Libanon CNA in einem Telefongespräch am 10. Februar 2014.
  • „Es ist sehr, sehr schwer zu wissen, wie viele getauft werden, weil alles ein Geheimnis ist.“ Angesichts der Delikatheit von Konversionen im Libanon – ein Land mit einer leicht muslimischen Mehrheit – sprach der Bischof unter Bedingung der Anonymität. Während die Region für ihre vergleichsweise Pluralität gelobt wird, weil die muslimische und die christliche Bevölkerung im Allgemeinen halbwegs gedeihlich zusammenlebt, kann Feindseligkeit gegen jene bestehen, die sich vom Islam zum Christentum bekehren.
  • „Ich habe viele Geschichten über Konversionen von Muslimen gehört“, in der maronitischen wie in der melkitischen  Kirche, den beiden größten katholischen Gemeinschaften des Landes. Der Bischof zitiert einen melkitischen Priester, der letztes Jahr 75 Muslime getauft hat: „Die meisten von ihnen haben die muslimische Gegend verlassen und leben im christlichen Gebiet“, und viele versuchen zu emigrieren.
  • Eine junge Frau aus Baalbek konvertierte und ihre Familie „beschuldigte den Priester, er hätte Hexerei angewandt, um sie zum Christentum zu bekehren. Der Priester wurde dann von der Familie entführt und gefangen gehalten. Ein Deal zwischen der Diözese und dem Stamm der Familie wurde ausgehandelt, wonach die Familie ihre Tochter unter der Bedingung sie nicht zu foltern zurückerhält.“ Seither hat sich auch ihre Familie bekehrt, „aber geheim“, erklärt der Bischof.
  • Wenn Konvertiten aus dem Islam den Libanon nicht verlassen können, dann übersiedeln sie in Gebiete des Libanon mit einer großen Konzentration von Christen: „Andere Leute verlassen die Bekaa-Ebene und verbleiben in Beirut oder Jounieh, im christlichen Teil des Landes.“
  • Jene, die sich im Libanon zum Christentum bekehren sind im Großen und Ganzen selbst Libanesen, erklärte der Bischof, und sagt „ich kenne nur einen Syrer“.
  • Dieser syrische Konvertit stammt aus Aleppo und hielt sich in Beirut auf, um die Scharia zu studieren und Scheich zu werden. Der Mann „wurde im Libanon getauft und ist nun verheiratet, aber er kann seine Heirat nicht in Syrien registrieren lassen. Er befindet sich in großen Schwierigkeiten, weil er nicht nach Syrien gehen kann und auch im Libanon seine Heirat nicht registrieren lassen kann.  Wir versuchen herauszufinden, ob er nach Europa oder irgendwo andershin gehen kann, um dort mit seiner Familie zu leben.“ Der Libanon kennt kein Ziviltrauung; alle Trauungen werden von religiösen Beamten durchgeführt“, sagte der Bischof. „Es ist nicht leicht, öffentlich über Konversionen zum Christentum zu sprechen.“

Problem  – nicht der Staat, sondern die muslimische Gesellschaft 

  • Libanon, wo es nicht leicht ist, öffentlich über Konversionen zum Christentum zu sprechen, „ist besser als die anderen arabischen Länder“. „Aber wir haben noch immer ein Problem“, sagte er. Die Libanesische Verfassung garantiert Religionsfreiheit und die Mitglieder des Parlaments und der Regierung sind ausgewogen zwischen Muslimen und Christen verteilt. Nationale Identitätskarten führen im Allgemeinen die Religion des Trägers an, obwohl dies gesetzlich nicht erforderlich ist. „Es ist leicht für einen Konvertiten, sich beim Staat als Christ registrieren zu lassen. In anderen Ländern ist das nicht möglich. Ich weiß z.B., dass es in Ägypten viele Konversionen gibt, aber sie sind noch immer als Moslem und nicht als Christen registriert.“
  • Auch wenn der libanesische Staat religiöse Freiheit gewährt, die gesellschaftliche Diskriminierung gegen Konvertiten ist weitverbreitet. Der Bischof berichtet, dass Familien von Konvertiten oft den christlichen Glauben ihrer Verwandten „niemals akzeptieren“ und der Konvertit „verfolgt wird von der Familie, seinem Stamm und seinem Dorf.“

Syrische Flüchtlinge gefährden fragiles Gleichgewicht 

  • Während das Land lange in der Lage war trotz Spannungen zwischen seinen religiösen Gruppen zu leben –  geschätzte 54 % Muslime, 41 % Christen –  hat der große Einstrom syrischer Flüchtlinge im Zuge des Bürgerkrieges im Nachbarland den Status quo überstrapaziert. Die libanesische Regierung schätzt, dass mehr als 1 Million syrischer Flüchtlinge im Land leben. 2011, als der syrische Bürgerkrieg ausbrach, wurde die Bevölkerung des Libanon auf etwas mehr als 4 Millionen geschätzt. Nun, da beinahe 20% der libanesischen Einwohner syrische Flüchtlinge sind, sind die interreligiösen Beziehungen angespannt.
  • Der Bischof sagt, dass seine Diözese sowohl Christen als auch muslimischen Flüchtlingen hilft. „Wenn wir Muslime empfangen, helfen wir ihnen ohne zu versuchen sie zu bekehren; denn wenn wir materielle Hilfe geben, möchten wir dieses Spiel nicht spielen.“

KONVERSION   = MENSCHENRECHT 

Allgemeine Erklärung der Menschenrechte (1948) 

  • Im Artikel 18 der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte (AEMR) aus 1948 heißt es:

„Jeder hat das Recht auf Gedanken-, Gewissens- und Religionsfreiheit; dieses Recht schließt die Freiheit ein, seine Religion oder seine Weltanschauung zu wechseln, sowie die Freiheit, seine Religion oder seine Weltanschauung allein oder in Gemeinschaft mit anderen, öffentlich oder privat durch Lehre, Ausübung, Gottesdienst und Kulthandlungen zu bekennen.“

Die AEMR wurde am 10. Dezember 1948 von der UN-Generalversammlung angenommen mit 48 Ja-Stimme, 0 Gegenstimmen und 8 Enthaltungen (Sowjetunion, Ukraine, Weißrussland, Polen, CSSR, Jugoslawien Saudi Arabien und Südafrika). Der 10. Dezember gilt seither als Tag der Menschenrechte und die AEMR als Flaggschiff der Menschenrechte.

  • Zwar ist die  AEMR selbst unverbindlich, aber viele der darin angeführten Menschenrechte, darunter auch die Religionsfreiheit, erhielten durch ihre Aufnahme in den Internationalen Pakt über bürgerliche und politische Rechte  (IPbpR bzw. UN-Zivilpakt) rechtsverbindlichen Charakter für die Unterzeichnerstaaten. Der UN-Zivilpakt wurde am 20. Dezember 1966 von der UN-Generalversammlung angenommen und trat 23. März  1976 in Kraft.

Der überragende Beitrag des Libanon zur AEMR 

  • Der Staat Libanon akzeptiert nicht nur die AEMR,  sondern spielte bei ihrer Formulierung und Annahme eine überragende Rolle und zwar in der Person seines Botschafters Charles Habib Malik.
  • Charles  Habib Malik wurde 1906 in Bitirran (Bezirk Koura, Nordlibanon) in einer christlichen Familie geboren und starb am 28. Dezember 1987 in Beirut. An der Beiruter American University hat er Mathematik und Physik studiert, später dann Philosophie bei so renommierten Lehrern wie Martin Heidegger in Freiburg und Alfred N. Whitehead in Harvard, wo er 1937 promovierte. Zurück im Libanon gründete er an der American University die philosophische Fakultät, deren Dekan er war, bis ihn die Regierung 1947 zum Botschafter in den USA und bei der UN berief.
  • Wenn man die Person finden müsste, die den größten Anteil an der Entstehung der AEMR hatte, wäre Charles Malik ohne Zweifel in der engsten Wahl. Sein philosophisches Denken in Menschenrechtsfragen war von christlich-humanitären und naturrechtlichen Positionen bestimmt. Die UN-Kommission für Menschenrechte bot Malik eine außerordentliche Möglichkeit zum Entwurf der AEMR beizutragen, zuerst als Philosophieprofessor und später als Diplomat.
  • Der Beitrag Maliks als „Philosophieprofessor“ zeigt sich in seinen philosophischen Überlegungen zu Freiheit, Religion und dem Individuum im Verhältnis zum Staat. In den „4 Grundprinzipien“, die Malik am 4. Februar 1947 als Richtlinie für die Arbeit der UN-Menschenrechtskommission vorschlug, offenbart sich sein philosophischer Ansatz zugunsten des Individuums in dessen Kampf gegen den unaufhörlichen Gruppendruck.
  • Diese Prinzipien besagen, dass  1) das Individuum grundsätzlich Vorrang vor jeder nationalen oder kulturellen Gruppe hat, der es entstammt; 2) Geist und Gewissen einer Person ihr heiligster und unantastbarster Besitz sind; 3) jeder soziale Druck seitens des Staates, der Religion oder anderer  Gruppen, der darauf abzielt, Zustimmung zu erzwingen, automatisch falsch ist; 4) da Gruppen wie auch Individuen Recht oder Unrecht haben können, das Gewissen der Person der zuständige Richter ist.
  • Für ihn war Freiheit, insbes. die Gedanken- und Gewissensfreiheit,  ihrer Essenz nach ein dynamisches und kein statisches Konzept, sodass letztlich Freiheit nicht nur das Recht zu existieren, sondern auch das  Recht zu werden, impliziert. Nirgends zeigt sich sein Einfluss deutlicher als in der ersten Klausel der Präambel der  AEMR  und im  Artikel 18 (Gedanken-, Gewissens- und Religionsfreiheit), der das Recht, seine Religion bzw. Weltanschauung zu wechseln, als Menschenrecht explizit anführt.
  • Aber Maliks Rolle zur Entstehung der AERM beschränkte sich nicht  auf seinen Beitrag als Philosophie-Professor; sondern es war Charles Malik, der Diplomat“, der mehr als jeder andere Delegierte dazu beitrug, dass die  AEMR trotz der angespannten Atomsphäre von 1948 ohne eine Gegenstimme angenommen wurde, und damit die Universalität der Rechte und Freiheiten ausdrückte, die sie verkündete.

ISLAMISCHE GEGENPOSITION  ZUR  AEMR 

Islamische Kritik an  der AEMR 

  • Dass der Libanon als Staat in Sachen Menschenrechte eine Ausnahme in der arabischen Welt darstellt, ist eine Folge seines großen christlichen Bevölkerungsanteils.
  • Vorwiegend islamische Länder wie Sudan, Pakistan, Iran und Saudi-Arabien kritisierten die Allgemeine Erklärung der Menschenrechte wegen der ihrer Ansicht nach fehlenden Beachtung von Religion und Kultur nichtwestlicher Länder.
  • Der iranische Vertreter bei der UN, Said Rajaie-Khorassani, fasste 1981 die islamische Position zur Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte zusammen, indem er sagte, sie sei „eine säkulare Interpretation der judäo-christlichen Tradition, die von Muslimen nicht ohne Bruch des islamischen Rechts befolgt werden könne“.

 Versionen „islamischer Menschenrechte“

  • 1981 wurde in London auf Initiative Saudi Arabiens (!) die Allgemeine Erklärung der Menschenrechte im Islam  verfasst.
  • 1990 verabschiedete die islamische Welt, repräsentiert durch die OIC (Organisation Islamischer Konferenzen)  mit der  Kairo Erklärung der Menschenrechte einen Gegenentwurf zur AEMR. 
  • Allein schon der Terminus Islamische Menschenrechte ist  ein Widerspruch  in sich, aber Widerspruchsfreiheit zählt bekanntlich nicht zu den herausragenden Merkmalen des Islam.
  • Allgemeine Erklärung der Menschenrechte im Islam  – 1981 
  • 1981 wurde eine erste, unverbindliche „Allgemeine Erklärung der Menschenrechte im Islam“  durch einen nicht-repräsentativen „Islamrat von Europa“, eine nichtstaatliche Organisation mit Sitz in London, verfasst. Die Erklärung kam auf Initiative des saudischen Königshauses zustande und erfolgte unter Mitwirkung  einflussreicher Islamgelehrter aus dem Sudan, Pakistan und Ägypten.
  • Die im Westen verbreiteten Versionen der „Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte im Islam “  in Englisch oder Französisch, auf der auch deutsche Übersetzungen beruhen, sind gegenüber dem Original „erheblich gekürzt“  und lassen die zugrunde liegenden „Implikationen der islamischen Rechtstradition“ kaum erkennen. Ein bezeichnendes Beispiel für Taqiyya, religiös legitimierter Lüge,  wie sie in zentralsten Fragen üblich zu sein scheint (Stichwort: hat nichts mit dem Islam zu tun).

Kairoer Erklärung der Menschenrechte  – 1990 

  • Im Jahr 1990 beschloss die Organisation der Islamischen Konferenz (OIC) die Kairoer Erklärung der Menschenrechte. Sie  wurde am 5. August 1990 von 45 Außenministern der aus 57 Mitgliedern bestehenden OIC angenommen und soll den Mitgliedsstaaten als Richtschnur in Bezug auf die Menschenrechte dienen, besitzt allerdings keinen völkerrechtlich bindenden Charakter.
  • Obwohl im Wortlaut ähnlich, weicht die Kairoer Erklärung inhaltlich erheblich von der AEMR ab: So garantiert sie bspw. keine Gleichberechtigung von Männern und Frauen und kein Recht auf freie Wahl der Religion oder des Ehepartners. Sie stellt vielmehr alle dargestellten Rechte unter den Vorbehalt der islamischen Schari’a.

Artikel 24 legt fest: „Alle in dieser Erklärung festgelegten Rechte und Freiheiten sind der islamischen Schari’a nachgeordnet.“   

Artikel 19 besagt: „Es gibt keine Verbrechen und Strafen außer den in der Schari’a festgelegten.“ 

Artikel 25 legt fest: „Die islamische Schari’a ist die alleinige Referenz für die Erklärung oder Erläuterung aller Artikel dieser Erklärung.“ 

  • Die Kairoer Erklärung unterstreicht ihren Ursprung im Islam als der „wahren Religion“  und der Lebensart der islamischen Gesellschaft (Umma), die als beste aller menschlichen Gesellschaften beschrieben und der eine zivilisierende und historische Rolle zugeschrieben wird.

Kairoer Erklärung legitimiert Todesstrafe bei Abfall vom Islam 

  • Die Kairoer Erklärung steht im Widerspruch zur Religionsfreiheit wie sie die AEMR definiert: Zum einen, weil sie das Recht, den Islam zu verlassen und zu konvertieren nicht anerkennt; und zum anderen, weil sie die Todesstrafe für Apostasie vom Islam legitimiert:  Art. 19 der  Kairoer Erklärung besagt: „Es gibt keine Verbrechen  und Strafen außer den in der Schari’a festgelegten“. Und die Scharia sieht nach allen Rechtsschulen des Islam für Apostasie die Todesstrafe vor.
  • Das bestätigte Ahmed el-Tayyib, Großimam der Al-Azhar (höchste Lehrautorität des sunnitischen Islam) am 16. Juni 2016 im ägyptischen TV: „Der breite Konsens der islamischen Theologie, einschließlich prominenter Gelehrter der 4 Rechtschulen des sunnitischen Islam, betrachtet Apostasie als Verbrechen. Sie stimmen alle darin überein, dass ein Apostat gedrängt werden sollte innerhalb einer variablen Zeitspanne zu bereuen, andernfalls wird er getötet.“

OIC und die Islamisierung der AEMR 

Die Kairoer Erklärung verbietet aber auch jede Kritik am Islam und jede „Beleidigung“ seines Propheten. Via UN-Menschenrechtsausschuss und UN-Generalversammlung versucht die OIC seit Jahrzehnten die AEMR in diesem Sinne zu islamisieren und der ganzen Welt die islamischen Blasphemievorstellungen als Menschenrechte aufzuzwingen und findet bekanntlich unter unseren „Eliten“ willige Helfer, wenngleich nicht auf UN-Ebene, dort stimmt der Westen stets dagegen. Dafür aber umso nachdrücklicher auf nationaler und EU-Ebene, wo unter dem Deckmantel „Hassrede“, Diskriminierung und Rassismus Kritik am Islam, ja das bloße Nennen von Fakten, zunehmend kriminalisiert wird, und zwar umso mehr, je dringender ein offener Diskurs wäre.

Wien, Mittwoch 25. Oktober 2017

Syrisch-orthodoxer Patriarch: ‘Die Jugend ist die Kirche’

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12 August 2017

Syrisch-orthodoxer Patriarch: ‘Die Jugend ist die Kirche’
Beim Suryoyo-Weltjugendtreffen im Libanon betonte der Patriarch Mar Ignatius Aphrem II., dass alles getan werden soll, um die östliche Kultur in der Kirche der Diaspora zu fördern – Ab 2018 eigenes Kirchen-TV.
60564

Fatima: Patriarch Rai weihte den Libanon der Gottesmutter

http://www.kath.net/news/60044

26 Juni 2017

Fatima: Patriarch Rai weihte den Libanon der Gottesmutter